Zur Verteilung der eingetragenen Stuten und Hengste
der Rasse Welsh bei den deutschen Zuchtverbänden

von Eberhard Holin

Im Folgenden sollen Aussagen zur Verteilung der eingetragenen Stuten und Hengste der Rasse Welsh gemacht werden. Dabei sollen die statistischen Daten der Jahre 1998 und 2003 miteinander verglichen werden. Die Daten aus 1998 und 1997 wurden bereits im Welsh-Jahrbuch 2000, S.101-105, diskutiert. Sie stammen aus dem Jahresbericht 1998 der FN. Die Daten aus 2003 wurden uns auf Anfrage von der FN am 05.04.2004 zur Verfügung gestellt. Für diese prompte Bedienung bedanken wir uns.

Die Analyse soll auf folgende Fragen Antwort geben:

  • Wie sieht die derzeitige Verteilung der eingetragenen Hengste und Stuten der einzelnen Welsh-Sektionen bei den deutschen Pferdestammbüchern und den Pony-Verbänden aus? In welchen Zuchtgebieten liegen die Schwerpunkte der einzelnen Sektionen?
  • Wie ist die derzeitige Gesamt-Verteilung der Welsh-Sektionen?
  • Welche besonderen Veränderungen gibt es bei den einzelnen Sektionen und in den Zuchtgebieten im Vergleich zur Verteilung im Jahre 1998?
  • Am Schluss wird die Frage diskutiert, ob nicht die IG Welsh sinnvoller Weise ihre Verbandspolitik an der Verteilung der Sektionen orientieren sollte


    Welsh-A-Stute Three-B Ballerina, Overall Champion in Arcen

Die Sektion A
Von 1998-2003 hat sich die Welsh-A-Population insgesamt nur geringfügig verändert. Die Anzahl der Hengste ist lediglich um zwei Tiere gestiegen und die der Stuten von 484 auf 500, insgesamt von 605 auf 623 (+ rd. 3%).

Beim Blick auf die Tabelle1 wird deutlich, dass in 2003 die Hochburgen der Welsh-A-Zucht in folgenden Zuchtgebieten liegen:

  • Weser-Ems 121(19/102)*
  • Hannover(P) 86(16/70)
  • Westfalen 85(19/66)
  • Rheinland 65(18/47)

In den neuen Bundesländern zeigt sich die Verteilung wie folgt:

  • Sachsen-Anhalt 39(7/32)
  • Thüringen 38(7/31)
  • Sachsen 24(4/20)
  • Berlin-Brandb. 23(5/18)
  • Mecklenb.-Vorp. 17(5/12

*erste Zahl: Anzahl der Tiere insgesamt, (Hengste/Stuten)

Starker Aufschwung im Rheinland und in Sachsen-Anhalt
Deutlicher Rückgang in Westfalen
In den einzelnen Zuchtgebieten sind unterschiedliche Trends zu verzeichnen. Es ergeben sich folgende Veränderungen:

Das Zuchtgebiet mit dem stärksten Zuwachs an Welsh-As ist das Rheinland. Hier stieg die Zahl der Hengste von 9 auf 18 und die der Stuten von 32 auf 47, insgesamt von 40 auf 65, + 25, das bedeutet insgesamt einen Anstieg von +37%.* In Weser-Ems stieg die Gesamtzahl der Welsh-As von 112 auf 121 Tiere, +9 (= +7,5%), in Hannover ergaben sich kaum Veränderungen, 88 in 1998 und 86 in 2003, in Westfalen sank dagegen die Zahl der Hengste von 27 auf 19 und die der Stuten von 88 auf 66. Damit entstand insgesamt ein Rückgang von 115 auf 85, - 30 Tieren (= - 26%). Auch in Schleswig-Holstein/HH sank die Anzahl um 14 Tiere, von 42 auf 28, in Hessen um 6 Tiere, von 34 auf 28. Die kleinste Welsh-A-Population findet sich in Rheinland-Pfalz-Saar. Dort sank die Anzahl der Tiere von 15 auf nunmehr 5(3/2) Tiere.

