Vier WM-Titel für deutsche Fahrer
in Karlstetten/AUT

Deutschland stellt die Weltmeister
in allen Anspannungsarten
und in der Mannschaft
Gold für Abicht, Bücker, Gerkens und für die Mannschaft
Silber für Thiemann, Bronze für Borgmann
Quelle: Birgit Springmann
fn...aktuell Ausg.17/03
vom 21. August 03, S.26ff
bearbeitet von E.Holin
Fotos copyright by E.Holin
 
Vier Goldmedaillen, eine Silbermedaille, eine Bronzemedaille - mit dieser Ausbeute hatte wohl keiner gerechnet. Zwar waren die deutschen Teilnehmer im Vorfeld der ersten Weltmeisterschaften der Ponyfahrer als Favoriten gehandelt worden, doch fehlte es vor allem an Vergleichen im Ein- und Zweispännerlager. Schließlich gab es für diese Gespannarten bisher kein internationales Championat. Doch die Deutschen beherrschten das Feld im österreichischen Karlstetten.
Weltmeister Dirk Gerkens.jpg

Mannschaftsweltmeister wurden sie mit exakt 53,7 Punkten Vorsprung vor der Teams aus den Niederlanden und Österreich. Einzelweltmeister Tobias Bücker (Emsdetten) beendete mit Danyloo die Kombinierte Wertung mit 15,48 Punkten Vorsprung vor dem Dänen Peter Koux und Taffy und dem Österreicher Rudolf Pirhofer mit El Chico. Auch Steffen Abicht (Bad Düben), neuer Weltmeister der Zweispännerfahrer, hatte noch knapp 20 Punkte auf den folgenden Josef Stickelberger (AUT) gut. Peter Borgmann (Neuenkirchen) hatte Silber schon fast in der Tasche, war dann aber im Kegelparcours etwas zu langsam und gewann mit 0,01 Punkten Rückstand auf Stickelberger die Bronzemedaille. Auch der Viertplazierte der Zweispänner, Franz-Josef Lehmkuhl aus Emsdetten, hatte nach Dressur und Gelände gute Chancen auf eine Einzelmedaille, 13,5 Punkte im Kegelparcours machten diesen Traum aber zunichte. Der neue Weltmeister der Vierspännerfahrer, Dirk Gerkens aus Paderborn, konnte sich im Kegelparcours gar 17 Punkte leisten, ohne seinen Sieg ernsthaft zu gefährden. Silber ging hier an Martin Thiemann aus Saerbeck, ihm folgte der Niederländer Pjotr van der Heyden auf dem Bronzerang. Auch wenn sie sich vielleicht mehr erwartet hatten, mit Rang neun bzw. Rang elf im 32-köpfigen Teilnehmerfeld erzielten auch die beiden Einspännerfahrer, Theo Bopp(Mainz) und Elke Hillebrandt (Coesfeld), einen Platz im vorderen Feld.

Gold für Tobias Bücker
mit Danyloo

Silber für
Martin Thiemann
Die Wettbewerbe in Karlstetten begannen mit der Dressur der Einspännerfahrer.
Bereits hier legten Tobias Bücker und der Bundeschampion 2002 des Deutschen Fahrponys, der in Hannover gezogene Dunkelfuchshengst Danyloo von Diplomat-Downland Donner (Welsh-PB), den Grundstock für den späteren Erfolg. Mit 39,20 Punkten siegten sie deutlich vor der Britin Julie Cramm mit Pannau Pandora (48,00 Punkte) und der US-Amerikanerin Sara Schmitt mit High Country doc (49,00 Punkte). 61 Punkte und damit Rang 17 lautete das erwartete Ergebnis für Theo Bopp und Wendy (rheinische Stute von Waldemar-Patrick, Welsh-PB), die Dressur war noch nie ihre Spezialdisziplin. Auch Steffen Abicht spielte in der Dressur der Zweispänner seine ganze Stärke aus. 37,76 Punkte erhielt er für seine Vorführung und dominierte damit klar das 30-köpfige Teilnehmerfeld.

