Bemerkungen zur Bundesschau 2004
Teil 1
von Eberhard Holin
Hinführung

Die Bundesschau liegt seit einigen Wochen zurück. Auf Standpunkte waren zu diesem "Groß-Ereignis" einige Bemerkungen zu lesen. Sabine Hodges, Michael Voihs und Andrea Skolik äußerten sich.

Frau U. Schreckenhöfer ist voll auf ihre Kosten gekommen:

  • "Zwar waren in der Zucht weniger Ponys als sonst, aber dafür war der Sport einfach Klasse", "Und dann die Abschlußparade. Wie Gänsehaut lief es einem kalt den Rücken hinunter, als die Sieger an einem vorbei marschierten. Dieses Bild sieht man auf keinem Turnier und keiner Schau. Das erlebt man nur auf der Bundesschau."
Recht hat auch sie, und das Wechselbad ihrer Gefühle - von kalt auf heiß - sei ihr gegönnt, als die Champion ganz nah an ihr vorbei marschierten.

Welsh aktuell
Jetzt liegt die neue Ausgabe von "Welsh aktuell", Sept.2004, auf dem Tisch. Ein Teil der Welsh-Gemeinde hätte sich gefreut, wenn es im Zusammenhang mit der Bundesschau neben der üblichen kleinen Ergebnisliste und einigen Fotos auch Aussagen zur derzeitigen Situation der Welsh-Zucht gegeben hätte. Diese Feststellungen hätte man ja vielleicht am Nennungsergebnis, vielleicht so gar an der Qualität der gezeigten Tiere fest machen können, durch unsere Zucht- und Richter-Expertin. Es soll auch Interessengemeinschaften geben, da äußert sich der Vorsitzende wenigstens so an und wann zu wichtigen Angelegenheiten. Aber auch in diesem Jahr vergebliches Warten, und wieder bedrückende Stille.

Geäußert hat sich aber in unserem Mitteilungsblatt

Frau Rosenthal, die verantwortliche Redakteurin:

  • "...ähnlich wie im vergangenen Jahr bin ich beim Verfassen des Editorials noch so ganz in Gedanken bei einem weiteren Großereignis der IG Welsh, nämlich der Bundesschau 2004, die wir wieder mit Bravour gemeistert haben," S.3.
Dann folgen einige Bemerkungen zum Umfang der Organisation und zur "eindrucksvollen Abschlussparade" und zu den "netten Stunden im Kreise Gleichgesinnter", und dass (es) "am Freitagabend (Essen und Trinken zum halben Preis!) und wieder viel Stimmung auf dem Züchterabend am Samstag" gegeben hat. Das war`s denn.

Im Jahr zuvor hatte sie noch im Anschluss an die Internationale Schau in Aachen geschrieben:

  • "...noch voll unter den Eindrücken der Internationalen Welsh Schau stehend versuche ich einige Zeilen für das Editorial zu Papier zu bringen. Eigentlich fällt mir zu dem am Wochenende Erlebten nur ein zu sagen bzw. zu schreiben: "It was great!" - zugegeben ein bisschen wenig für eine solch großartige Schau, aber ich denke, diese drei kleinen Wörter umreißen die Ereignisse des Welsh-Events 2003 voll und ganz," Welsh aktuell September 2003, S.4.
Das war die Würdigung 2003 der Internationalen Schau. Auch in der Folgezeit kein weiteres Wort zur Bewertung dieses internationalen Ereignisses vor dem Hintergrund der erreichten Platzierungen, weder von unserer Redakteurin noch von unserem Vorstand - obwohl mehrfach angemahnt.
Wie schwer muss es für unseren Vorstand sein Farbe zu bekennen.