Auch beim ZV für deutsche Pferde verringerte sich die Zahl der registrierten As von 8 um 2 auf jetzt 6(3/3) Tiere. Erfreulich dagegen die Situation in Sachsen-Anhalt. Hier stieg die Population insgesamt um 28 Tiere(+6 Hengste u. + 22 Stuten), von 11 auf 39. Auch in Thüringen stieg die Gesamtzahl um 13 Tiere, von 25 auf 38. Berlin-Brandenburg verzeichnet einen Zuwachs von 8 und Mecklenburg-Vorpommern von 3 Tieren.

*Die Prozentzahlen werden nur bei Populationen >50 Tiere errechnet.

Tab.1
Zuchtverband Welsh-A (Anzahl) Welsh-B (Anzahl) Welsh-C (Anzahl) Welsh-D (Anzahl) Gesamt  
Hengste
Stuten
Hengste
Stuten
Hengste
Stuten
Hengste
Stuten
in 1998
2003
Jahre 98/03 98/03 98/03 98/03 98/03 98/03 98/03 98/03  
Baden-Württ.. 2/1 18/18 5/3 33/24 0/0 3/2 1/2 21/11 83 61
Berlin-Brand. 3/5 12/18 5/7 24/35 0/1 1/2 4/7 9/26 58 101
Mecklenb.-Vorp. 5/5 9/12 7/8 23/24 0/1 2/1 1/1 0/6 47 58
Rheinland 9/18 32/47 24/13 126/85 7/7 11/19 9/9 48/46 266 244
Rheinl.-Pf.-Saar 7/3 7/2 5/1 19/12 5/4 15/9 8/8 44/51 110 90
Sachsen 5/4 19/20 5/6 31/33 2/5 9/9 2/4 14/11 87 82
Sachsen-Anh. 1/7 10/32 0/2 22/23 0/1 0/6 2/6 6/14 41 91
Thüringen 4/7 21/31 21/31 63/51 1/0 3/1 1/1 5/8 77 77
Westfalen 27/19 88/66 10/13 63/51 2/2 10/4 10/7 74/48 284 210
Schlesw.-H./HH 10/5 32/23 15/17 86/72 8/3 26/22 13/17 49/60 239 219
Bayern(P)* 8/8 34/31 19/15 115/80 2/1 16/4 5/5 35/44 234 188
Hannover(P) 18/16 70/70 21/23 145/105 2/4 12/14 11/11 51/46 330 289
Hessen(P) 3/3 31/25 10/12 73/67 1/1 19/24 8/13 62/70 207 215
Weser-Ems 15/19 97/102 21/25 156/129 0/0 5/0 8/6 40/27 342 308
ZV f.dt.Pferde 4/3 4/3 3/10 6/22 0/0 1/0 3/4 15/15 36 57
Gesamt 121/123 484/500 162/161 952/775 30/30 133/117 86/101 473/483 2441 2290
*(In den Zahlenangaben zur Berechnungsgrundlage des Jahres 1998 ergibt sich ein Plus von 3 Tieren bei den im Welsh-Jahrbuch aufgeführten Zahlenangaben (2441 T.) gegenüber den Zahlen der FN (2438 T.). Diese Differenz beruht auf Angaben des Bayerischen Ponyverbandes, der für 1998 statt 31 Welsh-Hengste - wie von der FN wiedergegeben - 34 Hengste als registriert angibt. Diese erhöhte Zahl wurde bei den Berechnungen verwendet).


Welsh-B-Hengst Thornberry Royal Diplomat. Foto Wulf

Die Sektion B

In 1998 lag die Bestandsgröße bei den Bs bei 1114(162/925), Ende des Jahres 2003 bei 936(161/775) Tieren. Der Verlust beträgt 178 Tiere (= - 16%).

