Über Brillant, einer der Spitzenvererber der Deutschen Reitpony-Zucht im Zuchtgebiet Weser-Ems, ist oft geschrieben worden. Nach seinem Tod widmete ihm Mareile Oellrich-Overesch, Zuchtleiterin von Weser-Ems, auf der Website des Pferdestammbuchs einen Nachruf. Aus ihrer Feder stammt auch eine Darstellung des Hengstes, die in dem Buch „Ausgewählte Hengste Deutschlands“ von Bernd Eylers u. Claus Schridde, Hude 2003, veröffentlicht worden ist.

Im Folgenden werden diese vorliegenden Texte durch Informationen aus der einschlägigen englischen Welsh-Literatur ergänzt: Davies, Wynne, Welsh Ponies and Cobs, second edition, London 1985. Außerdem werden Angaben, die uns der Index des Welsh Stud Books liefert, in Anspruch genommen.

Eberhard Holin

Brillant ist tot

von Mareile Oellrich-Overesch u. Eberhard Holin

Brillant
(Piran John Halifax x St.Lawrence Lilactyme - Arthur Sullivan xx),
Foto Marianne Schwöbel.
Der Stempelhengst Brillant (v. Piran John Halifax - Arthur Sullivan xx) verstarb am 25.September im Alter von 25 Jahren in seiner Box auf dem Kastanienhof in Sage-Haast. Herold Coldewey hatte den jungen Hengst zum ersten Mal 1981 im Zuge einer Gestütsreise nach England unter Dr. Schön, dem damaligen Zuchtleiter von Weser-Ems, auf der Pony-Schau in Great Malvern gesehen. Brillant wurde von seinem Entdecker Herold Coldewey nach schwierigen Verhandlungen mit seinem britischen Züchter J. A. Turner, Mithian St. Agnes, Cornwall, 1981 nach Deutschland importiert. Dieser Hengst kann auf einzigartige Erfolge in der Zucht und im Sport zurückblicken.

Seine Abstammung
Brillants Abstammung soll an dieser Stelle ausführlicher dargestellt werden, um das Gen-Potential dieses Ausnahmehengstes zu erläutern.

Am 26.Mai 1978 wurde er in Cornwall geboren. Sein ursprünglicher Name war „Benedict of Piran“. Unter dieser Bezeichung wurde er als Riding Pony-Hengst am 31.01.1979 in das Riding Pony Register des National Pony Stud Books der National Pony Society (NPS) eingetragen. Um ein großes leistungsbereites und gut händelbares Riding Pony zu erhalten, praktizierte auch sein Züchter das in England und Wales übliche Verfahren, indem er Riding Ponys miteinander paarte, die englisches Vollblut und Welsh-Blut führten.

Die Mutterlinie
So stammt Brillants Mutter St.Lawrence Lilactyme von dem im General Stud Book registrierten Vollblüter Arthur Sullivan xx ab. Die MM ist die als Riding-Pony-Stute registrierte Downland Candytuft (NPS), die Downland Dominie und Criban Heather Bell als Elterntiere hat. Downland Dominie ist ebenfalls bei der NPS als Riding-Pony-Hengst registriert, ein Welsh-Partbred/Araber. Criban Heather Bell (geb.1943) war eine kleine Welsh-A-Stute (FS1) mit einem Stockmaß von 117 cm und im Index des Welsh Stud Books registriert (Volumen XVIII - Vol. XXXIX, v. 1919-1956, S.236). Sie hat den Welsh-A-Hengst Criban Cockade zum Vater und die als Welsh-B registrierte Criban Bowbell (FS) zur Mutter (geb.1939). Diese stammt von dem Polo-Pony-Hengst Silverdale Bowtint (siehe Index a.a.O.) ab. Die Anpaarung - Polo-Pony x Welsh - entsprang der damaligen züchterischen Intention: „...to combine the small native pony characteristics with the movement of the Thoroughbred and the balance and temperament of the Polo Pony“, Davies, Wynne, a.a.O., S.234. Criban Heather Bell wird von außergewöhnlicher Qualität beschrieben. 1949 kam sie auf das Downland-Gestüt. In diesem Jahr gewann sie die Welsh-B-Stutenklasse(!) auf der Royal Welsh, 1951 wurde sie Fünfte, 1952 Zweite, 1953 Dritte, 1954 Vierte und 1955 Fünfte. In der Pony-Geschichte nimmt sie als Schau-Stute und als gerittenes Kinderpony einen besonderen Platz ein. Unter dem Sattel gewann sie zahlreiche Preise. Sie gilt als Begründerin der besten Welsh-B- und Riding Pony-Linien, vgl. Davies, Wynne, a.a.O., S.236. So ist Criban Heather Bell u.a. über Downland Dragonfly (FS2), geb.1955, auch die Großmutter von Downland Dauphin, geb.1959, dem Vater von Downland Dragoon, geb.1967, der 1973 in Westfalen gekört wurde, und der den im Zuchtgebiet Hannover bestens bekannten Downland Donner gezeugt hat.

