Bemerkungen zu Welsh aktuell

Ausgabe Dezember 2003, 8.Jhg.
von Eberhard Holin

Seit Mitte November läuft auf dieser Website unter der Rubrik "Standpunkte" eine rege Diskussion über

"Vor- und Nachteile englischer Abstammungspapiere"
und über "deutsche Körungen".

Ende des Monats erweitern sich diese Thematiken um das Für und Wider

von Hengsten mit englischer Decklizenz
Doppelregistrierungen
deutsches Welsh-Pony-Stammbuch
Resolution der FN und weiterer Zuchtverbände (gegen die WPCS)
doppelte Equidenpässe usw.

An diesem Informationsaustausch beteiligen sich Mitglieder der IG Welsh und weitere Welsh-Liebhaber, die nicht bei der IG organisiert sind, aber Interesse an den aufgeworfenen Fragestellungen haben. Einige Teilnehmer des Forums beschreiben die Schwierigkeiten mit den angesprochenen Problematiken, andere berichten, wie sie persönlich die Probleme händeln. Es kommt zu Spekulationen und persönlichen Empfehlungen.

Die IG Welsh informiert
Rasseparlament

Seit geraumer Zeit wird auf der Homepage der IG Welsh unter Neuigkeiten darüber informiert, dass am 11.November 2003 das Rasseparlament Welsh in Warendorf getagt und über die Feldprüfung Welsh diskutiert hat, "...die in dieser Form nicht von den Züchtern angenommen wird. Aus diesem Grunde wurden Änderungen der ZVO für 2004 vorgesehen." (Wie wahr, auch in 2002 musste diese Prüfung wegen mangelnder Nachfrage abgesagt werden.) Außerdem wird der Hinweis gegeben, dass am 16.Nov. in München ein Treffen der kontinentalen Zuchtverbände... stattgefunden hat, und dass auf dieser Sitzung eine Resolution verfasst worden ist,"...die u.a. zum Ziel hat, dass eine doppelte Equidenpass-Ausstellung unterbunden wird."

Im Anschluss an diese beiden Infos findet sich die klare Ankündigung:

"Ausführliche Information in Welsh aktuell Dezember".

Die angekündigte Dezember-Ausgabe von Welsh aktuell liegt nun vor. In dünnen 6,5 Zeilen wiederholt die Beauftragte für den Bereich Zucht der IG wortgleich die schon von der Homepage bekannten Ausführungen in Sachen Feldprüfung. In weiteren mageren 10 Zeilen gibt sie stichwortartig einige weitere Infos, was auf dieser Sitzung sonst noch besprochen wurde (siehe S.15, Sp.1). Am Schluss dieser halben Spalte (Welsh aktuell-DINA5-Format), formuliert sie:

"Nochmals wurde darauf hingewiesen, dass es nicht legal ist, wenn die WPCS für in Deutschland geborene Welsh Papiere ausstellt."

Nun gilt ja die WPCS bis dato als international geachtete Mutter aller nationalen Welsh-Zuchtverbände. Ohne weitere Ausführungen und Kommentierung gibt hier ein Vorstandsmitglied der IG Welsh einen Rechtsstandpunkt wieder, über den sicher noch zu diskutieren ist.

Es stellen sich Fragen:

  • Warum wird in diesem Zusammenhang keine unmissverständliche Stellungnahme der IG Welsh zu dem Vorwuf vorgetragen, die WPCS verhält sich illegal?
  • Teilt die IG die Rechtsauffassung der FN in dieser Angelegenheit?
  • Welche Regelung hält die IG für sinnvoll und unter deutschen Aspekten für erstrebenswert?
  • In welchem IG-Gremium ist die Rechtsposition der IG zu dieser Problematik diskutiert und abschließend beschlossen worden?
  • Welche Stellungnahmen haben unsere IG-Vertreter im Rasseparlament in dieser Sache abgegeben? In welchem IG-Gremium haben sie sich dazu ihre Legitimation geholt (Delegiertenversammlung)? Schließlich werden durch die von der FN vertretene Rechtsposition Interessen von Welsh-Züchtern tangiert, die ihre Tiere ausschließlich bei der WPCS registriert haben.
Kontinentales Zuchtverbandstreffen
Die Information über das Kontinentale Zuchtverbandstreffen und über die dort verabschiedete Resolution an die Adresse der WPCS erschöpft sich in 13 Zeilen (halb-spaltig versteht sich), (siehe S.15, Sp.2).
  • Warum haben die Zuchtbeauftragte der IG oder die Redakteurin von Welsh aktuell den Wortlaut dieser Resolution für die IG-Mitglieder nicht beigeräumt, damit sich jedes unserer Mitglieder von diesem Vorgang selbst ein Bild machen kann?
  • Stimmt die IG Welsh dieser Resolution zu und gibt sie dafür ihre Unterstützung?
  • In welchem IG-Gremium ist die Auffassung der IG zu den in der Resolution angesprochenen Sachverhalten diskutiert und abschließend beschlossen worden?
Leider fehlt in Welsh aktuell auch zu dieser Resolution wieder jede Kommentierung und jede Standortbeschreibung der IG Welsh. Trotz einer real existierenden Chefredakteurin und einer weiteren Redakteurin sind auch auf der Homepage der IG zu den angesprochenen Problemen keine vertiefenden Infos zu finden.