Die Hochburgen der Welsh-B-Zucht liegen in folgenden Zuchtgebieten:

  • Weser-Ems 154(25/129)
  • Hannover(P) 128(23/105)
  • Rheinland 98(13/85)
  • Bayern(P) 95(15/80)
  • Schlesw.-H./HH 89(17/72)
  • Hessen(P) 79(12/67)

In den neuen Bundesländern ist die Verteilung wie folgt:

  • Berlin-Brandb. 42(7/35)
  • Mecklenb.-Vorp. 32(8/24)
  • Sachsen 29(6/23)
  • Thüringen 29(6/23)
  • Sachsen-Anh. 25(2/23

Deutlicher Rückgang im Rheinland und in Bayern
Zuwachs in Berlin-Brandenburg

Bei den Welsh-Ponys der Sektion B zeigt sich die Situation wie folgt:

In allen Zuchtgebieten mit größeren Beständen kommt es zu rückläufigen Etnwicklungen. Im Rheinland betrug die B-Population 1998 insgesamt 150(24/126) Tiere. 2003 war sie auf 98(13/85) gesunken, ein Minus von 11 Hengsten/41 Stuten (-52 Tiere). Der Rückgang beträgt insgesamt -35%. An zweiter Stelle liegt Bayern(P). Beim Bayerischen Ponyverband betrug die Population 1998 134(19/115) Tiere. 2003 war sie auf 95(15/80) abgesunken, das bedeutet einen Abschwung von 39 Tieren (= - 29%).An dritter Stelle folgt Hannover(P). 1998 betrug der Bestand 166(21/145) und 2003 128(23/105) Tiere, ein Minus von 38 Tieren (= - 23%). In Weser-Ems reduziert sich der B-Bestand von 177(21/156) auf 154(25/129) Tiere. Im Verlauf der fünf Jahre verlieren Weser-Ems 23 Tiere( = -13%), Westfalen 9 Tiere(= - 12,3%) und Schlesw.-Holstein/HH 12 Tiere (= - 12%). In Baden-Württemberg sinkt die Zahl der Tiere von 38 auf 27, in Rheinland-Pfalz-Saar von 24 auf 13 Tiere, in Sachsen von 36 auf 29 und in Thüringen von 42 auf 29 Tiere.

Demgegenüber stieg in Berlin-Brandenburg der Bestand von 29 auf 42 Tiere und beim ZV für deutsche Pferde sind statt 9 in 2003 32 Welsh-Bs registriert.


Welsh-C-Stute Deroks Lady Janet

Die Sektion C
Mit Abstand ist nach wie vor in Deutschland die Sektion C, Welsh-Pony im Cob-Typ, die zahlenmäßig kleinste Welsh-Sektion. Für den Vergleichszeitraum ergibt sich auch hier ein Rückgang von 166 Tieren in 1998 auf 147 in 2003, -19 Tiere (= - 11,5%).

  • Rheinland 26(7/19)
  • Hessen(P) 25(1/24)
  • Schlesw.-H./HH 25(3/22)
  • Hannover(P) 18(4/14)

Die Verteilung in den neuen Bundesländern:

  • Sachsen 14(5/9)
  • Sachsen-Anh. 7(1/6)
  • Berlin-Brandb. 3(1/2)
  • Mecklenb.-Vorp. 2(1/1)
  • Thüringen 1(0/1)

Rheinland, Hessen(P) u. Schleswig-H./HH gleichauf

Das zur Zeit größte Aufkommen von Welsh-Cs findet sich im Rheinland mit 26(7/19) Tieren, 1998 waren es 18, ein Plus von 8. An zweiter Stelle liegt Schleswig-Holstein/HH mit 25(3/22) Tieren. 1998 waren es noch 34, ein Verlust von 9 Tieren. Auch in Hessen(P) besteht der Bestand zur Zeit aus 25(1/24) Cs. In Hannover (P) sind es 18(4/14), in Sachsen 14(5/9) Tiere. In Rheinland-Pfalz-Saar stehen nur noch 13(4/9) Cs, 1998 waren es noch 20. In Sachsen-Anhalt befinden sich 7(1/6) und Westfalen nur 6(2/4) Tiere. In Weser-Ems sind zur Zeit keine Cs registriert. In Berlin-Brandenburg stehen 3(1/2), in Mecklenburg-Vorpommern nur 2(1/1), und in Thüringen ist nur noch 1 Stute registriert. Beim ZV für deutsche Pferde wird z.Zt. kein Welsh-C geführt.


Welsh-Cob-Hengst H-S Martino(+) auf der Royal Welsh-Schau 1997

Die Sektion D
Die Zahl der Hengste stieg von 86 auf 101, +15 T., und die der Stuten von 473 auf 483, +10 T. Bei den Welsh-Cobs ist die Population insgesamt von 559 in 1998 auf 584 in 2003 gestiegen, ein Plus von 25 (= + 4,3%).

