Replik auf Christina Huke
Rasseporträt “Welsh-Cob“
Seite Standpunkte v. 05.02.2005
von Eberhard Holin

Hallo, Frau Huke,

Die Ausgabe1/2, 2005 des Pferdemarkts lag seit dem 1. Januar an den üblichen Verkaufsstellen. Ca. fünf Wochen später haben Sie mitten in der närrischen Zeit, am 05.02., die Gelegenheit genommen, sich über meinen Beitrag "Der Welsh-Cob (Welsh-D)" zu entrüsten, Pferdemarkt, Ausg.1/2, 05, S.224-226.

Ich freue mich über jeden, der unsere Seite besucht und sie als Forum benutzt, Dampf abzulassen und seine Anliegen unters Volk zu bringen. Wenn sich dieser Besucher dann auch noch als Jahrzehnte langer Leser des Pferdemarkts und als ein vom Welsh-Virus Befallener outet (Erstreckt sich das Virus nur auf die Welsh-Cobs?), dann ist die Freude doppelt groß.

Nun sind die närrischen Tage vorüber, und ich antworte Ihnen gern.

  1. „Warum schreibt jemand ein Rasseportrait, der die Rasse offensichtlich nicht ausstehen kann? Als Retourkutsche?“ In meiner von Ihnen genannten Zuschrift hatte ich u.a. geschrieben: „Ich behaupte: Unser derzeitiges Management hat kaum Kontakt zum herkömmlichen Sportbreich. Wie sollte es das auch bei der einflussreichen herrschenden Cob-Fraktion? Die Werbemöglichkeiten, die der „gehobene Turniersport“ (Fahren) für die Rasse Welsh anbietet, werden nicht wahrgenommen.“

    Sie nehmen Anstoß an meinem inzwischen schon zum geflügelten Wort avancierten Begriff „Cob-Fraktion“ und diagnostizieren daraus eine bei mir offensichtlich bestehende Aversion gegen die Welsh-Cobs. Wie kommen Sie zu dieser abstrusen Auffassung? Natürlich leidet unser derzeitiger Vorstand unter einer „Cob-Lastigkeit“. Unsere dominierenden Vorstandsmitglieder kommen aus dem Cob-Bereich, und damit ist diese Sektion auf unserer Führungs- und Gestaltungsebene überrepräsentiert. Von zahlreichen Züchtern der anderen Sektionen wird das genau so empfunden. Gehen Sie mal in andere Regionen der Republik und befragen dort A-, B- und besonders PB-Züchter nach ihrer Auffassung, ob die Belange dieser Bereiche durch unseren Vorstand gleichrangig und optimal vertreten werden. Es hat sich als schwerer Fehler erwiesen, dass bei der Neuordnung unserer Satzung „blauäugig“ auf eine gleichgewichtige Repräsentanz aller Sektionen und der PBs im Vorstand nicht geachtet worden ist. In diesem misslichen Umstand sehe ich auch einen Grund für die immer deutlicher werdende Identitätskrise der IG. Das heißt aber doch nicht, dass ich meinen Widerstand gegen diese einseitige Personalverteilung im Vorstand auf die Welsh-Cobs übertrage.

    Weil mir die Zukunft der IG am Herzen liegt, wiederhole ich die Formulierungen: „Cob-Fraktion“, „Cob-Lastigkeit“ und „Cob-Freizeit-Reiterverein“ immer wieder, und immer wieder ernte ich aus den gleichen Ecken emotional überschießende Reaktionen, fern jedes logischen Denkansatzes. Wegen meiner grundsätzlichen Position und Einschätzung dieser einseitigen Kräfte- und Machtverteilung unterstellen Sie mir „dass ich offensichtlich diese Rasse (Sie meinen „Sektion“) nicht ausstehen kann.“ Diese Schlussfolgerung ist abenteuerlich, an den Haaren herbeigezogen und billige Polemik. Ich nenne sie einfach kleinkariert.

