Ein misslungener Aufgalopp

Geländeprüfungen auf der Bundesschau 2002
Sträfliche Vernachlässigung der Welsh-Sektionen A und B

  von Eberhard Holin    
In Welsh aktuell, Ausg. Juni 2002, 7.Jhg., findet sich die Ausschreibung der kommenden Bundesschau in Aachen, die ja als Pilot-Veranstaltung für die Internationale Schau 2003 verstanden werden will. Auf der Seite 25 gibt die Turnierleitung Hinweise zu den Geländeprüfungen:

Wichtig für alle Teilnehmer an der Sportprüfungen!!!

Das Gelände in Aachen ist zum Teil sehr steil (mindestens so wie in Alsfeld, streckenweise auch steiler). Wir empfehlen daher, Ponys der Sektionen A und B auf dieser Strecke nicht einspännig zu fahren... Auch untrainierte Ponys/Cobs sollten nicht an den Geländeprüfungen teilnehmen (weder reiten noch fahren)."

Was heißt das nun im Klartext? Die IG Welsh sorgt sich jedes Jahr um ein attraktives Veranstaltungsprogramm und um eine entsprechende Zuschauer-Kulisse für ihre Bundesschau. Jedes Jahr schlägt sie die Werbetrommel, um möglichst viele Teilnehmer für diesen Höhepunkt des jährlichen nationalen Welsh-Geschehens zu gewinnen. In diesem Jahr sieht sie sich gemüßigt, im Vorfeld dieser Veranstaltung einem Teil ihrer Klientel - den A-und B-Fahrern und den Reitern von untrainierten(!) Ponys/Cobs - die dringende Empfehlung zu geben, überlegt euch die Teilnahme an den Geländeprüfungen, allenfalls als Zweispänner, aber auf keinen Fall als Einspänner, das könnte übel enden... Auch die Teilnahme von untrainierten Ponys/Cobs sollte gut überlegt werden (Seit wann gehen verantwortungsbewusste Reiter unter Wettbewerbsbedingungen mit untrainierten Pferden ins Gelände?).

Nun erinnern wir uns ja an das oft vehement vorgetragene Glaubensbekenntnis "Freizeitreiter- und Fahrer-Prüfungen müssen an den Bedürfnissen der Freizeitreiter- und Fahrer ausgerichtet" sein. Es sei an die mehrfache Leserbrief-Diskussion in Welsh aktuell erinnert. Ist die Geländestrecke auf der kommenden Bundesschau an diesen Bedürfnissen und an den Fähigkeiten aller Interessenten ausgerichtet? Offensichtlich nicht, denn warum sonst die obige Empfehlung?

Bei der IG kann man auf den Start der A- und B-Einspänner verzichten, Hauptsache die Welsh-Cob-Züchter bekommen die Möglichkeit, ihre trainierten Tiere auf der Bundesschau im Gelände zu präsentieren. Die Züchter und Fahrer der kleineren Sektionen haben eben Pech gehabt. Warum fiel der IG Welsh keine Alternative zu dem offensichtlich schwierigen Gelände ein? Als in diesem Jahr auf dem Fahrturnier in Sachsenhausen/Hessen die Marathon-Strecke im Regen versunken war, bot der Veranstalter - quasi über Nacht - den Teilnehmern ein kombiniertes Hindernisfahren als Alternative an.

Wenn Geländeprüfungen auf einer Bundesschau angeboten werden, dann sollten auch Vertreter aller Sektionen teilnehmen können, und dann müsste auch bei dem zur Zeit anhaltenden Fahr-Boom die entsprechende Werbetrommel für alle Sektionen gerührt werden. Das offensichtlich unbedingt erforderliche Abheben auf trainierte und untrainierte Gespanne/Reiter wird eine verheerende Wirkung haben. Es wird deutlich, wie bei der IG die Prioritäten gesetzt sind. Außerdem machen nach wie vor die bestehenden Zielkonflikte und die unterschiedlichen Leistungsbegriffe und Leistungsstandards der IG zu schaffen.

Nun gehörten die Welsh-A- und Welsh-B-Ponys früher zu einem wichtigen Klientel unserer Interessengemeinschaft. Die Entwicklung der Teilnehmerzahlen an den Zuchtklassen dieser Sektionen auf einigen Regionalschauen spricht schon seit Jahren eine deutliche Sprache (Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz). Ein Vorstand - der ja für alle Interessengruppen da sein soll - hat die Pflicht, Konzepte zu entwickeln, die das gesamte Klientel gleich gewichtig bedienen. Offensichtlich sind in unserem cob-lastigen Vorstand die Belange der kleineren Sektionen weniger präsent. Von Kurt Hörtling, unserem "experienced breeder of section As", ist nichts zu hören. Es sei auf die Entwicklung im Bereich der Welsh-Partbreds verwiesen. Aus den Zuchtklassen der Bundesschau haben sie sich kontinuierlich verabschiedet (Nur 9 Pbs haben an den Zuchtklassen der Bundesschau 2001 teilgenommen).

Nun darf man nach diesem gelungenen Aufgalopp gespannt sein, wie viele Welsh-A- und Welsh-B-Gespanne auf der kommenden Bundesschau antreten und wie viele Welsh-Partbreds an den Springprüfungen teilnehmen.