Im Zuständigkeitsbereich des Pferdestammbuchs Weser-Ems hat es in den letzten Monaten erhebliche Diskussionen über die dort vollzogene Zuchtbuch-Neuordnung gegeben. Auf der Delegiertenkonferenz der IG Welsh am vergangenen Wochenende in Alsfeld hat der Vors. über die AGP-Tagung v. 24./25 in Münster-Handorf berichtet. Da bisher auf der Homepage der IG Welsh zu der angesprochenen Problematik keinerlei Informationen zu finden sind, veröffentlichen wir zur Kenntnis der Welsh-Züchter aus den übrigen deutschen Zuchtgebieten zwei Texte.

Ihre Wiedergabe erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Mareile Oellrich-Overesch, der Zuchtleiterin v. Weser-Ems, die für beide Texte als Autorin verantwortlich zeichnet, besten Dank. eho

Erster Text
EU-Richtlinie 96/78
Zuchtbuch-Neuordnung

abgedruckt in Pferdeforum 03/2004

Im Anschluss an die Bezirksversammlungen und bisherigen Veröffentlichungen im Pferdeforum scheint es weiterhin Informationsbedarf zu der Umsetzung der EU-Richtlinie 96/78 und damit zu der Einteilung der Zuchtbücher zu geben.

Die Zuchtverbände waren seitens der zuständigen Länderministerien aufgefordert worden, bis spätestens Mitte Juni 2002 ihre Satzungen, Zuchtbuchordnungen und Zuchtprogramme EU-konform zu überarbeiten und in die Praxis umsetzen. Über die FN wurden auf Bundesebene entsprechende Vorgaben ausgearbeitet, und im Mai 2003 verabschiedet.

Das Hauptkriterium ist die Einteilung der Zuchtbücher. Zu definieren ist eine Hauptabteilung, und bei offenen Zuchtbüchern eine besondere Abteilung. In die Hauptabteilung werden alle Tiere eingetragen, deren Eltern in der Hauptabteilung eingetragen sind, die eine festgestellte Abstammung haben und die identifiziert wurden.

Diese Hauptabteilung kann nach Artikel 2 der EU-Richtlinie 96/78 entsprechend den besonderen Leistungen der Tiere in mehrere Kategorien unterteilt werden. Diese Möglichkeit nutzend haben die hiesigen Pferdezuchtverbände und damit auch das Pferdestammbuch Weser-Ems die Hauptabteilung in zwei Kategorien unterteilt. Die Hauptabteilung der Stuten wird unterteilt in das Stutbuch I und Stutbuch II, die Hauptabteilung der Hengste, analog zu den Stuten, in das Hengstbuch I und Hengstbuch II. Hierbei werden unglücklicherweise die gleichen Begriffe verwandt, wie in den alten Satzungen, sie haben aber eine neue Bedeutung.

Stuten Hengste
Hauptabteilung Stutbuch I (mit Prämien) Hengstbuch I (mit Prämien)
Stutbuch II Hengstbuch II (mit Prämien)
 
Besondere Abteilung bei
offenen Zuchtbüchern
Vorbuch Vorbuch

Bei den verschiedenen Rassen muss jedoch darauf geachtet werden, wo deren Ursprungszuchtbücher geführt werden. So werden in Deutschland beispielsweise die Ursprungszuchtbücher für folgende Rassen geführt: Deutsches Reitpony, Deutsches Kleines Reitpferd, Deutsches Classic-Pony, Deutsches Partbred-Shetland-Pony und Edelbluthaflinger. Die anderen Ursprungszuchtbüchern werden im Ausland geführt, nach deren Grundsätzen wir uns richten müssen, wenn wir ein sogenanntes „Filialzuchtbuch“ führen möchten.

Ausländische Ursprungszuchtbücher
Die ausländischen Ursprungszuchtbücher haben keine Unterteilung in der Hauptabteilung. Wie jedoch oben erwähnt, bleibt es den hiesigen Züchtervereinigungen überlassen, in den von ihren geführten Filialzuchtbüchern eine Unterteilung nach besonderen Leistungen vorzunehmen. Grundsätzlich gilt, dass alle Nachkommen - völlig unabhängig davon, in welcher Kategorie innerhalb der Hauptabteilung ihre Eltern geführt werden - ebenfalls in die Hauptabteilung eingetragen werden müssen. In welche Kategorie sie dort eingetragen werden können, richtet sich hingegen nach ihrer Abstammung und/oder den von ihnen erbrachten Leistungen.