Vierter Platz für Franz-Josef lLehmkuhl
An zweiter Stelle platzierte sich Franz-Josef Lehmkuhl (49,28 Punkte), Dritter wurde Josef Stickelberger (51,36). Peter Borgmann fand sich mit 57,12 Punkten auf Rang neun wieder, in der Beurteilung seiner Vorführung war sich das Richtergremium nicht einig gewesen: Von Platz drei bis 17 war alles drin.
Den dritten Dressursieg für das deutsche Team fuhr Dirk Gerkens ein. Mit 48,16 Punkten gewann er allerdings nur knapp vor Mia Allo (BEL), die 48,48 Punkte erzielte. Dritter wurde Martin Thiemann mit 55,62 Punkten. Nach der Dressur konnte Bundestrainer Meier schon recht gelassen in die Zukunft schauen. Und seine „Schützlinge" enttäuschten ihn nicht. Gerkens gewann den Marathon vor Aart van der Kamp (NED) und Edwin Flerackers (BEL), Thiemann wurde Fünfter. Die Zweispännerfahrer mussten sich nur dem Niederländer Ewoud Boom (er hatte übrigens auch schon bei der Sichtung in Greven den Deutschen das Fürchten gelehrt), geschlagen geben: Lehmkuhl war Zweiter, Borgmann Dritter und Abicht Vierter. Tobi Bücker und Danyloo beendeten den Marathon als Dritte (62,09 Punkte) hinter der Schwedin Anne-Christine Arvidsson (60,79) und Rudolf Pirhofer (61,93).

Neunter Platz für Theo Bopp
Nicht ganz so gut lief es für Theo Bopp und Wendy: Bei den nationalen Sichtungen waren sie zwei Mal Zweiter, ein Mal Marathon-Sieger gewesen, doch in Karlstetten kamen sie mit 69,05 Punkten nur als 14. ins Ziel.

Vorzeitig nach Hause,
Gerhard Gerich
Elke Hillebrandt und Dublin beendeten den Wettbewerb als 20., im Hindernis drei gab es zehn Strafpunkte für das Absteigen des Beifahrers, ohne dieses Missgeschick wären sie Vierte gewesen. Mit einem beruhigenden Polster - sowohl in der Mannschafts- als auch in den Einzelwertungen - gingen die deutschen Fahrer in die letzte Teilprüfung, das Hindernisfahren. Der Parcours war nicht allzu schwer, verlangte aber ein zügiges Fahren. Mit völlig „weißer Weste" kam nur Steffen Abicht ins Ziel, Borgmann leistete sich zwei Strafpunkte, bei den anderen fielen mal einer, mal zwei, auch sogar drei Bälle.
Dennoch war das Ergebnis klar: Deutschland ist Weltmeister in allen Anspannungsarten und in der Mannschaft. Dem deutschen Ponysport wird diese WM Auftrieb geben, da ist sich der Bundestrainer sicher. „Vor allem aber sind die deutschen Ponyzuchtverbände jetzt gefragt. Das Interesse an deutschen Reitponys war hier riesengroß - alle wollten wissen, wo man diese Ponys kaufen kann."
Aus der Prüfung genommen
Doch bei allem Jubel und aller Euphorie darf nicht vergessen werden, dass die WM aus deutscher Sicht mit einem herben Schlag begann. Zwei Ponys des ursprünglich als Mannschaftsfahrer vorgesehenen Gerhard Gerich aus Klötze passierten die erste Verfassungsprüfung nicht. Da die Ponys in der Holding-Box nicht - wie im Reglement vorgeschrieben - tierärztlich untersucht wurden, beantragte die deutsche Mannschaftsführung aufgrund des Regelverstoßes eine Re-Inspektion. Dem Antrag wurde nicht stattgegeben, es folgte ein offizieller Protest, der aber auch niedergeschlagen wurde. Gerhard Gerich, der aufgrund der bisherigen Erfolge zum engsten Favoritenkreis zählte, musste am Freitag Morgen die Koffer packen und nach Hause zurückfahren. Seine Enttäuschung war riesengroß. Der Vorfall ist jedoch noch nicht abgeschlossen und liegt dem Weltreiterband (FEI) vor. Mit rund 80 Gespannen aus 17 Nationen hat diese Weltmeisterschaft in dieser Form eine Premiere erlebt.
Ob es auch in den nächsten Jahren Championate für alle Gespannarten geben wird....? Der Weltreiterverband hat im Rahmen der Welt-meisterschaften der Zweispänner-fahrer im September im französischen Jardy zu einem „Open Forum" geladen, bei dem unter anderem auch künftige Form der Championate diskutiert werden soll.

Auch Ewoud Boom, NL, war am Start