  2. Billige Polemik
    Sie mokieren sich darüber, dass ich ein Zitat aus dem Welsh-Jahrbuch 1976, S. , benutze und stellen die Frage „...aber muss er sein mangelndes und nicht gerade aktuell zu nennendes Wissen...auch kund tun???“(Drei Fragezeichen!). Dann formulieren Sie an Frau Sgolik: „Ich halte es nicht so wie Sie, dass ich lieber alte Bilder sehe zu einem schlechten Text. Ich lese lieber gar nichts, als solch schlechtes Material mit 30 Jahre alten Texten. Peinlich...“

    Sie stilisieren sich hier zu einer profunden Kennerin der Welsh-Literatur, ohne diese konkret beim Namen zu nennen. Welche neueren Texte meinen Sie, die ich besser hätte benutzen sollen, um Aussagen zu den Anfängen der Cob-Zucht zu machen, die von Frau Rosenthal oder die von Frau Dötschel? Ihnen muss doch klar sein, dass es sich bei nahezu der gesamten deutschen Cob-Literatur im Grunde um Sekundär-Literatur handelt, die sicher zu mehr als 90% auf den Veröffentlichungen von Dr. Wynne Davies basiert und die zuweilen „reine Übersetzungen“ sind. Oft finden sich auch mehr oder weniger präzise Übersetzungen aus dem WPCS Journal, die dann hier entsprechend verarbeitet wurden.

    Seit Anfang der 90-er Jahre sind wir persönlich mit Dr. Wynne Davies bekannt, der seit 1976 Publicity Officer der WPCS ist und weltweit als der Welsh-Experte schlechthin bezeichnet wird. Im Rahmen unserer Wales-Reisen besuchen wir ihn regelmäßig auf Ceulan. Er überreicht uns dann immer sein neuestes Buch, jeweils mit Widmung, falls er ein neues veröffentlicht hat. Im Gegenzug erhält er von mir Fotos, die er in seinen Zeitungsartikeln, in seinen Büchern, auf seiner HP, oder in seiner Gestütsanzeige benutzt. So ist mir natürlich auch sein Buch „The Welsh Cob“, 1998, bekannt. Wenn Sie die Seiten 106 u. 178 aufschlagen, finden Sie dort zwei meiner Fotos, eins von dem jungen H-S Martino, und ein „Uralt-Foto“ von Parc Welsh Flyer aus dem Jahre 1988, das Sie ja auch als Titelbild auf dem Welsh-Jahrbuch 1989 betrachten können. Ich empfehle Ihnen auch sein Buch „One Hundred Glorious Years“, 2001. Auch dort werden Sie fündig, sollten Sie nach meinen Fotos suchen.

    Sie können davon ausgehen, dass wir uns seit 1987 bemühen, die gesamte Welsh-relevante walisische Primär-Literatur zu kaufen und auch zu lesen, angefangen von den Studbooks und den Indices bis hin zu den WPCS Journals etc. Wir tun das auch deshalb, weil wir ein Faible für originäre Literatur haben und die neue deutsche Sekundär-Literatur, bei allem Respekt vor ihren Autoren, zuweilen ihre Tücken hat. Soll ich da deutlicher werden? Akzeptieren Sie einfach meine Feststellung, dass mir besonders die Literatur von Dr. Wynne Davies geläufig ist.

    Ich habe mich bei der Erstellung des Artikels für die von Ihnen beanstandete Passage entschieden, weil ich diese Passage inhaltlich voll akzeptiere. Lesen Sie in Muße doch noch mal den Artikel von Frau Rosenthal „Der Welsh-Cob“, Welsh-Jhb.2000, S.51ff. Was dort über die Geschichte der Welsh-Cobs geschrieben wurde, steht in keinem Gegensatz zu dem Zitat, das ich für meinen Artikel benutzt habe. Als Literatur- und Quellenangabe verweist sie ja auch auf das o.g. Buch von Dr. Wynne Davies. Sie benutzen die Quellenangabe aus 1975 um mich und meine Arbeit zu diskreditieren: Zitat aus älterer Literatur, gleich alte Quelle, gleich wenig Ahnung, und unterstellen mir mit dieser durchsichtigen Begründung im Stakkato „mangelndes und nicht gerade aktuell zu nennendes Wissen“.
    Ohne selbst konkreter zu werden, versuchen Sie meine Arbeit in Misskredit zu bringen. Ich denke, aus ihrer Agitation wird ihre Motivlage deutlich, besser konnten Sie ihre Gefühlslage nicht offen ziehen.

