Jetzt auch Fürstenauer Frühling 2006...
Nationales Fahrturnier in Fürstenau
Text und Fotos von Eberhard Holin
Mit seinem ersten nationalen Fahrturnier hat der RuF Fürstenau einen guten Wurf getan. Inmitten des Osnabrücker Landes, im Herzen „der führenden Fahr- und Reitsportregion Norddeutschlands“, hat sich mit dieser gelungenen Veranstaltung ein neues Fahrsportzentrum aufgetan, das hoffentlich auch in Zukunft von sich reden macht.

Mit der Auswahl der Prüfungen von A-S verfolgte der Veranstalter das Ziel, das ganze Leistungsspektrum im Fahrsport vom Anfängerniveau bis zur höchsten Leistungsklasse zu zeigen, und zwar sowohl für Pony- als auch für Großpferde-Gespanne.

Das Fahren auf den verschiedenen Niveaus berücksichtigt den unterschiedlichen Leistungsstand von Fahrern und Tieren.

So waren denn auch neben den regional bekannten SpitzenfahrerInnen die herausragenden Exponenten des deutschen Fahrsports gekommen, die national und international in der Fahrsportszene einen guten Ruf besitzen.

Die Kombi Zweispänner Ponys Kl. A
Der Veranstalter ermöglichte durch Ausschreibung einer Kombi Zweispänner auf A-Niveau auch den zahlreichen Turnieranfängern aus dem Pony-Zuchtgebiet Weser-Ems die Teilnahme an diesem Fahrfestival. Die Geländeprüfung führte insgesamt über 8425 Meter (3950 m Phase A, 875 m Phase D und 3600 m Phase E mit 4 Hindernissen).


Sieger der Kombi Zweispänner Ponys Rainer Franzen vom RFV Alfhausen e.V.
mit seinen Schimmeln Erni und Bert

Sieger in der Geländeprüfung
sein Vereinskollege Stefan Wellbrock,
2. Platz in der Kombi

Clemens Mohser
mit seinen Welsh-B-Ponys

Norbert aus dem Moore
mit seinen Reitponys (DR)

Sieger dieser kombinierten Prüfung wurde Rainer Franzen vom RFV Alfhausen e.V. mit seinen beiden Schimmeln Bert von Penwood Milan(B) und Erni von Breeton Bric(B), gefolgt von seinem Vereinskollegen Stefan Wellbrock mit La Luna und Lolly Pop, beide Reitponys (DR). Für den RFV Holdorf war Clemens Mohser mit dem 5-jährigen Tirian an den Start gegangen, einem gekörten Welsh-B-Hengst von Tizian aus einer Mutter von Twylands Firecracker, Züchter Johannes Krone, Dinklage. Außerdem hatte er Hoornmoor`s William, einen Welsh-B-Wallach von Wildzang`s Showman aus einer Mutter von Kortehoeve`s Arthur angespannt. Reinhard Bollmann vom RFV Alfhausen hatte nur für das Gelände genannt. In dieser Prüfung fuhr mit seinem Gespann auf den zweiten Platz. Neben Jerry (ohne Papiere) hatte er Prinz Charles, einen Welsh-B-Wallach v. Platello aus einer Mutter von Rhoson Telynor in seinem Gespann. Für die Kombi-Prüfung waren im Turnierkatalog keine weiteren Welsh-Bs ausgewiesen.

Spannung lag in der Luft
Eine Einlaufprüfung bietet den Fahrern Gelegenheit, im Wettkampf vor den eigentlichen Sichtungsprüfungen zu experimentieren und ihren Zug auf seine optimale Anspannung hin zu überprüfen. Gleichwohl lag Spannung in der Luft, denn auch Bundestrainer Eckhardt Meyer war gekommen, um sich nach der Winterpause ein erstes Bild von der Verfassung seiner Schützlinge zu verschaffen.