Die größten Welsh-D-Populationen verteilen sich wie folgt:

  • Hessen(P) 83(13/70)
  • Schlesw.-Hol. 77(17/60)
  • Rheinl-Pf.-S. 59(8/51)
  • Hannover(P) 57(11/46)
  • Rheinland 55(9/46)
  • Westfalen 55(7/48)
  • Weser-Ems 33(6/27)

Die Verteilung in den neuen Bundesländern:

  • Berlin-Brandb. 33(7/26)
  • Sachsen-Anh. 20(6/14)
  • Sachsen 15(4/11)
  • Thüringen 9(1/8)

Der Hessische Ponyverband an der Spitze
Starker Rückgang in Westfalen

Die meisten Welsh-Ds (Welsh-Cobs) sind z.Zt. beim Hessischen Pony-Verband registriert. Es folgt Schleswig-Holstein/HH mit 77(17/60) Tieren, diese positive Entwicklung hängt sicherlich mit der Etablierung der Gestüte Seaside und Arvalon zusammen. In den neuen Bundesländern nahm im Vergleichszeitraum die Anzahl der Cobs zu, deutlich in Berlin-Brandenburg von 13(4/9) auf 33(7/26), + 20, in Sachsen-Anhalt von 8(2/6) auf 20(6/14), + 12 Tiere, in Mecklenburg-Vorpommern stehen nun 7(1/6) Welsh-Cobs.

Den größten Einbruch verzeichnet Westfalen. Hier betrug die Zahl der Cobs 1998 84(10/74) Tiere, 2003 sind nur noch 55(7/48) registriert, -29 (= - 34,5%). Weitere Verluste gab es in Weser-Ems von 48(8/40) auf 33(6/27), - 15 Tiere und in Baden-Württemberg von 22(1/21) auf 12(1/1), - 10 Tiere.

Die Bestandsgrößen in den einzelnen Zuchtverbänden
Beim Pferdestammbuch Weser-Ems sind die meisten Welsh registriert,
es folgen Hannover(P) und das Rheinland

Die Tabelle 2 zeigt die Bestandsgrößen aller registrierten Tiere der Rasse Welsh bei allen deutschen Zuchtverbänden Ende des Jahres 2003. Beim Pferdestammbuch Weser-Ems sind zu diesem Zeitpunkt insgesamt 308 Welsh registriert, damit liegt das Zuchtgebiet Weser-Ems - trotz seiner Verluste - erneut mit seiner Welsh-Population an der Spitze vor allen anderen deutschen Zuchtgebieten. Beim Pony-Verband Hannover sind 289 Tiere registriert, beim Rheinischen Pferdestammbuch 244 und beim Pferdestammbuch Schleswig-Holstein/HH. 219 Tiere. Die zahlenmäßig kleinsten Bestände finden sich beim Pferdestammbuch Baden-Württemberg mit 61, beim Pferdestammbuch Mecklenburg-Vorpommern mit 58 und beim Zentralverband für deutsche Pferde mit insgesamt 57 Tieren.

Die in 2003 beim ZV registrierten Welsh setzen sich wie folgt zusammen:
6 Welsh-As (3/3), 32 Welsh-Bs (10/22), 0 Welsh-Cs, 19 Welsh-Ds (4/15).

Die Diagramme 2a und 2b zeigen die Bestände einzelner Zuchtverbände im Vergleich der Jahre 2003, 1998 und 1997. Deutlich zeigt sich, dass die größeren Welsh-Bestände bei den genannten vier Zuchtverbänden der alten Bundesländer kontinuierlich rückläufig sind. In Westfalen beträgt der Rückgang von 1997 auf 2003 136 Tiere(= - 39,3%), in Weser-Ems sind es 65 Tiere (= - 17,4%), und in Hannover beträgt der Verlust 61 Tiere (= - 17,4%).

