"Atemberaubend "
Das Begräbnis der Welsh-Partbredzucht in der IG Welsh

von Norbert Hahn
Zierenberg/Hessen

Atemberaubend waren schon die beiden Artikel der Beauftragten für Zucht der IG im Zuchtjournal des Welsh-Jahrbuchs 2004. Atemberaubend und unverzichtbar der Ausflug in die Beurteilungslehre mit ein paar Filzstiftstrichen auf schlechten Fotos (folgte sie bei der Richtertagung im Rheinland, bei der sie eine der erfolgreichsten Reitponyzuchtstuten der letzten Jahre für nicht zuchttauglich erklärte, diesen ihren eigenen Ausführungen?) und die Beschreibung der Befindlichkeit einer Jungrichterin. Vollends den Atem verschlagen mir allerdings die Äußerungen eben dieser Beauftragten für Zucht in Welsh aktuell (März 2004) "Welsh-Partbred contra Deutsches Reitpony".

Historisches
Schon bei der historischen Aufarbeitung muss man sich fragen: Wer spricht hier eigentlich? Ein Vertreter des Hessischen Ponyverbandes? (Schon seit 18 Jahren führt der Verband der Ponyzüchter...) Wenn mich meine Erinnerung nicht arg täuscht, wurde die Hessische Welsh- Fohlenschau von der Regionalgruppe Hessen initiiert und in Verbindung mit dem Verband der Ponyzüchter durchgeführt! Welches Interesse besteht darin, nur die Anzahl der Partbredfohlen zu nennen, ohne diese Zahl mit der Anzahl Fohlen der anderen Sektionen zu vergleichen (auch hier waren es häufig nur wenige Fohlen)? Warum wird nicht erwähnt, dass schon seit Beginn der 90-er Jahre in Hessen ein Reitponyfohlen-Championat vom Verband durchgeführt wurde, zu dem man sich über die verschiedenen Fohlenschauen (auch über die Welsh-Fohlenschau bei den Partbreds) qualifizieren musste, da nur die Fohlen mit einer Benotung 7,5 und besser zum Fohlen-Championat zugelassen waren, und dass dieses Championat mit einem stattlichen Geldpreis für die jeweils drei höchstbenoteten Fohlen ausgestattet und somit natürlich auch für Partbredzüchter attraktiv war?

Heute
Mit der Aufgabe der Welsh-Fohlenschau durch die Regionalgruppe und die Zusammenlegung der Fohlenschauen der Rassen Deutsches Reitpony, Connemara, New Forest und Welsh übernahm der Verband der Ponyzüchter das Regiment total. Da der Verband keine Welsh-Partbred kennt (für ihn gehören alle Welsh-Partbreds zu den Reitponys) gab es keine Klasse Welsh-Partbredfohlen mehr. Meine ausdrücklichen Nachfragen und Proteste sowohl bei der Leitung der IG-Regionalgruppe als auch beim Verband der Ponyzüchter wurden abschlägig beschieden (Originalton IG: "Damit können wir uns beim Verband nicht durchsetzen." Antwort Verband: "Wir können und wollen nicht riskieren, dass es mehrere verschiedene Siegertiere gibt, Partbred-Sieger und Reitpony-Sieger." Wenn die Qualität stimme, brauche man den Vergleich mit den Reitponys nicht zu scheuen.

Dies ist einer der Sargnägel!
Zieht man allerdings die Schlüsse, wie Frau Hoffarth es tut, ist es nur folgerichtig, weitere Sargnägel zu schmieden: In die ureigenste Veranstaltung der IG, der Regionalschau Hessen, wird die Reitpony-Landesstutenschau des Verbandes integriert. Dies hat jedoch keine Erhöhung der teilnehmenden Welsh-Partbreds zur Folge, wie sollte es auch, kennt doch der Verband keine Partbreds. Er bringt Reitponyklassen mit 23 Stuten zur Schau. Im Vorfeld deutet die Regionalbeauftragte bereits an, dass ihr eine Nennung sowohl bei den Partbreds als auch bei den Reitponys, obwohl getrennte Veranstalter, problematisch erscheine.

