In Riesenbeck wieder Spannung pur
bei den Pony-Vierspännern
Gerhard Gerich siegt vor Dirk Gerkens und Martin Thiemann

Text und Fotos von E. Holin



Gerhard Gerich siegte
Die Auseinandersetzung um den Platz an der Spitze gehen bei den Pony-Vierspännern munter weiter. Hatte die Platzierung bei den Deutschen Meisterschaften in Sachsenhausen noch geheißen: Martin Thiemann, Gerhard Gerich und Dirk Gerkens, so sortierte sich nun in Riesenbeck erneut die Spitze.

Schon in der Dressur belegte der routinierte Altmeister aus Klötze/SaAnh. den ersten Platz vor Steffen Abicht und Dirk Gerkens. Detlef Randzio kam mit seinen Haflingern auf Platz vier, Martin Thiemann auf Platz sieben und Tobias Bücker auf Platz acht.


Martin Thiemann im Wasserhindernis
 

Dirk Gerkens kam auf den zweiten Platz

Trotz der geringen Teilnehmerzahl von nur 10 Gespannen - die kurze Aufeinanderfolge der Turniere in Lähden, Sachsenhausen und Riesenbeck - forderte wegen der langen Anreise besonders von den Fahrern aus Bayern, BaWü und Hessen ihren Tribut - schlug die Geländefahrt wieder zahlreiche Besucher in ihren Bann. Natürlich war das Wasserhindernis wieder der Magnet fürs Publikum. Hier treffen sich schon seit Jahren immer wieder dieselben Fahrsport-Enthusiasten, um die Faszination Pferde und Wasser hautnah zu genießen. Als erster Starter ging Tobias Bücker auf die Strecke, gefolgt von Martin Thiemann. Und da passierte, was nicht geschehen sollte. Der Himmel öffnete seine Schleusen und wie Bindfäden schüttete es aus den Wolken. Viele Zuschauer nahmen reißaus. Klar, dass sich diese widrigen Wetterverhältnisse auch auf die erzielten Zeiten niederschlugen. Trotz der schwierigen Umstände erzielte in dieser Prüfung dennoch Martin Thiemann den beachtlichen dritten Platz. Wie so oft in Riesenbeck, die Schlechtwetterfront verzog sich zügig, verbesserten sich die Bedingungen von Start zu Start. Die letzte Hälfte der Starter durchfuhr bei eitel Sonnenschein die Strecke. Als vierter Teilnehmer ging Gerhard Gerich an den Start. Wie in Sachsenhausen, so hatte er auch für diese Marathonfahrt die erst 6-jährige Lisett 16 angespannt, eine Tochter von Nightcup. Ihre Mutter stammt von dem Vollblutaraberhengst Charib B Lancer, dessen Blut auch bei der 14-jährigen Venecia zu finden ist. Lisett ist erst in wenigen Fahrprüfungen der Kl.S eingesetzt worden und hat sicherlich noch nicht ihren Leistungs-Zenit erreicht. In zwei Hindernissen erzielte Gerhard Gerich Bestzeiten und in drei Hindernissen die zweitbesten Zeiten. Ihm folgte Dirk Gerkens. In gewohnt zügiger Manier legte er drei Bestzeiten und zweimal zweitbeste Zeiten hin, und damit fuhr er die Prüfung als Sieger nach Hause. Detlef Randzio kam auf den vierten, Karl-Heinz Wanstraht mit den Berning-Ponys (Herne) auf den sechsten und Tobias Bücker auf den achten Platz.


Diethelm Kneifel, 4. Platz.
 

Welsh-B-Ponys mit Karl-Heinz Wanstraht

Im abschließenden Hindernisfahren ergab sich folgende Platzierung: 1.Pl. Gerhard Gerich, 2.Pl. Diethelm Kneifel, 3.Pl. Dirk Gerkens, 4.Pl. Karl-Heinz Wanstraht, 5.Pl. Tobias Bücker, 7.Pl. Martin Thiemann und 8.Pl. Detlef Randzio.

Das Gesamtergebnis lautete: Sieger wurde Gerhard Gerich vor Dirk Gerkens und Martin Thiemann. Auf den weiteren Plätzen folgten Diethelm Kneifel, Detlef Randzio, Tobias Bücker, Karl-Heinz Wanstraht, Steffen Abicht, Abel Unmüssig und Rainer Braun.