Die Entwicklung in den neuen Bundesländern
Auch vor der Wende existierte in der damaligen DDR eine Pony-Zucht. In der Hauptsache wurden Shetlandponys, Haflinger und Kleinpferde unterschiedlicher Herkunft - Abkömmlinge osteuropäischer Kleinpferde (sogenannte "Panje") und variationsreiche Kreuzungsprodukte gezogen (aus Huzulen, Lewitzer, Gotlandponys, Isländern usw.). Inzwischen wird in allen neuen Bundesländern das gesamte Spektrum der bekannten kleinen und großen Pony-Rassen gezüchtet. 1992 standen in den östlichen Bundesländern insgesamt 17 Welsh-Hengste (4 Welsh-A, 11 Welsh-B, 1 Welsh-C, 1 Welsh-D, und 9 Welsh-Partbred-Hengste), s. Petzold, Petra, Entwicklung und Stand der Ponyzucht in den Neuen Bundesländern, in: Welsh-Jhb. 1993, S.51-54.

In 2003 sind es insgesamt 64 Welsh-Hengste: 23 A-Hengste, 22 B-Hengste,
7 C-Hengste und 12 D-Hengste (ohne Berlin-Brandenburg).

Bei drei Zuchtverbänden der neuen Bundesländer zeigen sich hinsichtlich der Welsh-Registrierungen - wenn auch bei kleineren Populationen - erfreuliche Zuwächse: In Sachsen-Anhalt ein Plus von 75 Tieren, (= + 82,4%), in Berlin-Brandenburg ein Anstieg um 41 Tiere (= + 40,6%),und in Mecklenburg-Vorpommern ein Anstieg um 16 Tiere (= + 27,6%). In Thüringen bleibt die Bestandsgröße über die sechs Jahre hinweg nahezu auf gleichem Niveau, in Sachsen zeigt sich ein leichter Verlust von 11 Tieren. Die Zuwächse resultieren u.a. aus Umstrukturierungen in der Landwirtschaft - wie z.B. Reiterhöfe als neue Einkommensquellen und Impulsgeber für den Fremdenverkehr. Außerdem rücken die Landgestüte durch ihre überregionalen Veranstaltungen und sonstige Öffentlichkeitsarbeit zunehmend die Pferde-Zucht- und den -Sport, aber auch die Ponys, stark ins öffentliche Bewußtsein. Auch das Netz der ländlichen Reit- und Zuchtvereine hat sich gut entwickelt.

Gesamtentwicklung und Verteilung der Sektionen
Im Jahre 1998 waren bei den deutschen Zuchtverbänden von allen Sektionen insgesamt 2441Welsh registriert, 2003 waren es 2290.

Im Vergleichszeitraum von 1998-2003 hat sich damit
die Gesamtpopulation der Rasse Welsh um 151 Tiere = - 6,2 % verringert.

Vergleich 2003 und 2002
Gemessen am Gesamtbestand aller Pony-Rassen liegt bei den registrierten Pony-Stuten die Rasse Welsh auch 2003 wieder auf dem fünften Platz mit 5,9 % (= 1872 T.). Verglichen mit dem Bestand von 2002 ist das ein Minus von 78 Tieren (= - 4%). Bei den Aufnahmen ins Stutbuch ergibt sich eine deutliche Differenz gegenüber den Registrierungen des Vorjahres. Wurden 2002 noch 311 Welsh-Ponys/Cobs aufgenommen, so sank diese Zahl im Jahr 2003 auf 251 Tiere, - 60 T.(= - 19 %). Auch die Zahl der registrierten Fohlen sank bei der Rasse Welsh von 696 im Jahr 2002 auf 653 in 2003, - 43 T.(= - 6,2 %).
Diese Angaben machen deutlich, dass von einer Stabilisierung der Rasse Welsh - trotz der Vorzüge ihrer vier Sektionen - nicht die Rede sein kann.

Beim Vergleich der Stutenbestände aller Pony-Rassen stellen die Haflinger-Stuten mit 29% (= 9271 T.) den größten Bestand, gefolgt von den Deutschen Reitponys mit 22,3% (= 7089 T.), den Isländern 17% (= 5421 T.) und den Shettys mit 10% (= 3176 T.). Die Anzahl der Welsh-Stuten liegt knapp vor den Stuten der Rasse Fjord, die 4,1% (1290 T.) der Gesamtpopulation erreichen , s. Jahresbericht 2003 der FN, S.353, S.354, S.359, S.368. Damit gehört die Rasse Welsh nach wie vor zu den zahlenmäßig kleineren Pony-Rassen.

