3. Victoria-Welsh-A-Fohlenschau

von Hartmut Schröder
Fotos: E. Holin

Shanty-Chor Nordenham
Die überaus gute Resonanz auf die Einladung von Fritz Lehmann und seiner Familie zu einer Welsh-A-Fohlenschau am 1. September 2002 hatte ihn bewogen, für den diesjährigen 5. September erneut zu einem solchen Welsh-Event einzuladen.

Wieder hatten die Leh-Männer und –Frauen keine Kosten und Mühen gescheut, um optimale Voraussetzungen für einen solchen Nachzuchtvergleich zu bieten. Wie schon vor zwei Jahren ging der eigentlichen Schau ein Züchterabend voraus, der hinsichtlich der Sorge für das leibliche Wohl der leider nicht ganz so zahlreichen Gäste keine Wünsche offen ließ.

Und auch das diesjährige Nennergebnis blieb leider hinter den Zahlen des Schau-Vorgängers zurück, letztendlich stellten sich 12 Stut- und 13 Hengstfohlen dem fachmännischen Urteil des – wiederum – niederländischen Schaurichters, dem Vorsitzenden der Körkommission des Niederländischen Welsh-Stammbuches, Herrn Ben Platzer.

Als interessante Ergänzung dieser Fohlenschau war die neuerliche Einladung der 2002 von dem seinerzeitigen Richter, Herrn Ad Beekman, ebenfalls Mitglied der niederländischen Körkommission, als Fohlen bewerteten Ponys gemeint, hätte man sich doch ein Bild davon machen können, ob sie den damals in sie gesetzten Erwartungen gerecht geworden sind. Bedauerlicherweise machten dann letztendlich die Klasse der Zweijährigen auch nur ein Hengst und zwei Stuten aus.

Altersgemäß gestaffelt waren die Stut- und Hengstfohlen in jeweils 3 Klassen eingeteilt worden.


Gesamt-Siegerfohlen Bergischland Florett

Hier die Ergebnisse im Einzelnen:

In der Klasse 7 konkurrierten die 3 zweijährigen Welsh A-Ponys. Hier ihre Ergebnisse:

Hengstfohlen-Sieger Linebroks Aladin

Auch in diesem Jahr wurden alle Schauteilnehmer neben den Siegerschleifen auch mit einem schmackhaften Ehrenpreis aus der Lehmann’schen Fleischerei belohnt. Und ganz großer Beliebtheit erfreuten sich die von Kai Wassermann erstellten Victoria-Urkunden. Als Rahmenprogramm begeisterte der Nordenhamer Shanty-Chor mit einer Kostprobe ihres musikalischen Könnens die Besucher und Aussteller der Schau.Alles in allem war die 3. Victoria-Welsh-A-Fohlenschau wieder eine Bereicherung des Ausstellungswesens und eine gelungene Werbung für unsere Welsh Mountain Ponys. Zu wünschen wäre ihr eine größere Beteiligung vor allem der Züchter aus der eigenen Region gewesen.


Hengstfohlen- Reservesieger
Blue Thunder

Klassensieger Stutfohlen Belinda
 

Klassensieger (2-jährige)
Brandy`s Boy.

Klassensieger Stutfohlen Leybuchts Anjona

Forlan Tomboy

Kommentar
Nach Herrn Ad Beekman als Richter für die zweite Victoria-Fohlenschau 2002 hatte Fritz Lehmann, seit langen Jahren Richter-Obmann der IG Welsh, erneut für seine diesjährige Fohlenschau einen holländischen Richter eingeladen, nämlich den Vorsitzenden der Körkommission des Niederländischen Welsh-Stammbuchs, Herrn Ben Platzer.

Um es vorweg zu sagen, die von Fritz Lehmann organisierte diesjährige Fohlenschau hat gefallen. Ein schön aufgemachter Schaugrund, eine angenehme Atmosphäre, die herzliche Aufnahme durch den Veranstalter, freundliche Beschicker, eine absolut gute Verpflegung, und nicht zuletzt einen symphatischen Richter, der sich bemühte, seine Entscheidungen zu erklären und unter das Volk zu bringen.