    Könnte es sein, dass Sie zu den Welsh-Genossen gehören, die gern ihre eigenen Tiere und die Sektion, der sie angehören – speziell die Ds - ins Mystische heben? Der Begriff „Königsklasse“ für die Klasse der Cob-Hengste auf den Bundesschauen spricht ja schon für sich, besonders wenn - wie auf der letzten Bundesschau - nur drei(!) Exemplare vorgestellt werden (In Hessen waren Ende 2003 13 Cob-Hengste registriert, keiner hatte den Weg nach Alsfeld gefunden).
    Ich denke, eine mystische Überhöhung hilft dieser Sektion nicht weiter, das haben die Welsh-Cobs nicht verdient. Wussten Sie, dass in Westfalen im Zeitraum von 1998-2003 die Zahl der registrierten Welsh-Cobs um 34,5% auf nur noch 55 Tiere (7H/48 Stu.) gesunken ist?

  3. Zur Qualität von Fotos
    Ihnen passt das Layout und die Auswahl meiner Fotos nicht. Abschätzig reden Sie davon, „die Bilder haben schon leichten Gilb angesetzt, so alt sind sie.“ Welche Fotos meinen Sie? Zwei Fotos stammen aus 2004, zwei Fotos sind aus 2002, ein Foto aus 2000, ein Foto aus 1996. Die Fotos aus dem Artikel über das Gestüt Holtkamp sind alle aus 2004. Über die Auswahl der Fotos und über ihre Aufmachung entscheidet allein die Redaktion, wie auch über die Anzahl der Seiten, die sie für den Artikel zur Verfügung stellt. Ich freue mich, dass nicht zuletzt auch unter meinem Einfluss der „Pferdemarkt“ immer mehr dazu übergeht, zumindest einige Fotos groß und Seiten füllend zum Abdruck zu bringen. Ich erfahre vom Verlag und auch von einer nicht kleinen Anzahl von Lesern stetige Rückmeldungen und Anerkennung über meine Texte und Fotos. Es freut mich wirklich, wenn der Chefredakteur bei Abgabe meiner Artikel regelmäßig die Frage stellt: „Und was bringen wir in der nächsten Ausgabe?“


    Der Welsh-Cob-Hengst
    Ebbw Amber Flash

    Der Cob-Hengst Plasybryn Tywysog auf der Royal Welsh 1991

    Das Foto mit der Welsh-Cob-Stute Behrenskamp Belinda stammt von der ZPW in Günne aus dem Jahre 1996. Auf dieses Foto zielt ihre abschätzig gemeinte Formulierung und daraus wird dann eine Diffamierung aller Fotos. Wahrscheinlich haben Sie auch noch das Foto von Ulrich Spennemann in ihrem besonderen Visier. Die Redaktion konnte auch bei diesem Foto keinen „Ansatz von Gilb“ erkennen, obwohl das in einer früheren Ausgabe schon mal abgedruckt worden ist. Besitzen Sie ein aktuelleres von einem Cob-Zweispänner, der im Moment der Aufnahme auf S-Niveau gefahren wird?

    Ebbw Amber Flash

    Der Pferdemarkt bewegt sich auf eine Drucklegung von rd. 90.000 Exemplaren pro Ausgabe zu. Der Verlag geht nach eigener Verlautbarung von rd. 200.000 Lesern pro Ausgabe aus. Damit erreiche ich im Interesse der Rasse Welsh mit meinen Texten und meinen Fotos über den Pferdemarkt im In- und Ausland einen ganz anderen Wirkungsgrad, den Sie sicher nicht mit dem der Welsh-Jahrbücher vergleichen wollen. Das Welsh-Jahrbuch wird pro Ausgabe mit ca. 2000 Exemplaren aufgelegt. Auch insofern konnte ich getrost auf das von Ihnen mit einem Negativ-Touch belegte Belinda-Foto zurückgreifen. Allenfalls fühlen sich Welsh-Mitglieder durch dieses Foto gelangweilt, weil sie es aus 1996/98 schon kennen, und die sind doch im Leservergleich mit den vom Pferdemarkt erreichten Zahlen eine wirklich zu vernachlässigende Größe.

    Ebbw Amber Flash auf der Royal Welsh 2002

    Machen Viren blind?
    Ich denke, das Layout des Cob-Artikels ist optimal gelungen. Die Auswahl der Fotos und auch ihre farbliche Aufbereitung kommen an. Ganz besonders freue ich mich, dass das Foto mit Behrenskamp Belinda so gut platziert worden ist. Für die Auswahl gerade dieses Fotos hat bei mir die Wasserspiegelung den Ausschlag gegeben und bei dem Foto von Bimberg Nana die schön platzierten bunten Schleifen. Solche Fotos wollen die Leser des Pferdemarkts sehen. Als „Medien-Expertin“ müssten Sie die Gesichtspunkte doch kennen, die bei einer Foto-Auswahl den Ausschlag geben.

