Wie man sich selbst „decapitiert“

von Eberhard Holin

Öffentliche Ehrungen haben oft mehrere Seiten. Meistens findet die Herausstellung des Geehrten breite Zustimmung, zuweilen sind aber auch eher „gequälte Reaktionen“ die Folge. Ein Blick hinter die Kulissen ist oft aufschlussreich.

Im Welsh-Jahrbuch 1976 taucht zum ersten Mal der Name Eugen Freiherr von Redwitz als Vorsitzender der bayerischen Welsh-Regionalgruppe auf. 1977 übernimmt seine Ehefrau diese Funktion. Auch später ist dann im Schrifttum der IG Welsh immer wieder von Marie Freifrau von Redwitz die Rede, bis in die jüngste Zeit, - direkt und indirekt.

Zur Erinnerung!

Ende 2005 hat die deutsche Welsh-Szene eine Bereicherung erfahren. Einige Welsh-A-, Welsh-B- und Welsh-Partbredzüchter gründeten die Welsh Pony Society Germany (WPSG) u.a. sicherlich mit dem Anliegen, die Zucht der genannten Sektionen und die der Welsh-Partbreds wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein zu heben. Das „Versammlungsrecht“ ist bei uns ein legitimes Recht, das unter dem Aspekt garantierter „Versammlungsfreiheit“ durch unser Grundgesetz zu den allgemeinen staatsbürgerlichen Errungenschaften gehört, das unumstritten ist. Es sei daran erinnert, dass in Holland im Laufe der Jahre mehrere Welsh-Vereine entstanden sind, wie der Welsh B Club Nederland, der Welsh Cob Club Nederland, Der Kring van Vrienden van de Welsh Mountain Pony, die Welsh Pony Fokvereniging de Kanaalstreek und die Welsh Pony en Cob Vereniging (WPCV). Gleichzeitige Mitgliedschaften beim Welsh Stamboek (NL) und in mehreren dieser „Speciaal Clubs“ bereiten in Holland keine Probleme.

Der Vorstand der IG Welsh hält die Gründung der WPSG für „überflüssig“, weil die IG Welsh offensichtlich mit ihrem Vertretungsanspruch für alle in Deutschland gezogenen Tiere der Rasse Welsh mit dieser Neugründung kollidiert, Welsh aktuell März 2006, 11. Jhg., S.14,. Aus naheliegenden Gründen hätte sie sich eher mit einem „Freundeskreis/Stammtisch“ anfreunden können, s. Protokoll der Delegiertenkonferenz v. 26.März 2006, Welsh aktuell Juni 2006, 11.Jhg. S.13. Bekanntlich zeichnen sich „Stammtische“ und ähnliche kompetenzlose Gebilde dadurch aus, dass sie von der herrschenden Clique nicht ernstgenommen und eher als Instrument für die Ruhigstellung und sinnlose Beschäftigung unbequemer Zeitgenossen betrachtet werden.

Nun haben sich in der WPSG Welsh-Züchter engagiert, die neben ihren jahrzehntelangen herausragenden Erfolgen in der Welsh-B- und teilweise auch in der Welsh-Partbred-Zucht einen Namen als erfahrene Welsh-Richter haben. Als solche standen sie auf der Richterliste der IG Welsh. Auf der o.g. Delegiertenkonferenz hat es nun scharfe Angriffe gegen die Gründung der WPSG und gegen die Mitglieder der WPSG gegeben, die seit Jahren Richter der IG Welsh waren.

„Ferner wird die Richtertätigkeit der WPSG als problematisch angesehen, da die meisten Funktionsträger auch IG Welsh-Richter sind“, o.g. Protokoll, a.a.O., S.13.

