Die Resolution der kontinentalen Zuchtverbände an die WPCS

vom 16.11.2003 in München
Originalfassung + Kommentar
von Eberhard Holin

Kurze Vorbemerkung
Der Begriff Resolution stammt vom Lateinischen "resolvere" = wieder auflösen, von Zweifeln befreien. Ein resoluter Mensch signalisiert Entschlossenheit, seinen Willen durchzusetzen. Unter einer Resolution versteht man eine schriftliche, auf einem entsprechenden Beschluss beruhende Erklärung einer politischen oder gewerkschaftlichen Versammlung o.ä., in der bestimmte Forderungen begründet und erhoben werden. Die Verfasser einer Resolution wollen Veränderungen herbeiführen, wie z.B. Missstände beseitigen. In der Regel suchen sie mit ihrem Anliegen die Öffentlichkeit, um die öffentliche Meinung im Sinne ihrer Zielsetzung zu beeinflussen. Was bringt eine Resolution, die nur ganz wenige im originalen Wortlaut kennen, - noch nicht einmal die unmittelbar von der misslichen Lage Betroffenen?

Mit der Verabschiedung einer Resolution - ganz besonders, wenn sie eine Terminierung enthält - soll erheblicher Druck auf die Gegenseite ausgeübt werden, sich nun endlich "in der Sache zu bewegen". Nicht selten wird in einer Resolution eine Droh-Kulisse aufgebaut, wenn das und jenes bis zu dem genannten Termin nicht geschieht, dann rechnet mit folgenden Konsequenzen.

Weitere Gestaltungselemente
  • Sehr gern werden in einer Resolution Maximalforderungen mit dem Ziel erhoben, eine möglichst große Verhandlungs- und Manövrier-Masse aufzubauen, um sich dann in der folgenden Beratungs- und Harmonisierungsphase doch letzten Endes auf einem niederen Level zu treffen, mit dem alle Beteiligten leben können.

  • Um sein Gegenüber nicht im Zweifel darüber zu lassen, wie ernst man es mit der Veränderung der misslichen Lage meint, korrespondiert der Aufbau der Resolution und die benutzte Sprache mit der inhaltlichen Zielsetzung: logischer Aufbau, kurze (knackige) Sätze, und als besonders "beeindruckendes" Stilmittel, mehrfach gebrauchte stereotype Wiederholungen.
Zur Entstehungsgeschichte
Während der Internationalen Schau in Aachen war es am 22. August 2003 zu einem "Internationalen Meeting" gekommen. Dort soll mit der WPCS die Absprache getroffen worden sein(?), die kontinentalen Welsh Pony and Cob Societies zu einem gemeinsamen Treffen einzuladen.

Mit Datum vom 10.Oktober 2003 verschickte die FN/Warendorf eine Einladung an die Welsh Pony and Cob Societies von Österreich, Frankreich, Dänemark, Finland, Holland2, Schweden und Schweiz. Das Einladungsschreiben weist Henk van Dijk als Vertreter des holländischen Stamboek mit Namen aus. Die Einladung wurde an Frau v. Redwitz zur Kenntnis gegeben. Eine Einladung zur Teilnahme an die WPCS/Wales ist aus diesem Schreiben nicht ersichtlich.

In dem Schreiben wird von der FN zu einer "International Working Group of Welsh Pony and Cob Societies" am 16. November in die Olympia-Reitanlage nach München eingeladen. Der Unterzeichner Dr. Klaus Miesner umschreibt seine Erwartungen an dieses Treffen mit den Worten: "Hopefully we will find good proposels for solution of the problems arising with the Overseas Studbook, also acceptable for the Welsh Pony and Cob Society in UK" (Hoffentlich werden wir gute Vorschläge zur Lösung der Probleme finden, die um das Overseas Studbook entstanden sind, die auch für die Welsh Pony and Cob Society UK annehmbar sind).

