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Bericht

„Der Sport in Rot“
Schleppjagd Zusammenspiel von Hunden, Pferden und Menschen
„Warendorfer Meute“ im Kreis Soest

In nahezu allen deutschen Bundersländern gewinnt "Der Sport in Rot" zunehmend neue Liebhaber. In Fortsetzung englischer Traditionen und französischer Zeremonien hat sich seit den 30er-Jahren in Deutschland rund um die "Meutejagd" ein Brauchtum entwickelt, das auch "Unbetuchten" Natur- und Tierliebhabern Gelegenheit gibt, in freier Landschaft das Zusammenspiel von Hunden, Pferden und Menschen zu erleben, sei es als aktiver Teilnehmer oder als Zuschauer. Natürlich verläuft bei uns die Schleppjagd schon mehr als 70 Jahre unblutig. Hetzjagden auf lebende Tiere - wie bis vor kurzem die jetzt endlich verbotenen Fuchsjadgden in England - waren früher ein Zeitvertreib für Könige und ihren Hofstaat.

Vergnügliche Freizeitvariante
Heute bilden Schleppjagden eine anspruchsvolle sportliche Bereicherung und eine vergnügliche Freizeitvariante, basierend auf Traditionen und altem Kulturgut.


Kurz vor Jagdbeginn, die Meute steht bereit

„Herbstzeit ist Schleppjagdzeit“. Aus diesem Grunde hatten sich rd. 60 ReiterInnen auf dem Reiterhof Friedrich Isaak in Soest-Epsingsen versammelt, um zum zweiten Mal knapp 20 km mit den Irish Fox-Hounds des „Schleppjagdvereins Warendorfer Meute e.V.“ vier Stunden durch die nördlichen Hänge des Haarstranges (Höhenzug zwischen der Autobahn 44 und dem Möhnetal) zu reiten. Als Veranstalter mit von der Partie zeichneten auch die „Enser Reiterfreunde“ für die Organisation und den Streckenverlauf verantwortlich.

Ziel der Veranstaltung
Das Zusammenspiel von Hunden, Pferden und Menschen in der freien Natur erleben

Zum Stelldichein versammelte sich die Jagdgesellschaft auf einer großen Wiese hinter der Epsinger Reithalle. Nach dem Verklingen des Signals „Aufbruch zur Jagd“ zog die Gesellschaft „geordnet“ ins Jagdgelände, vorweg der Jagdherr in roter Jacke mit der Schleppenlegerin. Es folgten der Master und der Huntsman mit der Meute und den Pikören. Rd. 25 springwillige ReiterInnen bildeten das erste Feld, dahinter folgte das zweite Feld mit rd. 40 TeilnehmerInnen. In langer Schrittstrecke zogen die Felder fast geschlossen zur ersten Schleppe...In idealem leicht hügeligen Gelände zwischen Röllingsen, Sieveringen und Gerlingen wechselten Galopp-, Trab- und Schrittstrecken einander ab.


Die Felder haben sich formiert,
im Schritt geht es „geordnet“ ins Jagdgelände

Künstliche Fährte
Der Schleppenleger legt die künstliche Fährte. Sie besteht in der Regel aus intensiv riechender Pansenlauge, Fuchslosung, Heringslake oder einer Anislösung. Aus einem Behälter am Sattelgurt des Fährtenlegers tropft diese Flüssigkeit kontinuierlich in den Trab- und Galopp-Strecken. Während der Schrittphasen wird keine Fährte/Schleppe gelegt. Die Hunde gehen in dieser „Erholungszeit“ bei Fuß bis der „Master of Hounds“ (Hundeführer) mit seinem Horn den Hunden und wenige Augenblicke später auch den Reitern das Signal zur erneuten Aufnahme der Jagd gibt.

Die Warendorfer Meute
besteht seit 1979. Ihr Domizil liegt in einer Bauernschaft der Stadt Telgte, nur wenige km vom westfälischen Pferdezentrum Münster-Handorf entfernt. Ihr Begründer und Master ist Willy Reher, der ursprünglich bei der Cappenberger Meute aktiv gewesen ist. Rund 90 Tiere, überwiegend eigen gezogene Irish Foxhounds gehören zum Bestand. Nach Soest-Epsingsen war die Warendorfer Meute mit 17 Koppeln (34 Hunde), dem Huntsman, vier Pikören und einer Schleppenlegerin angereist.


