Im Blick der Statistik 01.06.02

von Eberhard Holin
 

Auf ihrer Homepage www.ig-welsh.de veröffentlicht die IG Welsh unter der Rubrik "Neuigkeiten - Spezial - Statistiken" und der Überschrift "Welsh-Schauen 2001" statistisches Zahlenmaterial. Das vorgelegte Zahlenwerk besteht aus einer tabellarisierten Aneinanderreihung von Mengen-Angaben. Der (die) unbekannte Autor(in) stellt die Anzahl der auf den einzelnen Regionalschauen und den Bundesschauen der beiden letzten Jahre vorgestellten Tiere nebeneinander. Eine Interpretation der gefundenen Daten durch den (die) Autor(in) findet leider nicht statt.

Im Folgenden sollen lediglich die Trendbewegungen in den "Zuchtklassen der Bundesschauen" bei den Welsh-As und bei den Welsh-Partbreds dargestellt und kommentiert werden. Es folgen abschließende Bemerkungen und in einem Anhang im Überblick die grafische Darstellung der Entwicklungen bei den Bs, Cs und Ds.

Die Entwicklung bei den Welsh-As

Die ausgestellten As zeigen auf den Schauen in Menden (95) mit 37, Alsfeld (97) mit 38, Rhynern (98) mit 39 und Alsfeld (01) mit 37 Tieren ein etwa gleich hohes Plateau. Von Alsfeld 97 auf Alsfeld 00 zeigt sich ein Abschwung von 59%. Von Alsfeld 00 auf Alsfeld 01 drehte sich dieser negative Trend ins Positive. Dank der starken Stutenklassen kam es nunmehr zu einer starken Verdoppelung der Zahl der vorgestellten Mountains. Kurioser Weise sank trotz dieser erfreulichen Gesamtentwicklung die Zahl der vorgestellten dreijährigen und älteren Hengste auf nur zwei Tiere. Mangels weiterer Konkurrenz mussten diese beiden As auf der Bundesschau 2001 - unabhängig von ihrer Qualität - zwangsläufig die Titel Bundessiegerhengst und Reserve Bundessiegerhengst mit nach Hause nehmen. Bis heute liegen von offizieller Seite unserer IG zu dieser Problematik weder ein Kommentar noch ein Änderungsvorschlag (WSO) vor.

Kleiner Exkurs
Auf der Regionalschau Rheinland 2002 wurde der Reserve Bundessiegerhengst A des Vorjahres in der 8-köpfigen Hengstklasse vorgestellt. Die Richterin setzte ihn auf den letzten Platz , und dabei war er das einzige in Deutschland gezüchtete Pony unter den vorgestellten Hengsten. Alle anderen Tiere waren entweder in Holland oder in England gezogen. Spiegeln diese beiden Sachverhalte die Qualität der deutschen A-Zucht wieder?

Die Entwicklung bei den Welsh-Partbreds

Bei den Welsh-Partbreds wurden die Maximalwerte auf den Schauen in Alsfeld (94) mit 40 und in Menden (95) mit 41 Tieren erreicht. Auf den Bundesschauen der folgenden Jahre ist bei den Welsh-Pbs ein kontinuierlicher Abschwung zu verzeichnen, von Alsfeld (94) auf Alsfeld (00) um 50% und von Alsfeld (94) auf Alsfeld (01) um 77,5%. Von Alsfeld (00) auf Alsfeld (01) erfolgte ein starker Abbruch von 20 auf 9 Tiere, d.h., die Zahl der vorgestellten Pbs verringerte sich von Alsfeld (00) auf Alsfeld (01) um weitere 55%. Auch zu dieser Entwicklung war weder in Welsh aktuell noch an anderer Stelle der Versuch einer Erklärung unseres Vorstands zu lesen, vgl. dazu Holin, E., IG Welsh wohin? Im Blick der Statistik, Fassung v. 18.03.2001 auf dieser Homepage.

Auf der Homepage der IG Welsh, im Rasseportrait Welsh, findet sich die Feststellung:

"Der größere Teil der Welsh-Freunde widmet sich jedoch nicht dem Leistungssport, sondern wünscht sich einen Partner für Freizeit und Familie."

Wer expressis verbis so fahrlässig formuliert, nimmt in Kauf, dass die IG Welsh und die Zuchtprodukte ihrer Züchter einseitig als generalisiertes Synonym für Spaß und Freizeit ("Spaß-Cobs") apostrophiert und empfunden werden. Dann darf man sich nicht wundern, dass die Partbred-Züchter und die ambitionierten Teilnehmer der herkömmlichen Reit- u. Fahrturniere die IG Welsh und ihre Schauen meiden und sich anderweitig engagieren.

Partbred-Zucht wird unter dem Aspekt der "sportlichen Leistungsverbesserung" betrieben, und die herkömmlichen TurnierreiterInnen sind an sportlichen Erfolgen und weniger am kollektiven Familien- und Freizeiterlebnis rund ums Pferd interessiert.

Die Gesamtentwicklung

Die in der Tabelle 3 dargestellten Zahlenwerte machen deutlich, dass seit 1994 in den Zuchtklassen die Jubiläumsschau 2000 die am schlechtesten beschickte Bundesschau gewesen ist, dicht gefolgt von der Schau in Standenbühl 1996. Auf der Schau in Alsfeld 2001 erfolgte eine Steigerung der Beschickungszahlen gegenüber der Schau des Vorjahres um 10,4%. Es ist zu erwarten, dass sich auf der Bundesschau 2002 in Aachen durch den Standortwechsel und die Teilnahme von Züchtern aus Holland und Belgien dieser positive Trend fortsetzt.

Gleichwohl sollte das Schauwesen der IG Welsh einer organisatorischen und inhaltlichen Revision unterzogen werden, Ermüdungstendenzen sind nicht zu übersehen.

Abschließende Bemerkungen
Die quantitative Betrachtung von Mengen ist nur einer von mehreren Wegen, um Trends und schleichende Entwicklungen zu beschreiben. In den öffentlich zugänglichen Schriften der IG finden leider keine Versuche qualitativer Analysen statt, obwohl die IG in ihrer Satzung sowohl einen Zucht-Ausschuss als auch ein Vorstandsmitglied als Beauftragte(n) für Zucht verankert hat. Wird von diesen Funktionsträgern zu viel verlangt, wenn von ihnen nach Beendigung der jährlichen Schausaison - wenigstens im Ansatz - eine quantitative und qualitative Jahres-Bilanz gefordert wird? Als zusätzliche Informationsquelle liegen doch außerdem noch die Richterberichte über die Regional-Schauen vor. In welchem Gremium werden diese Erkenntnisse zusammengeführt und in praktische Zucht- und Verbandsarbeit umgesetzt?

Bei allem Respekt vor den Folgen des Botulismus und seinen Auswirkungen auf die Gesundheit der betroffenen Tiere und den Geldbeutel des Tierhalters (vgl.Welsh-Jhb.2002, S.110ff.), von dem (der) "Zucht"-Beauftragten einer Interessengemeinschaft darf man sicher andere Arbeitsschwerpunkte erwarten, oder?

Anhang