Zusammenfassung
Von 1998 bis 2003 ist die Gesamtpopulation der Rasse Welsh um 6,2% gesunken. Im Durchschnitt bedeutet dies rein rechnerisch pro Jahr ein Rückgang von 1,3%. Auf den ersten Blick mögen diese Verluste moderat erscheinen. Die Gründe für diesen Abschwung resultieren sicher aus der allgemeinen Finanzverknappung und der desolaten Situation der Arbeitsmärkte und den damit zwangsläufig gekoppelten weiteren Negativ-Entwicklungen, wie Bevölkerungsfluktuation aus den östlichen in die westlichen Bundesländer usw. Gleichwohl handelt es sich hier um einen negativen Trend, der sich zunehmend verfestigt und den bisher die IG Welsh durch ihre Öffentlichkeitsarbeit und ihre Verbandspolitik nicht stoppen und umkehren konnte. Es lohnt sich, gerade unter Verbandsaspekten die Situation der einzelnen Welsh-Sektionen zu werten.

Im Vergleichszeitraum veränderten sich bei den einzelnen Sektionen die Zahl der registrierten Tiere, wie folgt:

  • Welsh-As + 3 % (+18 T.)
  • Welsh-Bs - 16 % (-178 T.)
  • Welsh-Cs - 11,5 % (-19 T.)
  • Welsh-Ds + 4,3 % (+25 T.).

Auffällig sind deutliche Sonderbewegungen:

  • Bei den Welsh-As stieg im Rheinland der Bestand im Vergleichszeitraum um 37%. Die Nähe zu Holland und die Aktivitäten der Gestüte "Three B" und "Three Stars" haben zu dieser positiven Entwicklung sicherlich beigetragen. In Westfalen sanken die A-Bestände im gleichen Zeitraum um 26%. In Rheinland-Pfalz-Saar verringerte sich die ohnehin schon kleine Population auf nunmehr 5 registrierte Tiere, 1998 waren es noch 14. Ohne Übertreibung kann man sagen, dass offensichtlich die As in diesem Zuchtgebiet nahezu unbekannt sind. Auch das Absinken des kleinen B-Bestands in diesem Zuchtgebiet von 24 auf 13 Tiere spricht eine deutliche Sprache. Diese klägliche Situation hängt u.a. mit der Jahrzehnte langen "erfolgreichen" Öffentlichkeitsarbeit der Cob-Liebhaber zusammen, die ihren Einfluss durch ihr Engagement sowohl in der Öffentlichkeit und beim regionalen Pferdestammbuch als auch in der Verbandspolitik der IG Welsh vortrefflich zu sichern wussten. Wegen Vernachlässigung der anderen Sektionen ist es so im öffentlichen Bewußtsein gelungen sukzessive die Rasse Welsh nahezu ausschließlich auf die Welsh-Cobs und auf den Freizeitreiterbereich zu reduzieren. Diese Feststellung gilt nicht nur für Rheinland-Pfalz.
    Steigende Tendenzen finden sich bei den As auch in Berlin-Brandenburg, in Sachsen-Anhalt und in Thüringen. Der zahlenmäßig stärkste Bestand steht mit 121 Tieren in Weser-Ems, gefolgt von Hannover(P) mit 86 und Westfalen mit 85 Tieren.
  • Die Welsh-Bs haben von allen Sektionen die größten Verluste zu verzeichnen, insgesamt rd.16%. Im Rheinland sank die Anzahl der registrierten Tiere um 35% (-52 Tiere), in Bayern um 29% (-39 T.), in Hannover(P) um 23% (-38 T.). Mit Ausnahme von Berlin-Brandenburg (+ 13 T.) kam es in fast allen anderen Zuchtgebieten zu Verlusten. Setzt sich für diese Sektion dieser Negativ-Trend fort, geht der deutschen Reitpony-Zucht ein wertvolles Gen-Potential verloren.
Dr. Heinz Heupel, anerkannter westfälischer Pony-Experte schrieb:
"Welsh-Ponys, vornehmlich der Sektion A und B, haben in den 60-er Jahren des letzten Jahrhunderts zum Aufbau der Reitpony-Zucht beigetragen...Leider ist festzustellen, dass die Zuchtgrundlage der Welsh-Pony-Zucht in den zurückliegenden Jahren merklich kleiner geworden ist; aus züchterischer Sicht bedauerlich," aus: NRW-Hengstverzeichnis 2004, März 2004, S.23.

