Bericht  
Fahrsport in der Westfalenhalle Dortmund
Welsh-B-Ponys siegten
Text und Fotos von Eberhard Holin

Nach den großen Reitturnieren in Münster (Rolinck-Cup) und in Bremen hatten nun auch die Veranstalter des international ausgeschriebenen Dortmunder Dressur- und Springturniers in der Westfalenhalle erstmalig je ein Komb. Hindernisfahren mit Geländehindernissen der Klasse S für Großpferde-Zweispänner und Pony-Vierspänner mit jeweils zwei Umläufen ausgeschrieben. Nach den positiven Erfahrungen als „Publikumsmagneten“ beim Rolinck-Cup wurden diese Prüfungen auch beim Dortmunder Turnier im Anschluss an eine international ausgeschriebene Gruppenspringprüfung der Kl.S in die Abendvorstellung des Freitags platziert. Mit dieser Programmerweiterung verfolgten die Turnierorganisatoren das Ziel, dem durch hochwertige Dressur- und Springprüfungen verwöhnten Dortmunder Publikum eine weitere spannungsgeladene Variante des Pferdesports zu servieren, die seit den Anfängen der Reitsportgeschichte besonders im Pferdeland Westfalen zahlreiche Liebhaber gefunden hat. Zudem besitzt Westfalen in Tobias Bücker/Emsdetten und Martin Thiemann/Saerbeck national und international hoch erfolgreiche Vertreter, die europaweit als nationale und internationale Aushängeschilder und als exzellente Werbeträger für den deutschen Ponysport gelten. Zu diesen heimischen Größen hatten die Veranstalter außerdem Wilhelm Tischer mit seinem Schimmelgespann vom RFV Neu-Isenburg/Hessen und Karl-Heinz Wanstraht vom RFV Fürstenau/Weser-Ems eingeladen, die in der deutschen Vierspännerszene einen herausragenden Ruf besitzen. K.-H. Wanstraht fährt die Welsh-B-Ponys von Wolfgang Berning aus Herne, der seit seinen Kindertagen der Zucht dieser englischen Pony-Sektion und dem Pony-Fahrsport eng verbunden ist.


K.-H. Wanstraht unter starkem Beifall der Zuschauer mit Welsh-B-Ponys in Aktion

Jürgen Schücker siegte bei den Zweispännern

Auch die westfälischen Zweispännerfahrer besitzen in Jürgen Schücker vom RFV Südlohn-Oeding e.V. und Franz-Josef Kemper vom FRV Wettringen zwei erfolgreiche Vertreter, die zunehmend über ihren engeren Heimatbereich hinaus in Erscheinung treten. Für ihre herausragenden sportlichen Leistungen hatten beide erst Anfang Januar das „Goldene Fahrabzeichen“ überreicht (Reiter und Pferde berichtete) bekommen. Als weitere Teilnehmer kamen Adolf Fischer vom PSG Lähden e.V./Weser-Ems und Andre Stiller vom RFV Neuwarmbüchen-Wietzetal e.V. hinzu.


Sieg für Karl-Heinz Wanstraht

In Anlehnung an das Reglement des FEI Hallen-Cups hatte Josef Middendorf, Vechta, einen anspruchsvollen Parcours gebaut. Er führte über 530 Meter und bestand aus 11 Hindernissen, inklusive zweier fester Hindernisse, die wie Geländehindernisse gebaut waren. Dazu kam noch eine Brücke, die in beide Richtungen zu durchfahren war.

Den Reigen der Gespannfahrer eröffnete Zweispännerfahrer Jürgen Schücker, der Gewinner der vorjährigen und diesjährigen Prüfung beim Rolinck-Cup mit den beiden Braunen von Bernhard Wigger, dem Ehrenvorsitzenden des RuF Südlohn-Oeding. Im ersten Umlauf belegte er aus Sicherheitsgründen in eher verhaltenem Tempo Platz drei. Heinrich Kemper war einige Zehntelsekunden schneller und kam auf Platz zwei. Im zweiten Umlauf zog Jürgen Schücker jedoch die Siegerkarte. Unter starkem Jubel seiner Anhänger durchfuhr er mit der schnellsten Umlaufzeit alle Hindernisse und ohne Strafsekunden in beiden Umläufen ging er als Gesamtsieger durchs Ziel (221.48 Sekunden). Heinrich Kemper wurde Zweiter (229,37 Sek.), Andre Stiller Dritter (229,65 Sek.) und Adolf Fischer Vierter (235,00 Sek.).



Tobias Bücker mit seiner Mannschaft

Das Highlight der Fahrprüfungen waren jedoch die beiden Umläufe der Pony-Vierspänner. Bestens aufgelegt gingen alle Gespanne in der Reihenfolge Bücker, Thiemann, Tischer und Wanstraht auf die Reise. Im ersten Umlauf holte sich Tobias Bücker gleich beim dritten Hindernis 5 Strafsekunden. Martin Thiemann warf in jedem Umlauf jeweils ein Bällchen, Wilhelm Tischer kassierte im zweiten Umlauf 10 Strafsekunden und auch Karl-Heinz Wanstraht war im ersten Umlauf mit 10 Strafsekunden dabei.

Als letzter Starter setzte er jedoch im zweiten Umlauf alles auf eine Karte. Ohne Strafsekunden und mit der schnellsten Umlaufzeit von 100,66 Sekunden donnerte er mit seinen wendigen Welsh-B-Ponys durch die Hindernisse und über die Brücke. Die Zuschauer jubelten. In schon gewohnter Siegerpose fuhr Karl-Heinz Wanstraht seinen Erfolg zufrieden nach Hause. Die Endplatzierung hieß:
1. Platz Karl-Heinz Wanstraht (213,87 Sek.),
2. Platz. Martin Thiemann (235,40 Sek.),
3. Platz. Wilhelm Tischer (238,49 Sek.) 
4. Platz  Tobias Bücker (241,38 Sek.)..



Auch in der Abendveranstaltung des Samstags stellten sich die Pony-Vierspänner dem Publikum vor. Bis auf die Brücke waren alle Hindernisse zu durchfahren. Martin Thiemann brachte den Ehrenpreis, einen neuen Zweipferde-Anhänger der Fa. Böckmann, gesponsert von Wolfgang Berning, mit Freude nach Saerbeck.


Wilhelm Tischer vom RFV Neu-Isenburg/Hessen beim Passieren der Brücke

Wilhelm Tischer mit seinen Schimmeln
Der Kommentar
Kein Zweifel, auch Fahrprüfungen haben für Anhänger des Dressur- und Springsports ihre Reize. Den besten Nachweis für diese Tatsache lieferten die Organisatoren der beiden großen Reitsportveranstaltungen in Münster und Dortmund. Die starke positive Resonanz auf die bestens demonstrierten sportlichen Aspekte des Fahrens und die nicht enden wollenden Beifallsstürme des Publikums zeigen, dass die Hineinnahme von Fahrprüfungen in das übliche Angebot eines allgemeinen Dressur- und Springturniers eine Bereicherung für die gesamte Reitsport-Szene darstellt und daher Sinn macht. Nicht nur der Fahrsport gehört zu den Nutznießern einer sportlichen Veranstaltung, die unter einem Dach die beeindruckenden Varianten ihres weiten Spektrums professionell an die Leute bringt.
Den Veranstaltern und Sportlern ist für diese gelungene Demonstration fahrerischen Könnens zu danken. Eberhard Holin


Martin Thiemann mit seinen DR


Tobias Bücker im Parcours