Der schwarze Peter wird weiter gereicht

  • "Leider mussten aber auch Regionalschauen aufgrund einer zu geringen Nennzahl abgesagt werden. Dies ist zwar sehr schade und ich denke, man muss Mittel und Wege finden, wie Züchter wie Aussteller motiviert werden können...
  • In den einzelnen Regionalgruppen hat man sich sicher schon Gedanken gemacht, wie die Regionalschauen aufgewertet werden können - wir werden sehen wie das Jahr 2005 wird."
Da haben wir´s. Der schwarze Peter für die offensichtlich fehlende Attraktivität einiger Regionalschauen wird an die Regionalgruppen gegeben.
Sicher ist der Vorstand einer Interessengemeinschaft auf die Ideenfindung und Initiativen von unten angewiesen, keine Frage. In der Vergangenheit sind solche Beiträge ja auch geleistet worden. Was wurde in Welsh aktuell nicht alles schon angeregt und geschrieben? Ich könnte das mal auflisten, das gäbe sicher eine beeindruckende Aufstellung. Besonders im Zuge der Diskussion um die Neugestaltung der Satzung war ein deutlicher Mobilisierung-Effekt zu spüren. Schauen Sie mal in die Ausgaben von Welsh-aktuell der Jahre 1997/1998/1999: zahlreiche Beiträge von Mitgliedern und Leserbriefe. Wo ist dieses Engagement geblieben?

Und nun wieder der (hilflose) Appell an uns Mitglieder, besuchen sie die Regionalversammlungen:

  • "Nehmen Sie diese Termine wahr, sagen Sie, was Sie verbessert haben möchten, üben Sie konstruktive Kritik, aber auch ein kleines Lob kann sehr motivieren und packen Sie mit an, denn nur gemeinsam können wir es schaffen..." usw.
Wie wäre es denn mit einer neuen Qualität des Miteinander, wenn auch mal vom Vorstand ein schlüssiges Konzept zur Bewältigung der anstehenden Probleme vorgelegt würde?
Warum beschäftigt sich der Vorstand nicht mit vorgetragener Kritik?
Weil er keine eigenen Standpunkte und daher auch keine Antworten hat?
Die lapidare Feststellung: "Wir werden sehen wie das Jahr 2005 wird," ist zu wenig und kann nicht überzeugen.

Der Umgang mit Kritik
Die IG tut sich schwer mit vorgetragener Kritik. Sie wird nur in kleinem händelbaren und genehmen Rahmen zugelassen. Es sei an den "Umgang mit Leserbriefen" erinnert:

  • "Dem müssen wir jedoch einen Riegel vorschieben, da dies ins Uferlose führen kann und wir uns einen `Dauerbriefwechsel` zwischen zwei Mitgliedern im Abstand von 3 Monaten schon allein aus finanziellen Gründen (Druckkosten) nicht leisten können. Da ist ein direkter Kontakt und Meinungsaustausch doch auch sinnvoller und viel schneller. Die Redaktion behält sich deshalb vor (ggf. auch in Absprache mit dem Vorstand), ob weiter eingehende Zuschriften der Sache dienlich sind und neue Aspekte aufzeigen... Voraussetzung für jede Veröffentlichung ist jedoch ein respektvoller, höflicher Umgangston ohne persönlichen Anfeindungen - gerade wenn es um kritische Themen geht," Friederike Rosenthal, Welsh aktuell, Juni 2003, 8.Jhg., S.18-19.
Mit diesen Feststellungen beansprucht die Redakteurin unseres Mitglieder-Organs für sich ggf. nicht nur den Anspruch auf inhaltliche Zensur der Mitglieder-Zuschriften sondern auch die Entscheidung über die Diktion und Wortwahl, wie diese Kritik vorgetragen wird. Vorbei die Zeiten offener und freier Diskussion, wie sie unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Bauer und Dieter Bonin möglich und üblich war. Vorbei die Zeiten von Hartmut Schröder und Joachim Weilburg, die diese freie Meinungsäußerungen durch ihren Abdruck in Welsh aktuell stützten.

www.welsh-pony.de

Vor diesem Hintergrund einer reglementierten "offenen Meinungsbildung" hat sich nun als Alternative erfolgreich www.welsh-pony.de etabliert. Im Web liegt unsere HP bei den großen Suchmaschinen beim Suchwort "welsh pony" an erster Stelle, wie z.B. bei Google vor der WPCS/Wales und der WPCS/Canada, und das sicher nicht nur wegen der Seite "Standpunkte".

Wir verstehen - speziell die Seite "Standpunkte" - als offenes Gesprächsforum, in dem sich jeder zu jeder Thematik äußern kann, wie und so oft er will.

Natürlich könnte man sich zuweilen in unserem Gesprächsforum ein anderes inhaltliches und sprachliches Niveau vorstellen. Gleichwohl geben wir jedem Interessierten die Möglichkeit sich mit seiner Thematik so darzustellen, wie er es verantwortet und für nötig hält. Der Aufruf zum Boykott einer ähnlichen Seite auf der IG-HP käme uns niemals in den Sinn.