Die stärkste B-Population findet sich mit 154 Tieren in Weser-Ems, dahinter liegen Hannover(P) mit 128 und das Rheinland mit 98 Tieren.

  • Bei der Sektion Welsh-C wurde im Vergleichszeitraum ein Minus von 19 Tieren (= - 11,5 %) registriert. Der Gesamtbestand umfasst insgesamt 147 Tiere Ende 2003. Die Bestände im Rheinland, in Hessen(P) und in Schleswig-Holstein/HH liegen mit jeweils rd. 25 Tieren zahlenmäßig gleichauf. Auch dieser Sektion ist - wie den Welsh-Cobs - erst in Einzelfällen der Durchbruch zum herkömmlichen Turniersport gelungen.
  • Bei den Welsh-Cobs gibt es in Schleswig-Holstein, in Berlin-Brandenburg und in Sachsen-Anhalt erfreuliche Zuwächse. Insgesamt verzeichnet diese Population im Vergleichszeitraum einen Zuwachs von 25 Tieren (+ 4,3 %). Den größten Einbruch verzeichnet Westfalen. Die Zahl der Hengste verringert sich hier von 10 auf 7 Tiere und die Zahl der Stuten von 74 auf 48. Das bedeutet einen Verlust von - 29 Tieren (= - 34 %) bei einem Anstieg von 15 Hengsten und 10 Stuten insgesamt. Dieser Abschwung hat u.a. seine Gründe in der Bestandsreduzierung auf dem Welsh-Cob-Gestüt Kurbaum in Olfen und dem Umzug von Züchter Thomas Oberhaus ins Zuchtgebiet Hannover. Weitere Verluste finden sich in Baden-Württemberg und in Weser-Ems. Die meisten Welsh-Cobs sind mit 83 Tieren in Hessen(P) registriert, 77 in Schleswig-Holstein und 59 im Rheinland.

Das Zuchtgebiet Weser-Ems liegt bei der Registrierung von Welsh-As und von Welsh-Bs an der Spitze aller übrigen Zuchtverbände. Außerdem besitzt es mit 308 Tieren die stärkste Welsh-Population. An zweiter Stelle folgt Hannover(P) mit insgesamt 289 Tieren. Auch bei den As und Bs liegt es auf diesem Platz. Das Zuchtgebiet Westfalen verzeichnet bei den Welsh-As und bei den Welsh-Cobs starke Verluste.


Karl-Heinz Wanstraht mit Welsh-Ponys
in einer Geländeprüfung der Kl.S

Schlussfolgerungen
Die Erhebung und Analyse von statistischen Daten erfolgt in der Regel, um zu vernünftigen Entscheidungen zu kommen. Auf der Basis von nachprüfbaren Daten sollen Erkenntnisse gewonnen werden, die anschließend in politisches und praktisches Handeln umgesetzt werden. Ohne derartige Bestandsaufnahmen und anschließende Analysen kommen auch die Interessengemeinschaften nicht aus.

Das ins Auge fallende Ergebnis dieses Beitrags bildet der Hinweis auf den starken Abschwung, den die Sektion B zu verzeichnen hat. In fast allen Zuchtgebieten kam es zu Verlusten. In ihren Hochburgen schwanken diese zwischen -35 % und -12 %. Für einige Gebiete kündigen sich hier dramatische Entwicklungen an.

Es wird die Frage gestellt: Wann und in welchen Gremien der IG ist diese Problematik ergebnisorientiert hinterfragt worden? Bahnt sich hier bei den Zuchtverbänden auf längere Sicht eine ähnliche Entwicklung an wie bei den Welsh-Partbreds und der IG Welsh? Als durchschlagende Antwort bei Absatzproblemen praktiziert der betroffene Züchter doch als Sofortmaßnahme immer eine Reduzierung der Bedeckungszahlen. Wann hat sich unser Marketing-Ausschuss jemals mit dieser B-Problematik beschäftigt? In welcher Ausgabe von Welsh aktuell wurde über seine strategischen Vorschläge und Lösungsansätze in dieser Sache berichtet? Welcher Züchter von B-Ponys ist Mitglied dieses Ausschusses?