1. Die Originalfassung

Resolution
addressed to the WPCS Council

As agreed by the Welsh Pony and Cob Society (WPCS) in Aachen during the last International Meeting on 22nd August 2003, representatives of the following continental Welsh Pony and Cob Societies met in Munich (GER) on 16th November 2003:

Austria » Prof. Dr. Manfred Maier
France » Marielle Breguet, Christine Bocquillon
Germany »
Marie Freifrau von Redwitz, Jessica Kellner,
Dr. Klaus Miesner
Netherlands » Toon Vloet, Wim van Bemmel, Henk van Dijk (as guest)
Sweden » Gunn Johansson, Ingela Johansson
Switzerland » Alain Homberger, Susanne Wiederkehr

The following items have been discussed:

  1. The division within the regulations of the Welsh Pony and Cob Society (WPCS) registration of Welsh Ponies and Cobs in
      a. Welsh Stud Book including the Appendix,
      b. Overseas Register,
      c. International Register.

  2. The fact that the WPCS is issuing passports for continental ponies which have been born outside the UK in a EC Member State with an approved Welsh Pony and Cob Society or in Switzerland (such ponies may have been registered before by the officially approved society and will have two different passports).
We have discussed these topics because all daughter societies are approved by their respective competent authorities and are legally responsible for the registration and breeding of Welsh Ponies and Cobs within each specific Member State. As a result of that the daughter societies are faced with the following problems:
  • The competent authorities are asking for "principles" as laid down in the Commission Decision 92/353/ EEC annex point 3b.
  • The competent authorities and our breeders are asking for a stud book meeting the criteria as laid down in the Commission Decision 96/78/EC article 1 and 2.
  • Our competent authorithies strongly demand only one identification document for a particular animal.
  • Our breeders feel that their Ponies and Cobs are discriminated because of the current WPCS regulations governing the registration of animals born outside the UK in the Welsh Stud Book.

As result of the discussion we strongly recommend to the WPCS to adapt their regulations in conformity to the respective EC legislations:

  1. Ponies and Cobs registered by any daughter society fulfilling the principles of the studbook of origin (WPCS) have to have equal rights as Ponies and Cobs bred and registered in the UK. (appropriate article 2.2 Commission Decision 96/78/EC)

  2. WPCS immediately has to stop issuing passports for continental Ponies and Cobs which have been born outside the UK in a EC Member State with an approved Welsh Pony and Cob Society or in Switzerland.

Given the fact that these problems persist despite discussions for years we urgently ask the WPCS Council to respond adequately and effectively for the sake of the Welsh Ponies and Cobs to this resolution before the 1st April 2004. Thereafter, we will be forced to follow the procedure laid down in the Commission Decision 92/354/BEC article2.

Munich, 16th November 2003

7 Unterschriften
(Prof. Dr. Manfred Maier - Austria)
(Marielle Breguet - France)(Ingela Johansson - Sweden)
(Alain Homberger - Switzerland)
(Dr. Klaus Miesner- Germany)
(Toon Vloet - NWPCS Netherlands)
(Benno Crezee - WPCV Netherlands)

Remark:
A copy of this resolution will be sent to our respective Competent Authorities and to the European Commission DG SANCO Unit E2: Legislation on animal health and live animals and to those European societies not present at the meeting.

RESOLUTION to the WPCS formulated 16th Nov. 2003

f. d. Richtigkeit
Eberhard Holin

2. Die deutsche Fassung

Übersetzung von Eberhard Holin

Resolution
an die Adresse der WPCS

In Absprache mit der Welsh Pony and Cob Society (WPCS) auf dem Internationalen Treffen a, 22. August 2003 in Aachen trafen sich die Repräsentanten der folgenden kontinentalen Welsh-Pony- und -Cob-Vereinigungen am 16. November in München:

Austria (etc., insgesamt 15, wie oben im Originaltext angegeben)

Folgende Punkte sind diskutiert worden:

