Richter der IG Welsh FN-zertifiziert

von Eberhard Holin
Vor wenigen Tagen haben im brandenburgischen Haupt- und Landgestüt Neustadt-Dosse und im hessischen Alsfeld Prüfungen der FN zum "Allgemeinen Richter Zucht" stattgefunden. Diese Prüfungen fanden in Anlehnung an die Ausbildungs-Prüfungs-Ordnung (APO), neuer Abschnitt "Richter-Zucht", statt. Die zertifizierten Richter werden "z.B. bei Eintragungsveranstaltungen und Schauen der Züchtervereinigungen eingesetzt", (Zusatz Ho: damit sind die Zuchtverbände/Pferdestammbücher gemeint), fn-aktuell, Ausgabe 12/04, 9.Juni 04, S.9-10. In Neustadt-Dosse haben 10 Kandidaten die Prüfung bestanden.

In fn-aktuell findet sich zur Prüfung in Hessen folgende Information:

  • "Auch im hessischen Alsfeld fand eine Prüfung für Zuchtrichter statt. Hier haben Claudia Clausnitzer, Astrid Meier und Joachim Völksen (alle Verband der Pony- und Kleinpferdezüchter Hannover), Pia Dörnfeld (Verband der Ponyzüchter Hessen), Hermann Jäger (Rheinisches Pferdestammbuch), Peter Müller (Pferdezuchtverband Sachsen) sowie Uwe Rosenthal und Wilhelm Heinrich Hüggenberg (beide Westfälisches Pferdestammbuch) die Prüfung bestanden. Die neuen Zuchtrichter wurden nun für ihren jeweiligen Zuchtverband in die Zuchtrichterliste der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) aufgenommen," fn-aktuell, Ausg. 24/04, 17.Nov.04, S.17.

Alle Prüflinge waren erfolgreich

Mitglieder der FN-Prüfungskommission waren: Herr Solle, ZL Hessen, Herr Hofmeister, ZL Hannover, Herr Biedenkopf, HessenP, Frau Kellner/FN-Warendorf.

In Alsfeld haben sich insgesamt 8 Kandidaten der Prüfung gestellt. 7 Kandidaten, mit Ausnahme von Frau Astrid Meier, sind Mitglieder des Richterkollegiums der IG Welsh. Alle Prüflinge haben das Prüfverfahren mit Erfolg bestanden. Nun sind 7 Welsh-Experten zusätzlich FN-zertifiziert.Alle Prüflinge haben den Nachweis erbracht, dass sie im konkreten Prüfverfahren den FN-Prüfungsanforderungen entsprochen haben.

Schwerpunkt der Prüfung lag "in der praktischen Pferdebeurteilung einschließlich Rangierung und Kommentierung", und "in der Theorie (wurden) u.a. Exterieurbeurteilung, Aufgaben des Zuchtrichters, rechtliche Grundlagen, Pferdezucht/Fachkunde, Gangarten und Bewegungsabläufe abgefragt," fn-aktuell, Ausg.12/2004, 9.Juni, S.9).

Es würde auch jede Vorstellungskraft übersteigen, wenn einer der lang gedienten "Welsh-Züchter/Kör-Experten" den Anforderungen dieser FN-Grundlagen-Prüfung nicht gewachsen gewesen wäre.

 

Wie geht es weiter?

Im kommenden Jahr steht ein weiterer FN-Lehrgang und die Ablegung der FN-Zusatzprüfung "Rasse-Experte"(RE) auf der Agenda. Die Fjord-Leute machen den Anfang, und im Verlauf des Jahres stehen dann bei unseren altgedienten Welsh-Experten Welsh-spezifische Inhalte auf dem "Lehr- und Lernplan".

Da heißt es wieder "Lernen...lernen..." (Zitat nach R.Rosenthal).

Ist die Beteiligung der IG Welsh am Prüfverfahren gesichert?

Es besteht überhaupt kein Zweifel: Beide Prüfungen sind FN-Veranstaltungen. Aus ihrem Selbstverständnis und ihren Statuten beansprucht die FN (und ihre Zuchtverbände) ihre Verantwortlichkeit für alles züchterische Geschehen in ihrem Geltungsbereich. Die Unterstützung der Interessengemeinschaften wird dabei als Ideen-Spender sicherlich gern in Anspruch genommen. Verdient dieses Miteinander die Bezeichnung Mitbestimmung?

Es stellen sich folgende Fragen:

  • Wer konzipiert die Welsh-Inhalte der FN-Zusatzprüfung "Rasse-Experte"? Welches Gremium der IG Welsh ist an dieser Ideenfindung und Konzipierung beteiligt? Vielleicht Vertreter des Welsh-Richterkollegiums, die diese Zusatzprüfung selbst nicht abgelegt haben, dem aber die Prüflinge angehören?
  • Wer prüft diese Welsh-Inhalte ab?
    FN-Zuchtleiter allein, oder zusammen mit dem Vorsitzenden der IG-Welsh, der diese Prüfung selbst noch nicht bestanden hat, oder dem Richterobmann der IG Welsh, der selbst noch abgeprüft werden will, oder vielleicht gemeinsam mit der Zucht-Expertin der IG Welsh?

  • Wer zählt zur Prüfungskommission? Ist die paritätisch zusammengesetzt (von FN- und IG Welsh-Experten)? Haben da ausgewiesene Welsh-Experten der IG Welsh oder der WPCS ein gleichwertiges Stimmrecht, oder sitzen diese während des Prüfverfahrens nur dabei (ohne Stimmrecht, wenn überhaupt) und beurteilen letztlich auch in der "FN-Zusatzprüfung Rasseexperte" allein FN-Zuchtleiter die gezeigten Leistungen wie in der FN-Grundlagen-Prüfung?

Seit ihren Anfängen hielt sich die IG Welsh für den eigentlichen Gralshüter der deutschen "Welsh-Zucht". Unsere altgedienten "Richter- und Zucht-Experten" bildeten gleichsam die "Ritter der Tafel-Runde", die unerschrocken und Ziel-orientiert Welsh-Zuchtziele in Anlehnung an die WPCS definierten und die Belange der Welsh-Zucht und Welsh-Züchter gegenüber den Zuchtverbänden offensiv vertreten haben.

So könnte man das frühere Selbstverständnis unserer Welsh-Experten beschreiben.

Was ist in der Ägide nach Prof. Dr. Bauer von diesen Ansprüchen geblieben? Werden jetzt die Vorgaben der WPCS und die Belange der Rasse Welsh - quasi das "Allerheiligste" der IG Welsh - von FN-Zuchtleitern abgeprüft, die nur in Ausnahmefällen selbst über eine eigene Welsh-Zucht-Praxis verfügen, wie sie lt. Statuten des Richterkollegiums von angehenden IG-Richtern gefordert wird?

Noch vor wenigen Jahren ein unvorstellbares Verfahren.