Wo bleibt die Offensive der IG Welsh und auch die der Zuchtverbände, um die dargestellte deutliche Negativ-Entwicklung der Sektion B zu stoppen, um zumindest ihre Bestände zu stabilisieren? Oder müssen auch in dieser Frage die Welsh-B-Züchter allein ihre Antwort und individuelle Lösung suchen?

Es bieten sich folgende Maßnahmen an:

  • Herausstellung der Welsh-Bs durch spezielle Fachartikel in den einschlägigen Pferde-/Pony-Magazinen:

Über ihre Zuchtgrundlagen, über bekannte B-Gestüte, über ihre Umgänglichkeit, ihre Einsatzmöglichkeiten/Verwendungszweck, ihre sportlichen Erfolge etc.

  • Ausschreibung von speziellen Sportprüfungen auf der Bundesschau, Teilnahme nur für B-Ponys
  • Ausschreibung von "Tag des Welsh-Ponys" in den Hochburgen der B-Zucht mit Zucht- und Sportprüfungen
  • Endlich die Realisierung einer bundesweit ausgeschriebenen Pony-Veranstaltung zusammen/oder unter dem Dach der FN (bei den augenblicklich optimalen Beziehungen zwischen IG Welsh u. FN müsste die Durchführung einer solchen (Werbe)-Veranstaltung doch möglich sein)
  • Die IG Welsh bildet eine Arbeitsgruppe "Welsh-Pony", die sich um die Konzipierung und Realisierung der angedeuteten Maßnahmen kümmert.

Einige Bemerkungen zu den Entwicklungen bei den Welsh-Cobs.

Die Sektion D verzeichnen insgesamt den stärksten Zuwachs aller Sektionen. Gleichwohl sollte dieser Anstieg nicht zu hoch bewertet werden. Ein Plus von 25 Tieren über 5 Jahre über alle deutschen Zuchtgebiete hinweg ist sicher kein Grund zum Jubeln. Das nahezu vollständige Abtauchen der Cobs während der letzten Jahre in den Freizeitreiter- und Freizeit-Fahrerbereich hat der Sektion D nicht den erhofften Zuwachs gebracht, allenfalls kann nur von einer Stabilisierung auf altem Niveau gesprochen werden.

Ausblick
Nach wie vor bietet sich der herkömmliche Turniersport für alle Welsh-Sektionen als zukunftsträchtiger Einsatzbereich an, der bei weitem noch nicht ausgereizt ist. Die kümmerliche Zahl der Welsh-Ponys u. Welsh-Cobs, die in diesem Leistungsbereich durch sportliche Erfolge von sich reden machen, ist verschwindend gering. Wo sind die Leistungsträger bei den Welsh-Cobs auf den deutschen Turnieren im Einspänner-, Zweispänner- und Vierspännerfahren? Kai Wassermann zieht mit Bimberg Nana auf westfälischen Fahrturnieren erfolgreich seine Runden. Die auf den großen nationalen und internationalen Fahrturnieren siegreichen Welsh-Cobs Ruska Mr Vincent und Sängerhofs Royal Buccaneer werden seit Ende des letzten Jahres turniermäßig in Österreich gefahren. Auch um die Kurbaum-Cobs ist es leider aus den bekannten Gründen merklich ruhiger geworden. Wieviele Welsh-Cobs sammeln in Dressur-Prüfungen der Kl.L und M ihre Schleifen? Wieviele Welsh-Cs sind auf den regionalen Fahrturnieren zu Hause? Gott sei Dank, dass wenigstens noch Welsh-Bs bei einigen Vierspännern in der höchsten deutschen Leistungsklasse zum Einsatz kommen.

Unter Zucht- und Marketing-Aspekten ist die überwiegende Reduzierung der Rasse Welsh auf den Freizeitreiter- und Freizeitfahrerbereich kontraproduktiv. Die IG Welsh ist gut beraten, ihren bisherigen strategischen Ansatz zu überdenken.


Dieter Höfs mit seinen Welsh-Ponys, Dritter der DM 2003