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Zum letzten Mal hatte Karl-Heinz Wiemer seinen Viererzug 1996 für das Fahrturnier in Riesenbeck angespannt, ein nationaler Vergleichskampf der Kl.S. Kurz zuvor hatte er noch bei den Deutschen Meisterschaften in Meißenheim den 5. Platz errungen. Dressur und die Marathontour durchs Gelände verliefen zufriedenstellend.
Aber während des Hindernisfahrens erfuhr er sein „Waterloo“, wie er heute mit einem Lachen erzählt. Als rechtes Vorderpferd hatte er ein Pony angespannt, das neben seinen allgemeinen guten Eigenschaften als Fahrpferd gelegentlich einen starken Stalltrieb entwickelte.„Wenn es ihn überkam, wollte der einfach nach Hause, das ganze Gespann war dann kaum zu halten“, so Karl-Heinz Wiemer. Das passierte dann im Hindernisparcours. In der Nähe des Ausgangs war ein Tor platziert, das der erfahrene mehrfache Deutsche Meister noch ordentlich ohne Abwurf durchfahren konnte, und dann war die Prüfung zu Ende. Sein Vorderpferd hatte richtig aufgedreht und gegen den vergeblichen Widerstand seines Fahrers den ganzen Zug durch den Ausgang nach draußen gezogen.
Wegen nicht durchfahrener Tore und vorzeitigen Verlassens des Parcours wurde das Gespann aus der Wertung genommen. Aus war der Traum von einem glänzenden Abschluss seiner sportlichen Karriere.

2004 beendete Karl Heinz Wiemer sein Berufsleben. Als Mitglied der Geschäftsführung des westfälischen Provinzialverbandes trat er in den Ruhestand. Zur Zeit ist er auf nationalen und internationalen Fahrturnieren als Richter und Parcoursbauer unterwegs. Hinter seinem Hause tummelt sich eine Herde junger Welsh-Ponys, darunter auch Moorkieker Gatsby und zwei seiner Söhne, denen er schon jetzt gute Fahreigenschaften bescheinigt. Von seiner alten Ponygarde lebt nur noch der 26-jährige Apollo. Heute wird nur noch gefahren, just for fun.

Siehe auch: 
Westfalenpost Soest, Weihnachtsausgabe v. 23.Dezember 2006, Kreisseite Sport

Nach Überfahren der Zielllinie 1996
Zum letzten Mal im Wassergraben 1996

Ende einer
einzigartigen Sportkarriere

Vor 10 Jahren

Unter den damaligen 21 teilnehmenden Gespannen befand sich neben den schon damals auch international bekannten Fahrern Tobias Bücker, Martin Thiemann, Abel Unmüssig und Dirk Gerkens zum letzten Mal Karl-Heinz Wiemer aus Welver, der mit diesem Turnier auf dem geschichtsträchtigen Gelände der Surenburg seine aktive fahrerische Laufbahn beendete.
Text u. Fotos: E. Holin
Soest/Riesenbeck: Vom 15.-18. August 1996 fand im Rahmen der Turniertage „Riesenbeck international“ in Riesenbeck ein Bundesvergleichskampf der deutschen Pony-Viererzüge statt.
Im Reitverein Ostönnen hatte er Anfang der 70-er Jahre bei Werner Sievert seine fahrerische Laufbahn begonnen, die ihn zu einem der erfolgreichsten deutschen Zwei- und Vierspännerfahrer machen sollte.

Zunächst beteiligte er sich als Zweispännerfahrer an den heimischen Fahrturnieren in Werl, Ostönnen und Soest-Bad Sassendorf.
Ab 1978 war er auf weiteren westfälischen Fahrturnieren zu Hause. Mit seinen beiden Welsh-B-Ponys Giggolo, ein Sohn des Welsh-B-Hengstes Graig Fach Roving Star und Condor von Cusop Beacon  wurde er bei den Zweispännern 1981, 1983, 1985, 1986 und 1988 Nordrhein-westfälischer Landesmeister.
Bei den NRW-Meisterschaften 1986 in Günne kam es zu einem Aufeinandertreffen von Vater und Sohn. Karl-Heinz Wiemer holte damals die Gold- und sein 16-jähriger Sohn Frank die Bronzemedaille.

In der zweiten Hälfte der 80-er Jahre gehörte Karl-Heinz Wiemer zu den beständigsten deutschen Vierspännerfahrern. Mit seinen Welsh-B-Ponys Apollo, Giggolo, Pablo, Picasso und den Welsh-Partbreds Harry, Rauno und Winnetou startete er Jahr für Jahr auf den großen internationalen Fahrturnieren in Donaueschingen, Meißenheim, Riesenbeck, Waregem (Belgien), Compiegne (Frankreich) und Breda (Holland). 1992 hat der Welveraner erfolgreich an der Internationalen Royal Horse Show in Windsor teilgenommen (England). Sein bekanntestes Pony war der aus England importierte Giggolo. Giggolo zählt zu den erfolgreichsten Fahrponys Deutschlands. In seiner sportlichen Laufbahn hat dieses Pony rund 180 Kombinierte Prüfungen der schweren Klasse S absolviert. Mit ihm wurde Karl-Heinz Wiemer 1985, 1987 und 1989 Deutscher Meister bei den Pony-Viererzügen. Im Jahr 2000, im Alter von 27 Jahren ist Giggolo verstorben.
Nachdenklicher Abschied 1996
3. Platz in der S-Dressur 1995