Gleichwohl - bei allem Respekt vor dem Veranstalter und dem beurteilenden Richter seien ein paar Bemerkungen gestattet (konstruktiv, so hoffe ich, wie mal wieder in der aktuellen Ausgabe von Welsh aktuell von der Ehefrau unseres Vors. angeregt).

Das Beurteilen von Fohlen ist keine einfache Angelegenheit. Der Richter sieht den Ideal-Typ (seinen Typ?) der Sektion vor Augen - inklusive der wahrscheinlich zukünftigen Verwendung des Tieres - und er taxiert das Fohlen auf dessen Qualitäten, diesem Ideal-Typ möglichst nahe zu kommen. Dabei erkennt er die Mängel, die sich nach seiner Erfahrung im weiteren Wachstumsverlauf von allein erledigen, und er sieht die Probleme, die sich nach seiner Kenntnis kaum beheben lassen. Der Richter kennt natürlich die seit Jahrzehnten auch in Wales bei allen Sektionen geführte Diskussion über den "ursprünglichen" und den "veredelten" oder "modernen" Typ - was immer das heißen mag - und die Auseinandersetzungen über das Verhältnis von Typ und Bewegung, oft als "Spannungsverhältnis" deklariert.

"Nur" das genetische Potenzial des zu beurteilenden Fohlens kennt er in der Regel nicht - bei seiner Momentaufnahme - höchstens durch einen Blick auf die begleitende Stute, oder auf den Vorführer (oft der Züchter), dessen Zucht er schon seit vielen Jahren kennt und dessen Qualitäten als Richter er vielleicht schon selbst bei gemeinsamen Richten kennen und schätzen gelernt hat. Das alles muss er unter einen Hut bringen und "objektiv" und "gerecht" dem Züchter und den Zuschauern servieren.

Rd.80 % der Begründungen des Herrn Platzer beschäftigten sich mit dem Welsh-Typ, den er vor allem am Kopf fest machte, obwohl sich die Welsh-Points ja nicht nur auf den Kopf reduzieren. Den meisten Siegertieren bescheinigte er beeindruckende Welsh-Köpfe (very expressive), anderen Fohlen wünschte er mehr Ausdruck und mehr Typ am Kopf. Erheblich weniger äußerte er sich zu den Fundamenten bzw. zu den Bewegungen der Tiere. Das mag vielleicht mit Sprach-Problemen zusammen hängen. Die Beschreibung eines jungen Tieres - seine Fähigkeiten und seine Leistungsdisposition - ist schon in der Muttersprache für manchen Beurteiler ein Problem. Die Begründung einer Bewertung in einer anderen Sprache setzt eine hohe Sprachkompetenz voraus. Deshalb allen Respekt vor Herrn Platzer, der sich dieser schwierigen Aufgabe angenommen hat.

Es stellt sich jedoch die Frage, ob jenseits von sprachlichen Unzulänglichkeiten, bei dieser beschriebenen Gewichtung nicht eine Beurteilungspraxix sichtbar wird - Typ vor Bewegung und Fundament - die sicherlich bei einigen IG-Richtern - nicht aber bei der Mehrheit unserer Verbandsrichter zum Tragen kommt? Wie sehen unsere Zuchtleiter diese Problematik?

Schrieb nicht schon Dr. Zech in seinem viel beachteten "Plädoyer für eine stärkere Beachtung des Schritts und allgemeiner Leistungskriterien beim Welsh-Mountain-Pony":

"Wie sollte ein Pony mit ausgezeichnetem Rassetyp und Ausdruck, aber schlechtem Schritt bewertet werden?...

Der Rassetyp sollte mit der Leistungsfähigkeit untrennbar verbunden sein, aber Rassetyp und Ausstrahlung alleine können eine fehlende Leistungsanlage nicht ersetzen. Was nützt einem ein Löwe, der zwar brüllen, aber nicht mehr beißen kann?" (Welsh-Jhb.1995, S. 92 ff.)

Eberhard Holin