Steffen Abicht vor der Einfahrt ins Wasser
 

Abel Unmüssig mit seinem jungen Gespann
Gespräch mit Tobias Bücker

Auf Veranlassung der Redaktion von "Reiter und Pferde in Westfalen" sprach ich während des Turniers in Riesenbeck mit Tobias Bücker. Im Folgenden die ungekürzte Wiedergabe:
Der Emsdettener Tobias Bücker gehört zu den erfolgreichsten deutschen Ein-, Zwei- und Vierspännerfahrern. Der 29-jährige, bald zweifacher Vater, steht seit 16 Jahren aktiv im Turniersport. Seit 1997 gehört er zum Championatskader der Pony-Vierspännerfahrer. Er besitzt das Goldene Fahrabzeichen und hat die Fahrlehrerprüfung erfolgreich abgelegt. 2003 erhielt er beim CAI Dillenburg den "Fairness-Pokal". Schon bei den DM 1995 der Pony-Vierspänner holte er die Goldmedaille. Er gehörte zur Gold-Mannschaft bei den WM 2003 der Pony-Fahrer und auch in der Einzelwertung erzielte er die WM-Goldmedaille. Ungezählt sind seine Platzierungen auf den großen nationalen und den Turnieren im Ausland (weitere Einzelheiten seiner Erfolgsbilanz, siehe "Fahrerporträts der FN").


Tobias Bücker

R+P: Wie steht es im Augenblick mit Tobias Bücker und seinem Viererzug? Auf den letzten Turnieren sind Sie bei den Platzierungen eher im mittleren oder hinteren Drittel zu finden.

TB: Seit geraumer Zeit bin ich dabei, meinen Viererzug neu zusammenzustellen, und dieser Prozess ist im vollen Gang und noch nicht abgeschlossen. So wird auch Vinchi uns verlassen, und mit dem jungen Paint Brush steht ein neuer Kandidat für unser Gespann bereit.

R+P: Was heißt das weiter konkret?

TB: Das Problem sind in der Regel die "Vorderpferde". Harmonieren die nicht miteinander, kann man auch in den Endergebnissen keine besonderen Erfolge erwarten. Konkret geantwortet: ich suche immer noch nach einem Passer für FS Challenger.

R+P: In früheren Jahren fuhren Sie rein gezogene Welsh-Bs. Auch jetzt haben Sie noch mit Chico B, Harry, Tack und Tizian Welsh-Bs im Gespann. Mit FS Challenger ist ein Deutsches Reitponys hinzugekommen. Heißt das, dass Sie nun sukzessive die Welsh-Bs durch größere Deutsche Reitponys ersetzen?

TB: Nicht unbedingt. FS Challenger hat ein Stockmaß von 143 cm, und dieser Wallach soll im Gespann bleiben. Ein Passer sollte also mindestens ein Stockmaß von 139 cm besitzen, sonst sieht das ja nicht aus. Aber auch die Bewegungsabläufe der beiden Vorderpferde, ganz abgesehen von ihrem Temperament, müssen zu einander passen. Jetzt suchen Sie mal einen Welsh-B in dieser Größe, der diesen Kriterien entspricht, die stehen nicht einfach in der Landschaft rum.

R+P: Wer in der Klasse S vorn mitreden will, der muss täglich trainieren, und dieser Trainingsaufwand ist nur mit hohem Zeitaufwand zu leisten.

TB: Das ist richtig. Ein Training von mehr als drei Stunden täglich - und an Wochenenden auch mehr - ist neben Familie und Beruf einfach nicht drin. Das Fahren betrachte ich als Hobby, und so soll es auch bleiben. Man muss in seinem Leben die richtigen Prioritäten setzen. In diesem Rahmen versuche ich an meine früheren Erfolge anzuknüpfen.

R+P: Das heißt, in absehbarer Zeit, wenn die Abstimmungen im Gespann sich optimaler gestalten, dann ist auch wieder mit Toby Bücker auf vorderen Plätzen zu rechnen?

TB: Selbstverständlich.

R+P: Wir danken für das Gespräch.

Abgedruckt in "Reiter und Pferde in Westfalen", Ausgabe August 2004, 29.Jhg., S.32-33