So sieht in wichtigen IG- und WPCS-Angelegenheiten die großmundig angekündigte "ausführliche Information" der IG aus.

Dafür ist die Berichterstattung der FN über diese Resolution seit dem 05.12.03 auf "Standpunkte" nachzulesen (Scherer/ 2 1/2). Es ist nun mal so: Im Vorfeld wichtiger neuer Regelungen für die IG und die WPCS sind nicht wenigen IG-Mitgliedern die verbalisierten Informationen durch eine IG-Funktionärin zu wenig, die sich - quasi in Personalunion - gleichzeitig auch als engagierte langjährige Verbandsfunktionärin eines regionalen Zuchtverbandes ausgewiesen hat. Bei solchen Verquickungen bilden IG-Mitglieder sich lieber selbst eine Meinung.

Wo bleiben die Positionsbeschreibungen der IG Welsh und ihre Empfehlungen an die Mitgliedschaft in diesen wichtigen Angelegenheiten?

Heiteres?
Hengste im Deckbetrieb

Unsere Beauftragte für den Bereich Zucht schreibt sehr richtig: "Aufgrund des EU-Rechtes, welches für Nachzuchtgebiete prinzipiell die gleichen Rechte einräumt, wie für das Mutterstammbuch, dürfen ab 2002 Welsh-Hengste auch ohne Körung ins Hengstbuch eingetragen werden. (Im Mutterstutbuch unserer Welsh existiert, wie bekannt, weder eine Körung noch eine Leistungsprüfung.) Die Hengste müssen lediglich einen vollständigen Abstammungsnachweis besitzen und eine Veterinärkontrolle durch einen vom jeweiligen Verband beauftragten Veterinär ...ohne Beanstandung bestehen. Sodann können sie auf Wunsch des Besitzers in das Hengstbuch II eingetragen werden usw.usw. (siehe Welsh-aktuell, Ausgabe März 2003, 8.Jhg., S.40, Sp.1 u.2).

Im Editorial der neuen Dezember-Ausgabe von Welsh aktuell schreibt die Redakteurin u.a.:

"In den Wintermonaten werden in den Verbänden die Körungen der jungen Hengste durchgeführt. So weit uns bekannt ist, berichten wir, welche Welsh-Hengste in Zukunft das Zuchtgeschehen beeinflussen dürfen" (S.5).

Was ist denn das für eine Formulierung? Soll hier der Eindruck erweckt werden, dass nur von den Verbänden "gekörte" Hengste decken dürfen? Geht es hier gegen Tiere mit WPCS-Papieren und WPCS-Decklizenz? Was sagt unsere Zuchtbeauftragte zu dieser Einlassung?

  • Wirklich gelungen erscheint die ganzseitige Danksagung auf der Seite 45, wenn auch ohne Unterschrift, aber immerhin..., eigentlich recht interpretationsfähig in alle Richtungen...oder?
  • Bis heute hat der Vorstand der IG es nicht für nötig gehalten, auf der IG-Homepage oder in Welsh aktuell eine Bewertung der "deutschen" Platzierungen auf der Internationalen Schau in Aachen vorzunehmen. Warum nicht? Hat er Angst vor den eigenen Mitgliedern und der Öffentlichkeit, und vor der WPCS, offen Farbe zu bekennen und klare Positionen zu beziehen und zu begründen? Warum gibt der Vorstand durch eine profunde Analyse den Züchtern und IG-Mitgliedern keine Orientierung und weiterführende Hinweise, wohin die Reise denn in Zukunft gehen soll? Eigentlich müsste die Erledigung einer solchen Bringepflicht doch ganz reizvoll sein.
    Die Beschaffung von Fotos helfen im Zuchtgeschehen nur bedingt weiter.

"Und dann heißt es Lernen, lernen
für unsere Richter, denn sie beabsichtigen im kommenden Jahr die FN-Richterprüfung abzulegen", (siehe Welsh aktuell, a.a.O., S.5), doch dazu später.