Bemerkungen zum Beitrag von Frau Scherer v. 30.11.04

Richter der IG Welsh FN-zertifiziert

Seite Standpunkte
von Eberhard Holin
  1. Sie zitieren : „Unsere altgedienten Richter- und Zuchtexperten bildeten gleichsam die 'Ritter der Tafelrunde' die unerschrocken und Ziel orientiert Zuchtziele in Anlehnung an die WPCS definierten und die Belange der Welsh-Zucht und Welsh-Züchter gegenüber den Zuchtverbänden offensiv vertreten haben.“
    Ich sage Ihnen, dass ich aufgrund meines knapp 40-jährigen Berufslebens kein Gegner von „formalen Qualifikationen“ bin, ganz im Gegenteil. Mit einer allgemeinen FN-Basisprüfung für „angehende Rasse-Richter“ habe ich keine Schwierigkeiten. Oft sind ihre Bewerber ja noch jung an Jahren, und daher können sie auch zwangsläufig noch nicht über eine Jahrzehnte lange eigene Zuchterfahrung verfügen. Kurios wird es m.E. jedoch, wenn sich renommierte Welsh-Züchter und Mitglieder von Kör-Kommissionen und tätige Verbandsrichter – die Jahrzehnte im Geschäft stehen - einer Prüfung unterziehen, die als eine Einsteigersprüfung für Richter-Anfänger konzipiert ist und allgemeine Grundlagen der Pferde/Pony-Beurteilung abprüft. Warum ist für diese lang gedienten Welsh-Experten nicht konsequent ein `Gleichstellungsverfahren` von beiden Seiten akzeptiert und konsequent durchgeführt worden (FN/IG Welsh), das selbst im Laufbahnrecht für Beamte unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist?

    Im direkten Anschluss an meine obige Feststellung kommen Sie zu dem Ergebnis:
    „Sehe es deutlich positiver, denn leider ist keine Einheitlichkeit in den Zuchtverbänden zu erkennen.“

    Was haben meine positiv gemeinten Einschätzungen mit ihrer Schlussfolgerung zu tun? Einen Kausal-Zusammenhang kann ich nicht erkennen.

    Gleichwohl erlaube ich mir die Frage: Findet man denn bei unseren IG-Richtern einheitliche Beurteilungskriterien und eine konsequente Beachtung von (hierarchisierten?) Qualitätsmerkmalen?

    Diese Frage zielt natürlich auch auf walisische Richter. Ein Beispiel: Der eine walisische Richter vergibt auf der Royal Welsh Show an einen Hengst den George Prince of Wales Perpetual Cup für den besten ausgestellten Welsh-Cob (Sektionssieger). Frenetisch wird dieser junge Hengst als "Ausnahme-Erscheinung" gefeiert. Im folgenden Jahr steht dieser Hengst bei einem anderen Richter „lediglich“ auf dem 5. Platz, obwohl er sich weiter positiv entwickelt hat. Glauben Sie, dass seine Mitbewerber auf den Plätzen 1-4 von deutlich besserer Qualität gewesen wären? Sie kennen doch die Schwachpunkte des „Ein-Richter-Beurteilungsverfahrens“. Sind nicht bei diesem Verfahren der Subjektivität Tür und Tor geöffnet, und Sie beklagen das Fehlen von „Einheitlichkeit“ bei den Zuchtverbänden? Aus welchen Gründen wird wohl von Zuchtverbänden auf Schauen auch ein getrenntes Richten (3 Richter) praktiziert?

    Als ein exemplarisches Beispiel für die Vielfalt der Rasse Welsh und die offen zur Schau getragene Vorliebe der Richter für den einen oder anderen Typ (Degeneriert eine Rangierung zu einer Geschmacksfrage?), möchte ich Ihnen das Richten der Welsh-B-Klassen auf der Royal Welsh-Schau empfehlen (in mehreren auf einander folgenden Jahren, versteht sich). Ob Sie dann in „Zucht und Beurteilung“ noch von einer „Einheitlichkeit“ reden?

  2. Sie zitieren:
    „Es würde auch jede Vorstellungskraft übersteigen, wenn einer der lang gedienten `Welsh-Züchter/Kör-Experten` den Anforderungen dieser FN-Grundlagen-Prüfung nicht gewachsen gewesen wäre.“
    Aus dieser Feststellung schlussfolgern Sie:
    „Genauso wie sich aus eigener Erfahrung gezeigt hat, dass die Leistungsprüfung Zucht der IG deutlich anspruchsvoller ist, als eine `herkömmliche` Stations- oder Feldprüfung.“
    Sie sprechen von der alten `Zuchtprüfung Welsh`, die inzwischen von der FN- Leistungsprüfung Welsh (LPW) abgelöst worden ist. Die alte ZPW ist von den Welsh-Züchtern und -Besitzern (leider) nicht angenommen worden und die neue LPW bis jetzt auch noch nicht. Sie vergleichen Äpfel mit Birnen, konstruieren abenteuerliche Zusammenhänge und kommen zu merkwürdigen Schlussfolgerungen. Was hat das Eine mit dem Anderen zu tun?

  3. Bislang erhob die IG Welsh entsprechend ihrem Selbstverständnis den Anspruch, die fachliche Kompetenz in Sachen Welsh-Zucht zu besitzen (das galt wenigstens bis zum Ende der Amtszeit von Prof. Bauer). Jetzt sieht es so aus, dass sich lang gediente Experten der IG Welsh einem Prüfverfahren unterwerfen, an dessen Ende Zuchtleiter der FN den Prüflingen bescheinigen, dass sie voll im Welsh-Stoff stehen und den Belangen der Rasse Welsh genügen.
    In meinem Beitrag habe ich insgesamt 8 Fragen gestellt, die sich letztendlich mit unserem früheren Selbstverständnis beschäftigen, das ja mal die IG Welsh begründet, zusammen gehalten und stabilisiert hat. Hinter diesen Fragen steht die Suche nach dem zukünftigen „Eigenprofil“ der IG Welsh, die beabsichtigt, ihre Zucht- und Rasse-Experten von der FN abprüfen zu lassen, ob sie FN-Ansprüche erfüllen.
    Meine Fragen beantworten Sie nicht, wie könnten Sie auch? Selbst die FN und unser Management können zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine detaillierten Antworten in Sachen der FN-Prüfung "Rasse-Experte"(RE) geben.
    Gleichwohl kommen Sie zu dem Ergebnis:
    „Folglich ist auf dem Wege einer deutschen Einheitlichkeit, dem Zuchtfortschritt und dem Ziel `nur die Besten in die Zucht` diese zusätzliche Prüfung der Richter für die Welsh-Zucht in Deutschland ein weiterer Eckpfeiler geschaffen, da der Einfluss und die Anerkennung dieser Richter steigt. Sie sind aus der Sicht des Dachverbandes nicht mehr `geduldete Auch-Richter` sondern `zertifizierte Richter`.

    Ihre Schlussfolgerungen auf meine Fragestellungen sind nicht zu begreifen.