Ohne Rechnerei geht es nicht
Hier wird der nächste Nagel schon geschmiedet! Verbandsmitglieder, die keine IG-Mitglieder sind, können mit dem Begriff Welsh-Partbred in aller Regel nichts anfangen, zumal häufig ein relativ komplizierter Rechenvorgang der Anerkennung als Welsh-Partbred vorausgehen muss, was die Beauftragte für Zucht der IG ja schon einmal in die Kapitulation zwang. Es hat doch seine Gründe, weshalb die Ausstellung der Sektionszuordnungspapiere nach ihrer Odysse wieder bei Frau v. Redwitz gelandet ist. Hier läge eine Einwirkungsmöglichkeit für die IG, wenn der Verband im Vorfeld die genannten Reitponys zur Überprüfung ihrer Welsh-Prozente der Regionalgruppe mitteilen würde. Aber welches Interesse hat der Ponyverband Hessen an diesem Verfahren? Und auch Frau Hoffarth hat offenbar keine Freude an dieser Arbeit. Stellt sie doch in ihrem o.g. Beitrag die bezeichnende Frage: "...ob es weiterhin nötig ist, die Welsh-Prozente auszurechnen etc.?" Sie würde am Liebsten auf diese lästige Arbeit ganz verzichten.

Mit der offensichtlichen Absicht, auf das Ausrechnen der Welsh-Prozente zu verzichten, wird eine der von der IG (und auch im Mutterland) betreuten Pony- u. Kleinpferdegruppen komplett zur Disposition gestellt. Dies wäre ein Affront gegen das Mutterstutbuch! Denn ohne Ausrechnung der Welsh-Blutanteile keine Anerkennung als Welsh-Partbred. Dabei werden die wesentlichen Fragen erst gar nicht gestellt, wie: Warum züchten manche Züchter Welsh-Partbreds und eben nicht "nur" Reitponys oder auch Partbreds anderer Rassen? Was ist das Besondere an Welsh-Partbreds? Was hebt sie u.U. gegenüber anderen Rassen hervor, usw.? Die Beantwortung dieser Fragen oder zumindest der Versuch einer Antwort, würden der Beauftragten für Zucht der IG-Welsh gut zu Gesicht stehen. Gerade auch unter Marketingaspekten ist es überhaupt nicht nachvollziehbar, weshalb nach Cl. Hoffarts Auffassung "Welsh-Ponys und Reitponys schon fast symbiotisch zusammengehören".

Ein Vorstand ohne Meinung
Aber Stellung zu beziehen scheint sowieso nicht die Stärke des Vorstands unserer Interessengemeinschaft zu sein, denn ebenso atemberaubend, wie oben Gesagtes, erscheint mir die im o.g. Heft von Welsh aktuell veröffentlichte Bemerkung zur Münchener Resolution. Wer sollte sich mit solchen Fragen denn beschäftigen, wenn nicht die Gremien unserer IG und hier insbesondere unser Vorstand? Wie sollen wir einfache Mitglieder denn entscheiden, wer uns "gut" oder "nicht so gut" vertritt in der ein oder anderen Frage, wenn wir überhaupt nicht erfahren, welche Meinung unsere gewählten Vertreter einnehmen?

  • Der Vorstand stellt sich ohne Meinung vor uns Mitgliedern hin, frei nach dem Motto: Wir haben keine Meinung, uns steht auch keine eigene Meinung zu. Fragen Sie bitte die FN! Wir wissen zwar nicht, was die FN sagt, aber wir sind auf jeden Fall einverstanden.

So warte ich auch seit fast zwei Jahren auf eine Antwort des Vorstandes auf meinen Brief vom Mai 2002, nur keine Stellung beziehen.

Warum die Diskussion um die Partbreds zum jetzigen Zeitpunkt lanciert wird, erscheint mir angesichts der sehr guten Teilnehmerzahlen und der überragenden Erfolge der Welsh-Partbreds auf der Internationalen Schau 2003 in Aachen insbesondere im Vergleich mit den anderen Sektionen mehr als schleierhaft.