Professionelle Konfliktstrategie? Verstoß gegen Fairness und Integration
von Eberhard Holin
Zum Konflikt-Management
In allen sozialen Gruppierungen kommt es trotz globaler gemeinsamer Zielvorstellungen immer wieder zu Konflikten. Oft stehen persönliche Motive und Bedürfnisse gegeneinander. Der Eine wünscht in der Gruppe eher ein konfliktfreies ausgeglichenes Binnenklima, der Andere sucht eher öffentliche Anerkennung seiner persönlichen Leistungen etc.

Dem Vorstand jeder IG obliegt es, die unterschiedliche Gemengelage auszutarieren und das Vereinsleben ausgeglichen zu gestalten. Urplötzlich praktizierte Strafmaßnahmen - ohne vorherige Beteiligung und Diskussion in der Mitgliedschaft - schaffen längeren Ärger und entwickeln oft eine eigene Dynamik, die nur noch schwer zu händeln ist. Eine öffentlich vollzogene Strafaktion ist immer mit persönlicher Demütigung verbunden.

Im vorliegenden Fall ist die von der Schauleitung praktizierte Verfahrensweise das konkrete Zeichen für eine „Kampfstrategie“. Auf ausdrückliches Verlangen der Schauleitung wurden der Ausstellerin in der aktuellen Situation nur zwei Reaktionsmöglichkeiten gelassen:

Sie konnte entweder Ring verlassen oder akzeptierte die Platzierung ihrer Ponys an den Schluss der Rangierten. Andere Reaktionen billigte man ihr nicht zu. Die Richterin zog sich hinter die Anordnung der Schauleitung zurück.
(Die Durchsetzung dieser „Zwangsmaßnahmen“ war ihr offensichtlich peinlich).

So wurde auf Kosten der Betroffenen öffentlich Macht demonstriert. Sie ging einher mit persönlichem Ansehensverlust, Herabsetzung und sozialer Ausgrenzung für die Gemaßregelte. Die Verursachung für den Konflikt wurde vom Veranstalter in aller Öffentlichkeit eindeutig der Ausstellerin zugewiesen mit dem Ergebnis, dass diese sich durch die harte und unsensible Behandlungsmaßnahme verletzt und öffentlich vorgeführt fühlt (Pikanterweise hatte die Ausstellerin lt. Schau-Katalog einen Sonderehrenpreis für die Siegerstute Welsh-A gestiftet).

Spannende Fragen
Warum wurde im vorliegenden Fall vom IG-Vorstand nicht schon im Vorfeld der Bundesschau ein „kooperatives Problemlösungsverfahren“ gewählt, um ohne Gesichtsverlust und Beschädigung aller die Situation intern zu klären und gesetzeskonform und nachhaltig zu lösen? Spätestens nach der Regionalschau Hannover wäre ein offenes Gespräch fällig gewesen. Warum wurde nicht einfach mit der Ausstellerin geredet und über die deutsche Gesetzesnorm und über mögliche Sanktionen bei Verstößen informiert?

Die Ausstellerin hat die Internationale Welsh Show in Itterbeck ins Leben gerufen. 2003 hat diese zum ersten Mal stattgefunden, damals ein Ärgernis für den Geschäftsführer der IG Welsh. So intervenierte er bei der Veranstalterin u.a. massiv gegen den Terminus „Internationale Welsh Show“, den er ausschließlich der von der IG Welsh organisierten Internationalen in Aachen vorbehalten wollte. Als Folge der „atmosphärischen Störungen“ ist über die erste Itterbeck-Schau in 2003 auch nicht im Welsh-Jahrbuch 2004 berichtet worden.

Insgesamt hat die Internationale Welsh Show in Itterbeck dreimal stattgefunden, immer mit steigenden Zuschauer- und Beschickerzahlen, besonders aus Holland. Im holländischen Grenzgebiet hat sich also aufgrund einer Privat-Initiative - ohne Zutun der IG Welsh und außerhalb ihres Einwirkungsbereichs - eine Welsh-Schau etabliert, die zumindest in ihren quantitativen Größen die meisten IG-Regionalschauen in den Schatten stellt. Eine wahre Freude für das Management der IG Welsh?

Ging es demnach bei dem Eklat auf der diesjährigen Bundesschau in Ostbevern vielleicht nur vordergründig um das verbotene Clippen von Ponys oder sollte diese Machtdemonstration vor allen Dingen den alleinigen Führungsanspruch der IG auf deutschem Boden in Welsh-Angelegenheiten markieren? War „das rigide Durchgreifen ohne Vorankündigung“ vielleicht „gentlemanlike“? Wollte man der Delinquentin richtig einen einschütten, um ihr zu zeigen, wer das Sagen hat und wo es langgeht? Hat eine „echte Führerschaft“ eine solche Demonstration nötig? Ist ein solches Tun ein Beispiel für eine professionelle Konfliktstrategie?

Jetzt soll der Schwarze Peter beim Richterkollegium liegen. So werden Probleme vordergründig verlagert, aber ihre Verursachungen werden nicht gelöst.

Zusammenfassung
Es bleibt dabei:
  1. Bis heute ist das „Clippen“ und seine tierschutzrelevante Begründung gegenüber der Mitgliedschaft und den Beschickern von IG-Schauen offiziell nicht thematisiert und erläutert worden.
  2. Die Beschicker der IG-Schauen sind offiziell von IG-Seite auch nicht über die Sanktionen informiert worden, mit denen von Seiten der IG Verstöße gegen tierschutzrechtliche Bestimmungen beantwortet werden.
  3. Die IG ist in diesem Punkte ihrer Informations- und Aufklärungspflicht nicht nachgekommen. So können auch keine entsprechenden Fundstellen (Protokolle, offizielle Verlautbarungen etc.) benannt werden.
  4. Beim Verdacht auf Verstöße gegen Bestimmungen des deutschen Tierschutzrechts und vor der Durchführung von Sanktionen hätte die IG besonders gegenüber ausländischen Mitgliedern und Schau-Beschickern aufklärend tätig werden müssen.
  5. Bei allem Respekt vor der Durchsetzung tierschutzrelevanter Rechtsvorschriften ist die von der IG gewählte brüskierende und verletzende „Holzhammer-Methode“ (sofortige Umsetzung und Vollzug der Sanktionen ohne Vorwarnung) ein klarer Verstoß gegen das Fairness-Gebot gegenüber einzelnen Mitgliedern oder anderen Beschickern unserer Zuchtschauen.
  6. Durch die unsensible und der Konfliktsituation nicht angemessene Reaktionsweise hat die Schauleitung sich selbst und das Richterkollegium erneut ins Gerede gebracht.

Ist der IG Welsh mit der Bundesschau 2005 ein großer Wurf gelungen? Darüber wird noch zu diskutieren sein.

Eine Preisfrage
Aus welchen Gründen konnten für das Richten der Zuchtklassen der diesjährigen Bundesschau neben den walisischen Richtern keine deutschen Richter nominiert werden? Erinnern wir uns noch? Warum haben damals wegen dieser Vorgänge zwei deutsche Richter die IG verlassen?