Ein Highlight die Kombi-S für Pony-Vierspänner
Der Westfale Dirk Gerkens siegte vor Diethelm Kneifel/Wunstorf
Neben Prüfung für Zweispänner-Ponys Kl.A hatte der Veranstalter auch eine Kombi-Prüfung für Vierspänner-Ponys der Kl.S ausgeschrieben. Da diese Prüfung als Einlaufprüfung für die diesjährigen Weltmeisterschaften in England zählt, waren u.a. die Medaillen-Gewinner der Weltmeisterschaften von Karlstetten/AUT, 2003, Dirk Gerkens (Gold), und Martin Thiemann(Silber) angetreten. Der Letztere fungiert gleichzeitig noch als amtierender Deutscher Meister der Pony-Viererzüge. Unter den Konkurrenten befand sich auch der mehrfache Deutsche Meister Gerhard Gerich (Sachsen-Anhalt) und der Lokalmatador Karl-Heinz Wanstraht, der seit kurzem mit den Welsh-B-Ponys von Wolfgang Berning/Herne für den gastgebenden RuF Fürstenau startet. Aber auch Diethelm Kneifel vom RFV Wunstorf war gekommen. Der Deutsche Meister der Jahre 1990, 1991, 1992 und 1994, der allein im Jahr 2004 in kombinierten Prüfungen einen 1.Pl., zwei 2.Plätze, einen 3.Pl. und einen 4.Pl. erringen konnte, will es in diesem Jahr sicher wissen. Insgesamt hatten alle vier Championatskader-Fahrer (Gerkens, Kneifel, Thiemann, Unmüssig) und die drei Kader B-Pony-Fahrer (Steffen Abicht, Tobias Bücker, Detlef Randzio) nach Fürstenau gefunden.


Gerhard Gerich im Wassergraben

Lokalmatador Karl-Heinz Wanstraht wurde mit den Berningschen
Welsh-B-Ponys Dritter im Gelände

Abel Unmüssig Sieger in der Dressur
In der Dressur zeigte Abel Unmüssig aus BaWü mit seinen Haflingern, dass er zumindest in der Dressur wieder an sein früheres Leistungsniveau angeschlossen hat. Der Deutsche Meister der Jahre 1997 und 1999 setzte sich in dieser Disziplin an die Spitze, knapp vor Dirk Gerkens, der bestens aufgelegt seine deutschen Reitponys präsentierte. Detlef Randzio kam auf Platz 4 und Tobias Bücker mit seinen Welsh-B-Ponys auf Platz 5. Mit DJ 4 hatte der amtierende DM Martin Thiemann ein neues Pony in seinen Zug genommen, das im Turniereinsatz noch seine Erfahrungen sammelt. So kam er in dieser Prüfung auf Platz Neun.


Diethelm Kneifel vom RFV Wunstorf, bei der Ausfahrt aus dem Hindernis 5, Zweiter in der Geländeprüfung

Abel Unmüssig mit seinen Haflingern

Spannung pur während der Geländeprüfung
Als vorletzter Starter im Gelände konnte Dirk Gerkens von hinten seine Mitkonkurrenten aufrollen. Er hatte natürlich mitbekommen, dass Abel Unmüssig aus der Prüfung eliminiert werden musste, weil er sich im Hindernis 3 verfahren hatte, und dass sein ärgster Rivale Gerhard Gerich sich im Hindernis 4 festgefahren hatte, obwohl der Altmeister aus Klötze immerhin in zwei Hindernissen schnellste Zeiten und in einem die zweitschnellste hingelegt hatte. Mit dem richtigen Gespür für das Machbare fuhr der amtierende WM diese Prüfung routiniert als Sieger nach Hause. Diethelm Kneifel erreichte Platz Zwei und Lokalmatador Karl-Heinz Wanstraht kam in dieser Prüfung mit seinen schnellen Welsh-B-Ponys auf den 3. Platz.


Gerhard Gerich bei der Einfahrt in den "Teutonenwall"

Eine Augenweide die Kombi Vierspänner Pferde Kl. S
Christoph Sandmann Sieger vor Rainer Duen
Die Kombi S für Vierspänner Pferde versprach der Höhepunkt des gesamten Turniers zu werden. Dafür sprach neben der optimalen Gestaltung der Hindernisse schon allein die Klasse der Teilnehmer. Neben dem amtierenden Deutschen Meister Rainer Duen vom RFC Thüle e.V. hatte nämlich auch Christoph Sandmann vom PSG Lähden e.V. gemeldet. Der 39-jährige Speditionskaufmann hatte schon 1999 die Einzelwertung bei den Deutschen Vierspännermeisterschaften in Meißenheim errungen und seit 1990 insgesamt 7-mal bei Deutschen Meisterschaften die Silbermedaille, zuletzt 2002 in Lähden und 2003 in Riesenbeck, außerdem 2002 die Silbermedaille bei den Weltmeisterschaften in Jerez de la Frontera/Spanien. Im selben Jahr gewann er den FEI Top Driver Award. Dreimal wurde er Dritter im Weltcup. 2000 erhielt er das „Silberne Lorbeerblatt“. Mit Max Dangel aus Vechta, der für den RFV Giengen startet, und Rainer Duen, nahmen drei Mitglieder des Championatskaders am Fürstenauer Fahrturnier teil.


