Schmitt raus, Hüggenberg rein

Zur Demontage eines Ehrenmitglieds der IG Welsh

von Eberhard Holin

Wieder macht eine bemerkenswerte Personalentscheidung der IG Welsh die Runde. Nach Rolf Paffrath, dessen Verdienste um die Regionalgruppe Rheinland und die IG Welsh unbestritten sind, und der durch die von Joachim Clement und Uwe Rosenthal praktizierte engstirnige  Behandlung der Mitgliedschaft seiner Tochter keine Möglichkeit mehr sah in der IG zu bleiben,  ist nun dank des Einsatzes des IG-Geschäftsführers und der Beauftragten der IG für die Zucht, Frau Hoffahrt, eine Personalie aufs öffentliche Tableau gehoben worden, die in der Geschichte der IG einmalig ist.

Zur Vorgeschichte
Im Vorfeld der Internationalen Schau 2005 in Waregem/Belgien hatte Joachim Clement den letztendlich am Widerstand der Belgier und Holländer gescheiterten Versuch unternommen, seinen Geschäfts- und langjährigen persönlichen Freund Henk van Dijk als Vertreter der IG Welsh als Richter auf dieser Schau zu platzieren. Dieses durchsichtige Hantieren führte dazu, dass auf der Schau in Waregem kein Richter aus Deutschland fungierte. Auch auf der Bundesschau der IG von 2005 in Ostbevern war kein IG-Richter zu finden, weil Joachim Clement den Vorschlag des Richtergremiums zur Bennennung von IG-Richtern für diese Schau im Vorstand und Beirat durch einen anderen personellen Antrag gekippt hatte. In der Folge kam es dann zu einem Boykott dieser Bundesschau durch die IG-Richter. Die auf Veranlassung von Clement gewählten Richter traten ihre Ämter nicht an.

Nun hat es Hermann Schmitt getroffen, Welsh-Züchter seit 1973, Vorsitzender der Gründungsversammlung der IG Welsh 1975 und Vorsitzender der IG von 1975-1981.
In der Folgezeit wird er in den Welsh-Jahrbüchern häufig als IG-Beiratsmitglied und Verantwortlicher der IG für Internationale Beziehungen genannt. Von 1989 bis zu seinem Wechsel nach Wales 1995 habe ich Hermann Schmitt als engagierten und sachkundigen Gesprächspartner auf den Vorstands- und Beiratssitzungen erlebt. Seine Übersiedlung nach Wales bedeutete einen erheblichen Substanzverlust für die IG Welsh. Aufgrund seiner jahrzehntelangen Verdienste um die IG wurde ihm auf der IG-Mitgliederversammlung vom 24.03.1996 in Alsfeld einstimmig (zusammen mit Prof. Dr. Bauer) und mit Urkunde die Ehrenmitgliedschaft der IG verliehen. Auch die Welsh Pony and Cob Society(WPCS) ehrte ihn wegen seiner Verdienste um die Rasse Welsh 2004 mit ihrer Ehrenmitgliedschaft. Er ist das einzige IG-Mitglied, das bis heute diese international hochgeschätzte Ehrung erfahren hat.

Bis 1999 wurden H. Schmitt und seine Ehefrau auf der Richterliste der IG Welsh geführt. Bereits 1980 richtete er auf der Internationalen Schau in Brüssel/Belgien A, C, D und 1998 in Göteborg/Schweden C, D. 2003 kehrt Hermann Schmitt wieder in den Einflussbereich der IG Welsh nach Deutschland zurück. 

Auf dem Internationalen Meeting während der diesjährigen Royal Welsh Agricultural Show wurde über die Richter informiert, die von französischer Seite für die Internationale Schau 2007 avisiert waren, die in Frankreich ausgerichtet wird. Auf dem Internationalen Meeting während der Internationalen Schau in Waregem 2005 hatten Joachim Clement und Uwe Rosenthal einen Antrag eingebracht, die Modalitäten der Richterbenennung für die im Zwei-Jahresrythmus stattfindende Internationale Schau zu ändern. Nach ihrer Auffassung sollte das Benennungsrecht von dem ausrichtenden nationalen Zuchtverband in Zukunft letztendlich in den Zuständigkeitsbereich der WPCS verlagert werden. Dieses Begehren hat keine Zustimmung gefunden. Es blieb bei der  bisherigen Gepflogenheit, dass der ausrichtende nationale Welsh-Zuchtverband die Richter benennt und einlädt.