Züchter der Rassen, für die in ihren Ursprungsländern keine Leistungsprüfung gefordert wird, können weiterhin ihre Hengste ungeprüft in den Zuchteinsatz nehmen – diese Hengste stehen aber zur Unterscheidung nach Absprache mit der FN im Hengstbuch II. Gekörte und leistungsgeprüfte Hengste werden im Hengstbuch I geführt. Dem Züchter soll dadurch deutlich gemacht werden, welcher Hengst welche Leistung erbracht hat – dieses ist lt. EU-Richtlinie 96/78 möglich. Der Wert eines Hengstes für das Zuchtprogramm des Pferdestammbuches Weser-Ems wird weiterhin durch das Prämiensystem kenntlich gemacht (s. Pferdeforum 2/2004).

Noch einmal kurz zusammengefasst: Innerhalb der Hauptabteilung gibt es die Unterteilung in Stutbuch I und Stutbuch II sowie Hengstbuch I und Hengstbuch II. Dabei müssen wir uns frei machen von den „alten“ Definitionen der Hengstbücher I und II sowie der entsprechenden Stutbücher. Es gibt bei geschlossenen Zuchtbüchern nur noch die Hauptabteilung, die nach Abstammung bzw. erbrachter Leistung der Hengste und Stuten unterteilt wird. Wir bedauern, dass die anderen Verbände dieses im Mai 2003 über die FN beschlossene System nicht wie das Pferdestammbuch Weser-Ems umgesetzt haben, weisen jedoch darauf hin, dass unsere Zuchtbuchordnung damit EU-konform gestaltet wurde.

Zweiter Text
abgedruckt in Pferdeforum 05/2004

Auf der AGP-Sitzung am 24./25.März 2004 in Münster-Handorf wurde der Bestandsschutz für den Hengstbuch I-Eintrag für ältere aus dem Ausland stammenden Hengste diskutiert. Die Zuchtleiter einigten sich auf den Bestandsschutz. Dieser gilt für Hengste deren Ursprungszuchtbuch im Ausland geführt wird, die im Ausland gekört oder zur Zucht zugelassen waren, im Jahr 2003 mindestens sechsjährige waren, über keine Aufforderung im Abstammungsnachweis über die Ablegung der Hengstleistungsprüfung verfügen, im Jahr 2003 oder eher in das Hengstbuch I des Pferdestammbuchs Weser-Ems eingetragen worden sind oder vor 1992 (Einführung der HLP-Pflicht für Ponyhengste) gekört worden sind.

Die folgenden Hengste, die z.Zt. in unserem Hengstverteilungsplan eingetragen sind, stehen damit im Hengstbuch I, ohne absolvierte Hengstleistungsprüfung:

Vechtzicht’s Never Mind, Welsh-A (Rolf Schoof, Bassum)
Sumrin Thor, Welsh-A (Enno Siemers, Leybuchtpolder)
Polaris Victor, Welsh-A (Enno Siemers, Leybuchtpolder)
H-S Original, Welsh-A (Holger Suhr, Oldenbrock)
Forlan Tomboy, Welsh-A (Fritz Lehmann, Nordenham)

Mittlerweile sind uns von den folgenden Hengsten bestandene Leistungsprüfungen bekannt geworden, auch diese Hengste stehen damit im Hengstbuch I:
Postrat, Welsh-B (Dirk Morkötter, Osnabrück)
Orielton Rumour, Welsh-B (Dirk Morkötter, Osnabrück)

Ab 2003 werden nur noch gekörte Hengste mit bestandener Hengstleistungsprüfung in das Hengstbuch I eingetragen, unabhängig ihrer Herkunft. Jüngere gekörte Hengste ohne Leistungsprüfung werden vorläufig in das Hengstbuch I eingetragen unter der Voraussetzung, dass sie bis zur Vollendung ihres 5. Lebensjahres die Leistungsprüfung absolviert haben.

f.d.Richtigkeit
Eberhard Holin