Die Meute in typischer Formation vor den Reitern

Aktive Schleppjagd-Meuten
In Deutschland bestehen zur Zeit 23 Meuten. Sie sind in der Deutschen Schleppjagdvereinigung im Deutschen Reiter- und Fahrverband e.V. (DRFV) organisiert, drei weitere Meuten befinden sich in Anwartschaft auf eine Mitgliedschaft.
In NRW stehen sieben Meuten

• Cappenberger Schleppjagdverein e.V.
• Rheinisch-Westf. Schleppjagdverein e.V.,
• Schleppjagdverein Beagle-Meute Münsterland e.V.
• Schleppjagdverein Lipperland-Meute e.V.
• Schleppjagdverein Sauerland e.V.
• Schleppjagdverein Warendorfer Meute e.V.
• Schleppjagdverein Rheinland e.V.

(Die Anschriften aller deutschen Meuten auf www.drfv-jagdreiten.de)

Besondere Anforderungen


Über abgeerntete Felder führt der Weg

Der Veranstalter der Jagd (Jagdherr) und der Master kennen die Anforderungen, die das Gelände, die Boden-beschaffenheit und die herrschende Witterung an Pferde, Reiter und Hunde stellt. Sie achten darauf, dass alle Beteiligten durch die Streckenführung und die festen Gelände-Hindernisse nicht überfordert werden, daher erfolgt ja auch in der Regel eine Einteilung der ReiterInnen in verschiedene Felder, um den individuellen Voraussetzungen besser gerecht zu werden. Im zügigen Tempo, im Pulk eine oft fremde Strecke von rd.20 km geordnet zu bewältigen, bildet für manche Teilnehmer eine echte Herausforderung trotz eingelegter Schritt- und Ruhephasen.
In England werden die Pferde u.a. durch die Teilnahme an Sattelklassen (Gebrauchsprüfung) auf ihren Einsatz im Gelände vorbereitet. Flotter, raumgreifender Schritt, erholsamer und flotter Trab, gemütlicher und kurzer gestreckter Galopp werden dort schulmäßig trainiert, um die nötige Geländesicherheit zu gewinnen.


Feste Hindernisse werden überwunden

Die Hundemeuten

In den Meuten werden unterschiedliche Rassen eingesetzt, 11 haben Foxhounds, acht Beagles, drei Französische Hirtenhunde (Tricolores) und eine Bloodhounds. Seit 1979 stehen alle Daten über die Meutehunde im deutschen Stammbuch für Jagdgebrauchshunde. Jährlich findet eine Junghundeschau statt. Auf dieser Zuchtschau werden junge aber auch ältere neu in die Meuten einzustellenden

Hunde bezüglich ihrer Eignung als Meutehund begutachtet. Das Gebäude und der Charakter der Hunde stehen dabei im Vordergrund. Durch Linienzucht soll erreicht werden, dass die Meuten „wirklich harmonisch zusammenpassen“.

Eigenschaften der Hunde: lernfähig, gehorsam, ausdauernd, belastbar, meutefähig, spurtreu (Fährte auftun und sicher verfolgen), schnell, fremdhunde- und wildsauber. Schon in früher Jugend werden die Hunde auf ihren „scent“ (Duftstoff der Meute) eingejagt.
Die Hunde müssen konditionell in der Lage sein, spurtreu auf der gelegten Fährte lange Strecken zu galoppieren.
Ohne züchterische Selektion, artgerechte Haltung, Fütterung und ohne systematisches Training sind diese Ziele nicht zu erreichen. „Ein guter Meutehund ist gehorsam, und so gehorsam wie der einzelne Hund ist die ganze Meute.“


Das Trinkwasser
für die Hunde bietet Gelegenheit
für ein Vollbad

Der Behälter mit der
„Pansenlake“
hängt neben dem Sattel
   

Im Galopp hinter der Meute

Im Galopp dem Stall entgegen

Altes Brauchtum
Nach ausgiebiger Rast und knapp 20 km zurückgelegter Gesamtstrecke erfolgte am Ausgangspunkt das Abschlusszeremoniell. Die Jagdgesellschaft bildete einen Halbkreis, in der Mitte stand die Meute, die Jagdhornbläser intonierten das Halali, die Meute erhielt „zur Belohnung und als Ersatz für die Innereien des erjagten Wildtiere“ das heiß umkämpfte Curée (Rinderpansen). Jagdherr und Master verabschiedeten mit Handschlag die TeilnehmerInnen und verteilten an jeden den „Bruch“ und den „Jagdknopf“ (Erinnerungsnadel) des Warendorfer Schleppjagdvereins.

Weitere Informationen
www.drfv-jagdreiten.de
www.warendorfer-meute.de
www.meutejagd.de


Kampf um das Curée

Master und Jagdherr verteilen den „Bruch“