Mathias Henkens,
Fünfter im Gelände und in der Gesamtwertung

Christoph Sandmann überlegener Sieger im Gelände
Schon die Ergebnisse in der Dressur machten deutlich, dass diese drei Fahrer ein deutliches Wort bei der Endplatzierung in der Kombi mitreden wollten. Christoph Sandmann erzielte in dieser Disziplin den ersten Platz, Rainer Duen den zweiten und Max Dangel den dritten Platz. Von den drei Kaderfahrern ging als erster Max Dangel auf die Geländestrecke und in die Hindernisse. Für das 5. Hindernis brauchte er 93,35 Sekunden, die zweitlängste Zeit aller Teilnehmer. Rainer Duen fuhr hier mit 53,9 Sek. die schnellste und Christoph Sandmann mit 55,05 Sek. die zweitschnellste Zeit. Anschließend ging Rainer Duen ins Gelände. Er brauchte 153,7 Sek., um den "Fürstenauer Wochenmarkt" zu verlassen. Sein stärkster Rivale Christoph Sandmann brauchte in diesem Hindernis lediglich 55,05 Sek., die schnellste Zeit aller Teilnehmer. Als drittletzter Teilnehmer ging Christophg Sandmann auf die Strecke. Zur großen Freude der mitziehenden Zuschauer drehte er in allen Hindernissen mächtig auf. In 5 Hindernissen legte er imponierende Bestzeiten hin und nur im Hindernis 5 fuhr er die zweitschnellste Zeit. Mit dieser herausragenden Leistung konnte er sich deutlich von seinen Mitkonkurrenten absetzen.

Ergebnis Gelände: 1. Pl. Christoph Sandmann, 72,08 P.,
2. Pl. Rainer Duen, 100,91 P.,
3. Pl. Georg von Stein, 101, 27 P.,
4. Pl. Max Dangel, 106,79 P.
Ergebnis Hindernisfahren: 1. Pl. Rainer Duen,
2. Pl. Christoph Sandmann,
3. Pl. Dr.Peter Maas,
4. Pl. Georg von Stein,
5. Pl. Louis Droemont


Christoph Sandmann vom PSG Lähden e.V.
Sieger der Kombi S Vierspänner Pferde:
1. Pl. in der Dressur, 1. Pl. im Gelände, 2. Pl. im Hindernisfahren


Ergebnis der Kombi Zweispänner Ponys Kl. A:
1. Pl. Rainer Franzen,
2. Pl. Stefan Wellbrock,
3. Pl. Mersch Wolfgang,
4. Pl. Norbert aus dem Moore,
5. Pl. Benno Böhmann

Ergebnis der Kombi Zweispänner Pferde Kl. A:
1. Pl. Siegfried Wistuba,
2. Pl. Heinrich Kemper,
3. Pl. Heinrich Stuckenberg,
4. Pl. Michael Moss,
5. Pl. Dirk Henke

Ergebnis der Kombi Zweispänner Pferde Kl.M, 1.Abt.:
1. Pl. Carsten Moss,
2. Pl. Friedrich Gerst,
3. Pl. Rolf v. Aschwege,
4. Pl. Adolf Fischer,
5. Pl. Josef Diedrich

Ergebnis der Kombi Zweispänner Kl.M, 2.Abt.:
1. Pl. Uwe Sahle,
2. Pl. Klaus Tebbe,
3. Pl. Fritz Schlingheide,
4. Pl. Jürgen Schücker,
5. Pl. William Slater


Der Kommentar
Mit diesem Kraftakt wurde erneut demonstriert, zu welchen Leistungen eine kleine Gemeinde und ein RuF mit rd. 450 Mitgliedern in der Lage ist, wenn das Engagement und die praktizierbaren Ideen stimmen. Dem Turnierleiter Dr. Ansgar Peiß kann nur zugestimmt werden, wenn er schreibt: „Dieses Turnierereignis wird dem Fahrsport über die Region hinaus neue Symphatien und Freunde bescheren.“

Da der RuF Fürstenau ohne Zweifel den Nachweis geliefert hat, dass er in der Lage ist, nicht nur die Organisation sondern auch das gesamte Turnier-Ambiente eines großen nationalen fahrsportlichen Ereignisses überzeugend zu gestalten, stellt sich die Frage, ob sich die Verantwortlichen in Zusammenarbeit mit der FN nicht um die Ausrichtung der Weltmeisterschaften 2007 für die Pony-Viererzüge bemühen sollten. Auch das zur Verfügung stehende Gelände wird internationalen Anforderungen gerecht. Eine solche Veranstaltung wäre sicherlich eine große Herausforderung, die unter züchterischen und sportlichen Aspekten Deutschland als führendes „Pony-Land“ weltweit in Szene setzen würde.

Eberhard Holin

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