Wir kennen natürlich die Gründe, weshalb auch die Beiträge auf den weiteren Seiten unserer HP vom Vorstand der IG beharrlich tot-geschwiegen werden.

Eine Konkurrenz-Unternehmung, die gegensätzliche Standpunkte markiert und propagiert wird nicht als Bereicherung empfunden. Auf Dauer ist sie ungemein lästig.

Vergebliches Suchen

Einerseits wird Welsh aktuell als das Diskussionsforum der IG Welsh propagiert, andererseits werden von unserem Vorstand wichtige Thematiken in unserer Verbandszeitschrift nicht thematisiert und diskutiert.
  • Weshalb gibt es in Welsh aktuell keine Äußerungen der IG zu den vorliegenden Zahlen der FN und zu den Veränderungen hinsichtlich der eingetragenen Tiere der Rasse Welsh bei den deutschen Zuchtverbänden?
    Warum gibt es in Welsh aktuell z.B. keine Antworten der IG auf den Verlust an eingetragenen Welsh-Cobs in Westfalen und Welsh-Bs im Rheinland? Welche Konsequenzen zieht die IG in ihrer Verbandspolitik aus diesen Entwicklungen?
  • Weshalb setzt sich die IG in Welsh aktuell nicht offen und ehrlich mit dem Desaster der diesjährigen Bundesschau (Bereich Zucht) auseinander?
Im Protokoll der Delegiertenversammlung v. 16. Februar 2003 in Alsfeld-Eifa ist nach einem Bericht von Frau Dötschel zu lesen:
"Das Forum auf der Welsh-Pony-Website in Hannover wird rege genutzt, über die Art und Weise ist Frau Dötschel jedoch nicht froh. Interne Vereinssachen sollten nicht in der Öffentlichkeit ausgetragen werden, dafür hat die IG Welsh ihre Vereinszeitschrift Welsh aktuell," Welsh aktuell, Juni 2003, 8.Jhg., S.8-9.
Ist in unserer Verbandszeitschrift immer offen und ehrlich diskutiert worden?
In der Auswertung der Fragebogenaktion (Welsh aktuell, Ausg. Juni 2003, S.16-18) sind noch nicht einmal die Zahlen der verschickten und ausgewerteten Fragebögen genannt worden. Wie sollen unsere Mitglieder eine solche Befragung und die getroffenen Schlussfolgerungen beurteilen, wenn diese wichtigen Basis-Daten fehlen? Nur ein Versehen?
Welsh aktuell ein Diskussions-Forum?
Wo sind in den letzten Ausgaben von Welsh aktuell die Stellungnahmen und Leserbriefe unserer Mitglieder geblieben?
Es gibt IG-Mitglieder, die verstehen sich nicht als Jubel-Perser.

Von Frau Hoffahrt hören wir:

"Das Negativdarstellen von geringen Partbred-Populationen und ähnliches ist wenig produktiv und schadet dem Ansehen der IG Welsh nur unnötig. Mit Sicherheit ist dieses Problem erkannt worden, aber mit genauso großer Sicherheit nicht durch Zeitungsberichte zu lösen. Kontrovers können und wollen wir diskutieren, aber bitte innerhalb der IG - nach außen sollten wir ein geschlossenes Bild abgeben," Welsh aktuell, Juni 2002, 7.Jhg., S.12.
Genau das ist es, Mitglieder, die sich trauen, Mängel und Schwachpunkte offen beim Namen zu nennen, werden als Nestbeschmutzer diskreditiert (Wie, mit dem sprichst du noch?), und aufkommende Kritik wird mehr ins persönliche Tête-à-tête verwiesen: "Da ist ein direkter Kontakt und Meinungsaustausch doch auch sinnvoller und viel schneller", Zitat nach Rosenthal, siehe oben.
Ist dieser ängstliche Umgang mit Meinungsäußerungen und Kritik eine Strategie zur Zukunftsgestaltung unserer IG und zur Image-Verbesserung der Rasse Welsh?

Bemüht man sich so um Vertrauen und nachhaltige Identifikation unserer Mitglieder mit unserer IG?

Aus Kommunikationsproblemen erwachsen Motivations- und Image-Probleme nach innen und außen.