Die Vaterlinie
Piran John Halifax, Brillants Vater, stammt von zwei als „Riding Ponies“ registrierten Elterntieren ab. Als Großmutter von John Halifax taucht auf der väterlichen Seite Criban Red Heather auf (geb.1948), eine braune Stute, Tochter der oben beschriebenen Criban Heather Bell. Criban Red Heather hat als Vater den im Welsh-Partbred-Register registrierten Criban Loyalist. Sie wurde als Riding Pony-Stute bei der NPS registriert und als Welsh-B-FS im Index des Welsh-Stud Books, siehe Index a.a.O., S.237. Diese Stute hatte 17 Nachkommen, die als „Children‘s riding ponies“ im Springen und im Gelände sehr erfolgreich waren, vgl. Davies, Wynne, a.a.O., S.234-236. Der Großvater von John Halifax auf der väterlichen Seite ist Blue Domino, ein im Araber Horse Studbook registrierter Hengst.

Brillant war demnach ein typisch gezogenes großes englisches Riding Pony, in dessen Adern englisches Vollblut, Araber-Blut und Welsh-Blut floss. Dazu kamen in seinen früheren Generationen über FS und FS1-Stuten noch weitere Blutzuflüsse, wie sie in den Anfängen der Welsh-B-Zucht üblich waren. Einige seiner Vorfahren werden in der Literatur als ideale Children`s riding ponies mit herausragenden Reiteigenschaften beschrieben.


Brillant, Spitzenvererber aus Weser-Ems, Foto Bernd Eylers

Erfolgreich im Sport und in der Zucht
Am 13.04.1982 wurde Benedict of Piran als Deutsches Reitpony (DR) mit seinem neuen Namen „Brillant“ ins Zuchtbuch des Verbandes der Ponyzüchter Weser-Ems e.V. eingetragen. Die Körkommission des Pferdestammbuches Weser-Ems körte ihn auf Anhieb 1982 in Vechta. Die in ihn gesetzten Hoffnungen erfüllten sich bereits bei der Absolvierung der Hengstleistungs-prüfung in Vechta 1982. Er beendete sie als überlegener Siegerhengst. Seine dort gezeigten Leistungen unterstrich er in der folgenden Turnierlaufbahn. Insgesamt erzielte er 27 Siege und 46 Plazierungen in Dressurprüfungen der Klasse L. Zwei Siege und 23 Plazierungen gewann er gegen Großpferde in der Klasse M/A. Er wurde ebenfalls in Dressurprüfungen der Klasse S eingesetzt. Seine eigene LGS beträgt 4382 Euro. Auf den Althengstschauen in den Zuchtgebieten Weser-Ems (1988) und Hannover (1984) konnte er stets mit seinen Qualitäten überzeugen. Er wurde mit dem Titel Siegerhengst ausgezeichnet. Als Vererber war er für die Zuchtgebiete Weser-Ems, Hannover und Westfalen zugelassen.

Seine Nachkommen und sein Vererberprofil
Insgesamt kann Brillant zur Zeit 35 gekörte Hengste vorweisen, darunter:
Baccardi, Bariton, Baron, Bayan, Bayus, Bazooka, Beau Rivage, Bismarck, Bonaparte, Bonjour, Boomaker, Boss, Botticelli, Bourbon, Boytano, Brandy 1, Brandy 2, Bravour, Brillant‘s Boy, Brillant‘s Golden Boy, Brillantus, Brilli, Brokat, Bugatti, Burlington S
u.a.

und 23 Staatsprämienstuten, wie:

Bali, Basra, Bayka, Belle Nuit, Bellevue, Blue Bird, Blueflower, Brendy, Brillante, Brise, Mac Baroness, Mac Begum, Mago, Melsene, Quanita, Ratja, Sahra, Sinfonie, Sissy, Starlett, Tagena u.a.

Die Zahl der eingetragenen Zuchtstuten beträgt 174.


