Caerphilly Castle
in Süd-Wales

Let`s go to Wales ...

Text und Fotos
von Eberhard Holin

aber nicht nur wegen der Welsh-Ponys und -Cobs

Unter den deutschen Pony-Züchtern ist Wales als die Heimat unserer Welsh-Ponys und Cobs bekannt.
In der Regel fahren die Welsh-Freunde zur Lampeter-Hengst-Schau, zur Royal Welsh-Schau oder zu den bekannten Sales (Versteigerungen) Fayre Oaks in Hereford (A u. B) Mitte September, oder zum Royal Welsh Sale in Builth Wells (C u. D) Mitte Oktober.
Bei Gestütsbesuchen, abseits der großen Verkehrsströme, erleben sie einen kleinen Eindruck von der typischen waliser Landschaft: tiefe Täler, hügeliges oder bergiges Gelände, durch zahlreiche Hecken und Mauern gut strukturiert.

Seltener besuchen sie gezielt die imposanten Reste walisischer oder englischer Geschichte: Burgen, Kathedralen, Zentren alter Dörfer und Städte, Industrie-Denkmäler, Museen, Bibliotheken usw.

Welsh-A-Stuten auf dem Dukes Hill-Gestüt in Powys.

Aus Zeitdruck bleiben leider den meisten Pony-Liebhabern zahlreiche Natur- und Kultur-Denkmäler des United Kingdom unbekannt.

Seit 1987 besuchen wir jährlich die Insel. In den ersten Jahren dauerten unsere Fahrten immer mehrere Wochen. In der einen Hälfte suchten wir vorrangig nach Welsh-Ponys und Cobs, in der anderen beschäftigten wir uns überwiegend mit der englischen und walisischen Kultur.

Mehrfach besuchten wir London, Cambridge, Canterbury, Oxford, Stratford upon Avon, Windsor, Coventry, Hereford, Gloucester und Cardiff. Staunend haben wir im Dover- und Warwick Castle gestanden.

Unser Weg führte uns aber auch an der südenglischen Küste entlang.

Castle Cardiff, ab 1090 auf den Ruinen eines römischen Forts erbaut, mitten in der Stadt.

In Torquay, Paignton, Brixham und Dartmouth genossen wir das malerische Ambiente der schönen Hafenstädte von Süd-Devon. Am Napoleon`s View, auf den Kreidefelsen von Berry Head haben wir gesessen. Auch dem National Shire Horse Centre in Dunstone, kurz vor Plymouth, galt unser Besuch.

Der Weg führte uns ins Landesinnere zu den frei laufenden New Forest-, Exmoor- und Dartmoor-Ponys. Auf den Parkplätzen im Dartmoor Nationalpark warteten sie schon. Nur mit Mühe konnten wir die Autotüren öffnen, und schon wurde uns von den lästigen Ponys der Proviant aus den Händen geschnappt. Nahe der Abtei von Beaulieu kreuzte eine etwa 30-köpfige frei laufende Eselherde unsere Straße. Die auf den Verkehrsstraßen und Dorfplätzen herumlungernden Ponys waren für uns sehr gewöhnungsbedürftig.

Aber immer wieder führt uns der Weg nach Wales. Die rd. 500 km vom östlichen Ruhrgebiet nach Ostende oder Calais werden mit dem PKW zügig bewältigt. Gern benutzen wir die schnellen Katamarane und Flugboote von Hovercraft. Von Dover geht es dann die weiteren 500 km, meistens auf den Autobahnen südlich um London herum, bis wir endlich die M4 erreichen und uns der unübersehbare Hinweis "West" erfreut. Nach Überqueren der alten Severn Bridge fahren wir dann entweder direkt nach Norden, passieren Abergavenny und Brecon, und erreichen dann unser Ziel, die kleine Stadt Builth Wells, in der jedes Jahr das Zentral-Ereignis der Welsh-Pony- und Cob-Zucht, die Royal Welsh-Schau stattfindet.

Sie ist das Schaufenster der walisischen Landwirtschaft und lockt jährlich weit über 100 000 Besucher und Aussteller in die kleine Gemeinde, darunter auch zahlreiche Welsh-Enthusiasten vom Kontinent und dem gesamten Commonwealth. Manchmal benutzen wir aber auch die neue Brücke über den Severn und die weiter südliche Anfahrt Richtung Cardiff. Von dort ist der Weg nur kurz zu den walisischen Welsh-Gestüten Ceulan(A) und Thornberry(B), und dann geht es wieder in nördliche Richtung durch die herrlichen Brecon Beacons über Merthyr Tydfil, der alten Eisenstadt, und Brecon nach Builth.
Natürlich verlassen wir oft die ermüdenden großen Betonstraßen und fahren auf engsten Wegen querbeet, um Welsh-Gestüte und die überwältigenden Kulturdenkmäler englischer und walisischer Geschichte zu erleben, wie z.B. das römische Amphitheater in Caerleon und Tintern Abbey, das gut erhaltene Zisterzienser-Kloster im Tal des Flusses Wye, die Wallfahrtsstätte der Romantik, ab 1131 erbaut, 6 km nördlich von Chepstow.

St. David`s Cathedral, schönste Kathedrale von Wales, ältester Bischofssitz von GB.

Eine weitere Reiseroute führte uns mehrfach über Camarthen an die walisische Westküste. Nach dem Besuch der St. David`s Cathedral und Fishguard geht es dann auf der Küstenstraße durch den Welsh-Züchterhimmel weiter nach Norden. Wie auf einer Perlenschnur eng aneinander gereiht liegen hier die bekannten walisischen Zuchtstätten Menai, Downland, Synod, Derwen, Nebo, Frongoy, Fronarth und viele andere.

Auch das ehemalige deutsche Gestüt Palatinate hat hier seit 1995 seine neue Heimat gefunden. Beeindruckt haben wir an der Mündung des River Teifi gesessen und das schöne Cardigan gesehen und die Strände, Häfen und Marktplätze der malerischen walisischen Fischer-Dörfer Aberporth, Llangrannog, New Quay und Aberaeron besucht.
Die Cenarth Falls bei Cardigan

Mehrfach sind wir in der alten Universitätsstadt Aberystwyth und in der Geschäftsstelle der Welsh Pony and Cob Society(WPCS) zu Gast gewesen.

Natürlich hat es uns auch die überwältigende Landschaft des nördlich gelegenen Snowdonia Nationalparks angetan, ein Areal von 2200 km² Schaf-, Gras- und Ödland mit seinen Mooren, Seen, Wasserfällen und hohen Bergen.

Snowdonia Nationalpark, kahle Gebirgszüge, steile Bergspitzen, felsübersäte Pässe, romantische Seen, reißende Flüsse, bewaldete Täler.

Von dort ist der Weg zu dem nord-walisischen Burgentrio Harlech, Conwy und Caernarfon nicht weit.

Harlech Castle, Burg Edwards I., auf einem Felsen erbaut
Im Caernarfon Castle wurde Charles 1969 zum Prince of Wales geschlagen. Die Festungen wurden ab 1283 gleichzeitig von einem Architekten aus Savoyen erbaut.