Sinkende Aussteller und Nennungszahlen bei Zucht-Schauen werden nicht nur in den Interessengemeinschaften der Pony-Rassen diskutiert. Mit freundlicher Genehmigung von Dr. Heiko Meinardus, dem Schlussredakteur der Zeitschrift "Pferdeforum", offizielles Mitteilungsorgan des Pferdesportverbandes Weser-Ems, veröffentlichen wir daher einen kurzen Problem-Anriss, der die immer schwieriger werdende Schau-Problematik aus der Sicht eines "Warmblut-Experten" thematisiert.

Wie wahr seine Feststellung "...hier müssen Konzepte her, die auch dem weniger materiell gesegneten Züchter faire Chancen auf motivierende Erfolgsaussichten erhalten."
In: Pferdeforum, Ausgabe September 2004, S.2

Eberhard Holin
"Bleibt der Idealismus auf der Strecke?"
von Heiko Meinardus
Die Schausaison ist vorüber. Allerorten fanden wie gewohnt flächendeckend die traditionellen, oft in jährlichem Rhythmus wiederkehrenden Stutenschauen und -prämierungen, Tierschauen, Fohlenchampionate und Elite-Schauen statt. Fast ausnahmslos hervorragend, ja professionell organisiert; langjährig gewachsen und bewährt, ständig steigend das Niveau - der Veranstaltung allgemein und des ausgestellten Pferdematerials im Besonderen. Aber leider bewegt sich trotzdem - oder deswegen? - der Zuspruch seitens Aussteller und Fachpublikum in die entgegengesetzte Richtung, er bleibt zusehends aus - nicht nur in Weser-Ems, auch in anderen Regionen und sogar bei den einstmals so prestigeträchtigen Bundesschauen!
Schaumüdigkeit macht sich breit
"Schaumüdigkeit" ist das Schlagwort, mit dem dieser ausgesprochen unbefriedigende Zustand allgemein beschrieben wird. Seit Jahren schon ist dieser Trend nicht zu übersehen. Und zwar nicht nur bei den Reit- pferdezuchten - wo dies irgendwie nachvollziehbar ist, da das Maß der Dinge nicht erst seit heute der Markt und damit der Reitsport ist - sondern leider auch im Bereich der ausgesprochenen Freizeitpferde- und Ponyrassen. Und diese haben außerhalb der besagten Schauveranstaltungen eigentlich kaum irgendeine Möglichkeit des direkten Vergleichs.

Schauen sind unverzichtbar
Das Schauwesen ist ja nicht aus einer Bierlaune heraus entstanden. Es ist über Jahrhunderte gewachsen, als ideale, und für viele Rassen beinahe einzige Möglichkeit zur Standortbestimmung des Einzelzüchters wie auch der Gesamtzucht, und damit unerlässliche Orientierungshilfe für die jeweilige Zuchtleitung. Als Ursachen für den Niedergang werden oft ein krasses Missverhältnis zwischen dem ständig gewachsenen Aufwand und dem tatsächlichen Nutzen für den Einzelnen genannt. Sicher ein schwer wiegendes Argument, welches zudem kaum zu entkräften ist.

Zuviel Professionalität?

Es gibt aber noch weitere Aspekte, so vor allem die zunehmende Professionalität im Schauwesen. Diese führt dazu, dass für den Erfolg am Ende oft weniger die Grundqualität des Pferdematerials ausschlaggebend ist als das Herausgebrachtsein - und dies leider gar nicht immer zum Vorteil des Pferdes und seiner Gesundheit selbst. Und hier wird es kritisch, denn der Idealismus des Einzelzüchters - Lebensnerv jeder organisierten Pferdezucht - kann mit der meist kostenintensiven Professionalität langfristig nicht mithalten und geht bei anhaltender Erfolglosigkeit unter. Die Profis bleiben unter sich; die Zuchtverbände verlieren ihre breite und lebensnotwendige Basis.Aber gerade das muss unbedingt vermieden werden, hier müssen Konzepte her, die auch dem weniger materiell gesegneten Züchter faire Chancen auf motivierende Erfolgserlebnisse erhalten. Nicht, dass am Ende unsere Pferde auf der Strecke bleiben ..."

Das waren Zeiten
"Mit dem...Standort Menden in Westfalen hat die IG Welsh die wohl bisher glücklichste Wahl als Austragungsort einer Bundesschau getroffen. Mit ca. 320 Tieren, davon etwa ca. 250 im Schauring, und 120 unterm Sattel, konnten wir einer großen Zuschauermenge wirklich eindrucksvoll unsere Welsh-Ponys, -Cobs und -Partbreds in einer breiten Palette von Verwendungsmöglichkeiten auf akzeptablen Niveau vorstellen." Christian Tschoepke, Versuch eines Resümees, in Welsh-Jhb.1996, S.66ff.

Vor starker Zuschauerkulisse die Bundesschau 1995 in Menden