  1. Die Teilung innerhalb des Regelwerkes der Welsh Pony and Cob Society (WPCS) für die Eintragung von Welsh-Ponys und Cobs in
    a) Das Welsh Stud Book, inklusive des Anhangs
    b) Das Overseas-Register
    c) Das Internationale Register.
  2. Es ist eine Tatsache, dass die WPCS Eintragungspapiere für Ponys vom Festland ausstellt, die außerhalb des UK in einem EC-Staat mit einer anerkannten Welsh-Pony- und Cob-Vereinigung oder in der Schweiz geboren sind (solche Ponys müssen zuerst bei der offiziellen anerkannten Zuchtvereinigung registriert werden, und so haben diese Tiere zwei unterschiedliche Eintragungspapiere).
Wir haben diese Themen diskutiert, weil alle Tochter-Gesellschaften durch ihre jeweiligen Länderbehörden ermächtigt und gesetzlich verantwortlich sind für die Eintragung und Zucht von Welsh-Ponys und -Cobs. Als Ergebnis dieser Situation sind die Tochter-Gesellschaften mit folgenden Problemen konfrontiert:
  • Die zuständigen Länderbehörden stellen die Frage nach den "Grundsätzen", wie sie in der Commissions-Entscheidung 92/353/EEC, annex Punkt 3b niedergelegt sind.
  • Die zuständigen Länderbehörden und unsere Züchter stellen die Frage nach einem Treffen aller Stutbücher auf der Basis der Kriterien, wie sie durch den Beschluss der Kommission 96/78 EC, Artikel 1 und 2, entschieden sind.
  • Unsere zuständigen Länderbehörden sind schärfstens verpflichtet nur ein Dokument zur Identifizierung für das einzelne Lebewesen auszustellen.
  • Unsere Züchter haben den Eindruck, dass ihre Ponys und Cobs durch das augenblickliche Regelwerk der WPCS diskriminiert werden, das bei der Registrierung von Lebewesen ins Welsh Stud Book angewendet wird, die außerhalb des UK geboren wurden.
Als Ergebnis der Diskussion empfehlen wir der WPCS dringend ihr Regelwerk in Übereinstimmung mit den geltenden EC-Gesetzen anzupassen:
  1. Ponys und Cobs, die bei einer Tochter-Gesellschaft eingetragen werden, die die Prinzipen des Ursprungstutbuchs erfüllt, müssen dieselben Rechte besitzen wie Ponys und Cobs, die im UK gezogen und eingetragen sind.
  2. Die WPCS hat sofort die Ausstellung von Pässe für Ponys und Cobs zu unterlassen, die außerhalb des UK in einem EC Mitgliedsland geboren wurden, in dem eine anerkannte Welsh-Pony und -Cob-Züchter-Vereinigung existiert, wie auch in der Schweiz.

Wegen der Tatsache, dass diese Probleme trotz jahrelanger Diskussionen immer noch weiterbestehen, bitten wir eindringlich das Council der WPCS bis zum 1.April 2004 auf diese Resolution angemessen und effektiv zu reagieren. Sollte das nicht der Fall sein, sehen wir uns gezwungen, das Verfahren gemäß des Kommissions-Beschlusses 92/354, Artikel 2 einzuleiten.

München, 16. November, 2003

7 Unterschriften, siehe obige Originalfassung

Bemerkung
Eine Kopie dieser Resolution wird an unsere zuständigen Länderbehörden verschickt und an die Europäische Kommission DG SANCO, Abt.2: Gesetzgebung für die Gesundheit der Tiere und lebende Tiere und an die Europäischen Gesellschaften, die auf dem Treffen nicht anwesend waren.

f. d. R. E. Holin

Der Kommentar
Die Veröffentlichung des Originaltextes der Münchener Resolution auf dieser Website ist die Reaktion auf die ungemein restriktive Informationspolitik der IG Welsh in dieser Angelegenheit. Da werden der WPCS - der Muttergesellschaft aller nationalen Welsh-Pony und -Cob-Gesellschaften - auf Initiative der FN - auf einer "International Working Group of Welsh Pony and Cob Societies" auf deutschem Boden in einer sogenannten Münchener Erklärung gravierende Vorwürfe gemacht:
  • Sie diskriminiere aufgrund ihres Regelwerkes bei der Registrierung ins Welsh Stud Book die außerhalb des UK geborenen Tiere
  • Durch die Ausstellung eines "WPCS-Passports" für diese Tiere verstoße sie gegen geltendes EC-Recht.