Brillant 1993.jpg

Sein Vererbungsschwerpunkt liegt in der Dressur
Als Vererber ist sein Name Programm: Brillant lieferte der deutschen Ponyzucht eine überragende Nachkommenschaft: Die Bundeschampions Bolero (Vechta 1987) und Benjamin A (Verden 1992), die DLG-Siegerstute von 1986 Giana, die IG-Welsh-Bundessiegerin Mac Baroness. Seine Nachkommen finden sich in allen Sparten des Sportes wieder. Seit 1995(!) liegt Brillant unter den TOP 3 Hengsten lt. Zuchtwertschätzung der FN.

In der Zeit vom 1.Oktober 2001 - 30.Sept.2002 waren in der Dressur 40 Nachkommen mit 301 Platzierungen und einer GS von 7910 Euro erfolgreich, in DRP 21/53/1413 Euro, in SPR 15/89/1862 Euro, in FAP 6/68/1416 Euro usw.

Sein besonderer Vererbungsschwerpunkt liegt in der Dressur, seit 1998 führt er die Sparte der Dressurvererber an. Seine Nachkommen bescherten Brillant die außergewöhnliche Lebensgewinnsumme von 108.037 Euro (lt. FN-Jahrb.Zucht 2002), die Jahresgewinnsumme seiner Nachkommenschaft liegt bei 14.276 Euro in 2002. Mit dem letzteren Betrag liegt er bundesweit auf dem zweiten Platz hinter dem aus dem Zuchtgebiet Weser-Ems stammenden und in Westfalen stationierten Reitponyhengst Durello. Zahlreiche Brillant-Töchter sind inzwischen vielfache Hengstmütter. Viele Züchter sind froh, Brillant-Blut in ihrer Stutenbasis zu haben. Wie er selbst, so werden auch seine Nachkommen erfolgreich bis zur Klasse S eingesetzt.

Es sei auch an die Bronzemedaille seiner Tochter Belle Ricci beim Bundesschampionat 2000 bei den vierjährigen Reitponys (Stuten/Wallache) erinnert. Aber nicht nur seine direkten Nachkommen, sondern auch seine Enkel und Urenkel setzten seine Sportlichkeit fort. So ist er Muttervater des gekörten Hengstes Kaiserwalzer (v. Kaiserjäger xx), der am Bundesschampionat 1995 und 1996 erfolgreich teilnahm. Er wurde mehrfach Champion der Welsh-Partbreds auf den Regionalschauen der IG Welsh 1994, 1995 und 1996 in Berlin-Brandenburg. Nach seinem Sieg in der HLP mit 131 Punkten ging er als Sieger auf dem Bundesspringchampionat 2000 hervor. In der Dressur liegt sein Ausbildungsstand inzwischen auf M-Ebene.

Kaiserwalzers erster Sohn ist bereits gekört. Zu Kaiserwalzer gibt es noch zwei weitere gekörte Vollbrüder (Kennedy, Kiribati). Kennedy war Bundesreservesieger der Bundeshengstschau der FN 2003 in Berlin.


Brillant mit Timo Coldewey,
Foto Hubert Fischer

Besondere Erwähnung aus der großen Anzahl seiner im Sport erfolgreichen Nachkommen verdienen: Benjamin A, Boytano, Janin 4, Bastello, Barclay, Bayard, Baron 151, Belle Fleur, Bourbon und Mac Baroness. Aber auch im Fahrsport werden Brillant-Nachkommen erfolgreich eingesetzt, wie seine Söhne: Balu 29, Bolero, Bonapart und Butan, und seine Töchter Chanel und Arabell.

Der Brillant-Sohn „Brokat“, geb.1997, gezogen von A.Michelbrand aus der Cornelia-Diamant II, ging als Zucht- und Sport-Hengst (Dressur) als Re-Import nach England.

weitere Literatur
Hinrichs, J., „Brillanten“, Welsh-Jhb.1984, o.S.
Coldewey, Herold, Die „Brillanten“, Welsh-Jhb.1989, S.70
Saiger, Wolfgang, „Brillanten“, Welsh-Jhb.1990, S.62
Coldewey, Herold, Drei Hengste, Bayus, Brillant, Bilbao, Welsh-Jhb.1991, S.76

Basis-Literatur
Davies, Wynne, An Introduction to Welsh Ponies and Cobs, London 1993, S.41
Davies, Wynne, Criban, Cui and Criban (R) Studs, in: ders., The Welsh Mountain Pony, London 1993, S.77-84
Holin, B. u. E., Das Welsh-Pony der Sektion B, Welsh-Jhb.1998, S. 74-84, und Welsh-Jhb. 2000, S.26-37
Index of Welsh Stud Book 1919-1956 und Index von 1957-1966
FN-Jahrbuch Zucht 2002/1, S.1415-1416