Im Vorfeld des Internationalen Meetings dieses Jahres hatte der französische Verband bei Hermann Schmitt angefragt, ob er auf  der kommenden Internationalen Schau als Richter fungieren würde. Dieser gab seine Zusage. Anschließend erhielt er aus Frankreich die schriftliche Bestätigung und die offizielle Einladung als Richter für die Internationale Schau 2007.

Auf dem Internationalen Meeting in Builth trat nun die „deutsche IG-Delegation“ in Aktion, diesmal bestehend aus Joachim Clement und Frau Hoffahrt. Entgegen den Einlassungen der französischen Seite teilte sie mit, dass Hermann Schmitt nicht auf der Richterliste der IG geführt werde. Daher habe Herr Schmitt nicht die Zustimmung der IG Welsh auf der Internationalen Schau 2007 zu richten. Die deutsche Delegation benannte anstelle des Hermann Schmitt Fritz Lehmann oder Wilhelm Heinrich Hüggenberg. Nach peinlichem Hin und Herr knickte unverständlicher Weise die französische Seite ein und es wurde Wilhelm Heinrich Hüggenberg anstelle von Hermann Schmitt als Richter für die kommende Schau benannt. Einige Tage später wird die Einladung an Hermann Schmitt vom französischen Verband schriftlich zurückgenommen und er mit Bedauern ausgeladen.

Nun ist Hermann Schmitt sowohl in Wales als auch bei den kontinentalen Zuchtverbänden schon allein wegen seiner früheren Teilnahme an den Sitzungen des Internationalen Committees kein Unbekannter. Die internationale Sympathie liegt eindeutig bei ihm. Außerhalb der BRD ist man über dieses rigide Führungsverhalten und über dieses besondere „deutsche Maß von Sensibilität“ gegenüber einem verdienten Ehrenmitglied der IG Welsh und einem Ehrenmitglied der WPCS mehr als erstaunt. In der Tat, als der Taubenzüchter Joachim Clement sich noch für das rechte Brutverhalten und die Flugleistungen seiner gurrenden Lieblinge engagierte, da hat Hermann Schmitt bereits Tiere der Rasse Welsh international gerichtet und Frau Hoffahrt befand sich noch in Ausbildung.

Was wurde durch dieses Personal-Management erreicht? Die Brüskierung eines Ehrenmitglieds der IG Welsh, und das Wissen um die Tatsache, dass die Lebensleistung von Hermann Schmitt in Angelegenheiten der Rasse Welsh nichts zählt, weil seine Richterberufung unserer derzeitigen Führungscrew nicht gefällt. In der Angelegenheit Rolf Paffrath sah sich unser Führungsduo Clement/Rosenthal unter Rückzug auf einen formalen Gleichheitsgrundsatz nicht in der Lage,  Rolf Paffrath in der IG zu halten. Jetzt wird erneut eine formale Begründung gegeben (Er steht ja nicht auf der Richterliste.), um das eigene demontierende Tun zu rechtfertigen und das Ehrenmitglied der IG Hermann Schmitt in den Wind zu schießen.

Bereits in 2005 hatte Hermann Schmitt Uwe Rosenthal auf dessen Anfrage die Zustimmung gegeben, die Ansage auf der Bundesschau 2006 zu übernehmen. Auf der Internationalen Schau in Aachen 2003 hatte Hermann Schmitt zusammen mit Hartmut Schröder diese Funktion erfolgreich wahrgenommen. Verständlich, dass er nach dieser öffentlichen Brüskierung diese Zusage zurückgenommen hat.

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