Trotz dieser schwerwiegenden Vorwürfe übt sich die IG Welsh in diesen wichtigen Angelegenheiten weiterhin in Schweigen und hält es nicht für nötig, ihre Mitglieder über ihre Position zu informieren. Obwohl die Resolution bereits am 16.November verabschiedet und an zahlreiche europäische Adressaten verteilt worden ist, hat die IG Welsh bis heute nicht mitgeteilt, ob sie diesen einstimmig verabschiedeten Text unterstützt und in welchen IG-Gremien diese Positionen diskutiert und verabschiedet worden sind. Zu einer klärenden Stellungnahme hätte sie sowohl in der Dez.-Ausgabe von Welsh aktuell als auch auf ihrer Homepage genügend Gelegenheit gehabt, wenn sie es denn nur gewollt hätte.

Dr. M. Lessak schrieb in seiner Mitteilung auf Standpunkte am 25.12.2003:
"Ich versuchte, über die an anderer Stelle angegebene Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit der IG den Text der Resolution zu bekommen. Leider vergebens. Erst hieß es, er liege nicht als Datei vor, man könne ihn mir aber faxen. Als ich um eine gescannte Version bat, kamen wieder andere Ausreden, u.a., man habe sich im IG-Vorstand beraten und eigentlich habe keiner einen Anspruch darauf, den Text der Resolution einzusehen."

Durch "selektive Information und Kommunikation" versucht die IG hier vermeintliche Macht zu demonstrieren. Sie bemerkt dabei nicht, dass ein solches autoritäres Führungsverhalten das ohnehin vorhandene Frustpotenzial noch weiter vergrößert und immer mehr zum Abbau von Motivation und Identifikation führt. Statt ihre Mitglieder an der Problemanalyse und an der Kompromiss-Suche zu beteiligen, maßt sich dieser IG-Vorstand die Entscheidung an, was IG-Mitglieder lesen und wissen dürfen, und was nicht, und das bei immer größer werdenden Möglichkeiten der individualen Informationsbeschaffung.

Tatsache ist, dass diese Resolution in Anwesenheit von drei Mitgliedern der IG Welsh verabschiedet worden ist, nämlich

  • Henk van Dijk, Holland, IG-Richter
  • Freifrau v. Redwitz, IG-Richterin u. seit 2003 wieder IG-Beauftragte für internationale Angelegenheiten(?)
  • Susanne Wiederkehr, Schweiz

Was sagen diese drei IG-Mitglieder zu dieser Resolution? Haben sie interveniert oder haben sie gar belebend die Diskussion und den Wortlaut der Resolution mitgestaltet?

Es bleibt auch in Zukunft dabei: Was die IG nicht an Informationen liefert, werden wir auf dieser Seite den Interessierten zur Kenntnis geben.

Eberhard Holin
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Nachsatz
Vor einigen Tagen hatte ich mit der FN Kontakt aufgenommen und die Frage nach einer deutschen Übersetzung der Resolution gestellt. Zum damaligen Zeitpunkt verfügte auch die FN lediglich über den in Englisch gefassten Originaltext. Da sich Dr.Miesner im Urlaub befand, gab ich der FN die Zusage, auch den englischen Text bis zum Dienstantritt von Dr. Miesner zurückzuhalten. Auf Nachfrage teilt die FN heute mit, dass sie den englischen Text heute an die IG Welsh-Geschäftsstelle gegeben habe. Auch die deutsche Fassung würde dorthin gegeben, und dann könnten wir uns die beiden Fassungen ja von der Seite der IG Welsh holen. Dagegen beständen keine Bedenken.

Es ist also davon auszugehen, dass beide Fassungen, entweder getrennt oder zusammen, in Kürze auf der IG Seite publiziert werden, wie schön! Aber immer haben wir noch keine Antworten auf die Fragen, unterstützt die IG Welsh diese Resolution usw. (siehe oben)?

Was bleibt nun von diesem Geplänkel übrig, und welche Lehren ziehen wir daraus?

Die Erkenntnis, dass ohne Druck-Ausübung wenig läuft. Klar, dass wir weiter am Ball bleiben.

E. Holin