    Könnten Sie solche Fotos liefern? Warum haben wir diese bis jetzt noch nicht gesehen, obwohl der „Virus-Befall“ nach eigenen Angaben bei Ihnen doch schon so lange vorhanden ist? Warum versuchen Sie das, was offensichtlich gelungen ist, um jeden Preis madig zu machen? Ob Viren auch „blind“ machen können?

  4. Realitätsverlust?
    Sie kritisieren “die spärlichen drei Seiten, die den Namen „Rasseportrait“ im Ansatz nicht verdienen!“ Nehmen Sie die beiden Seiten des Artikels über den Fahrstall kleine Kalvelage hinzu, dann sind es insgesamt fünf Seiten mit zusammen neun Fotos, die der Pferdemarkt für eine Information über die Welsh-Cobs zur Verfügung gestellt hat. Für die Porträts der Sektionen A (Ausg.5/6, 04) und B (7/8, 04) hat es jeweils nur zwei Seiten vom Verlag gegeben. Wo ist da ihr Aufschrei geblieben? Gilt ihre Aufmerksamkeit nur den Welsh-Cobs?

    Ende 2003 sind insgesamt 2337 Welsh-Stuten und Hengste aller Sektionen bei den deutschen Zuchtverbänden registriert gewesen. Hinter den Haflingern, Deutschen Reitponys, Isländern und Shettys lag die Rasse Welsh mit einem Anteil von 6,5 % von 35839 Tieren aller in Deutschland eingetragenen Kleinpferde und Ponys an fünfter Stelle, knapp vor den Fjordpferden, Quelle FN-Jahresbericht 2003 und Info der FN.

    Sonderbehandlung für die Rasse Welsh
    In vier Ausgaben (5/6, 7/8, 11/12 aus 2004 und 1/2 aus 2005) hat der Pferdemarkt über einen Zeitraum von 10 Monaten für die Präsentation der Rasse Welsh insgesamt fast 17 Seiten mit 29 Fotos zur Verfügung gestellt (As 7, Bs 6, Cs 7, Ds 9). Trotz dieser Vorzugsbehandlung dieser mengenmäßig kleinen Rasse durch Redaktion und Verlag, die allein auf meine Initiativen und meinen Aufwand zurückzuführen ist, ventilieren Sie die Hoffnung, „dass in der nächsten Ausgabe das Bild der Welsh-Cobs ergänzt wird.“ Dabei betrug der Anteil der in Deutschland registrierten Welsh-Cobs in 2003 mit ganzen 584 Tieren nur 1,62 % aller eingetragenen Kleinpferde und Ponys. Ich hoffe, dass kein Geschäftsführer des Verlags diese Auflistung in seine Finger bekommt.
    Sehr geehrte Frau Huke, Sie erlauben mir die Frage: Leiden Sie an Realitätsverlust?

    Noch eine Bemerkung:
    Als langjährige Leserin des Pferdemarkts hätten Ihnen doch nach der Publizierung des A-Artikels klar sein müssen, dass ich alle Welsh-Sektionen in dieser Zeitschrift abhandeln würde. Weshalb sind Sie nicht mit mir in Kontakt getreten oder gegenüber der Redaktion aktiv geworden? Warum haben Sie sich nicht mit „aktuellen“ Fotos und einem alle Facetten umfassenden Text über die Welsh - Cobs eingebracht? Sie sind doch vom Fach und „beruflich für die Redaktion eines Fachblatts auf dem Heimtiermarkt tätig.“ Woran hat es denn die ganzen Jahre gefehlt, dass Sie sich nicht auch für die Rasse Welsh in den Medien inklusive unseres Welsh-Jahrbuchs und in Welsh aktuell ins Zeug gelegt haben? Sie wissen doch, dass die IG Welsh gerade im Medienbereich an ihrer ganz dünnen Personaldecke leidet?

    Zu den Fotos
    Das „uralt Foto“, Plasybryn Tywysog auf der Royal Welsh 1991 und die drei Fotos von Ebbw Amber Flash auf der Royal Welsh 2002 standen in der engeren Auswahl für den Artikel. Ich habe mich für das Foto mit Ebbw Amberflash im Hochformat entschieden, weil der Layouter auf jeden Fall das Foto mit HS Image gut platzieren sollte, und zwei Fotos im Querformat die gesamte Komposition gestört hätten.

    In der kommenden Woche werde ich noch weitere Ergänzungen geben.