Im Klartext steht hinter dieser Formulierung die Unterstellung, dass die bekannten IG-Richter Claudia Clausnitzer, Freifrau von Redwitz, Hans Schumacher und Hinrich Wulf bei ihrer Tätigkeit als Richter im Richtverfahren nicht mehr gerecht und unvoreingenommen objektiv am Rassestandard entlang ihre Bewertungen treffen, sondern möglicherweise wegen billiger Verbandsinteressen ihr Richteramt missbrauchen könnten. Während dieser Versammlung wird Hans Schumacher vor allem vom Richterobmann Hans-Hermann Jäger attackiert, obwohl der Vorsitzende des Bezirksverbandes Stade (mehr als 750 Mitglieder!) mehrmals versichert hat, dass sich die Gründung der WPSG nicht gegen die IG Welsh richtet.

„Herr Schumacher betont nochmals, dass die WPSG keine Gegenorganisation zur IG Welsh darstellen soll“, s. o.g. Protokoll, a.a.O., S.13.

Wegen dieser Unterstellung und Brüskierung haben in der Folge die vier Richter Clausnitzer, Freifrau von Redwitz, Schumacher und Wulf der IG mitgeteilt, dass sie ihren richterlichen Verpflichtungen nur noch bis Ende Dezember 2006 nachkommen würden. Die Genannten sahen ihre Integrität und Unabhängigkeit als Richter in Frage gestellt. Ein von der Delegiertenversammlung gefordertes Gespräch zwischen dem Vorstand der IG und dem Vorstand der WPSG kam nicht zustande. Über den Tagungsort konnte keine Verständigung erzielt werden.

Auf der Frühjahrstagung 2006 der IG Welsh-Richter in Bochum kommt es im Beisein des IG-Vorsitzenden zu einer Abstimmung in der die als Richterin für die Bundesschau 2006 benannte Freifrau von Redwitz in ihrer Abwesenheit aufgefordert wird, freiwillig auf das Richten der Bundesschau zu verzichten. Obwohl das Richtergremium nicht zuständig für die Benennung von Richtern für die Bundesschauen ist, sollte durch diese „Abstimmung im Kollegenkreis“ eine Druckkulisse gegen Freifrau von Redwitz aufgebaut werden?

„Seit 2005 regelt der Richterwahlausschuss , welche Richter zur Bundesschau eingeladen werden“, Welsh aktuell März 2005, 10.Jhg., S.7.

Bekanntlich hat Freifrau von Redwitz diesem Druck nicht nachgegeben und ist diesem Ansinnen nicht gefolgt. Zum letzten Mal hat sie 2006 eine Bundesschau der IG Welsh gerichtet. 

Hans Hermann Jäger, Richterobmann der IG, schreibt:

„Ein wichtiger Punkt betrifft die Bundesschau 2006, die von Frau von Redwitz gerichtet werden soll. Nach erfolgter Abstimmung kam man zu dem Schluss, dass man nicht auf ein Mitglied der WPSG zurückgreifen muss. In meiner Eigenschaft als Richterobmann wurde ich beauftragt mit entsprechendem Schreiben Frau von Redwitz über das Meinungsbild des Richtergremiums in Kenntnis zu setzen“, Protokoll der Richtertagung v. 29./30. April 2006, Welsh aktuell, Juni 2006, 11.Jhg., S.48-49.

Im März 2005 wird mitgeteilt:

„Den Entschluss unserer geschätzten Richterkollegen Friedrich Seiler, Dr. Erhard Coenen und Hermann Arts aus dem Richterkollegium auszuscheiden, haben wir mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen. Wir verlieren mit ihnen wegweisende Kollegen mit hoch qualifiziertem Wissen, basierend auf erfolgreicher Zucht, das sie stets zum Wohle der Welsh-Zucht einsetzten. Wir bedanken uns für die langjährige sach- und fachkundige Zusammenarbeit und wünschen Euch für die Zukunft alles Gute. Eure Richterkollegen“, Welsh aktuell, März 2005, 10. Jhg., S.15.

Mit Datum vom 15. Januar 2007 schreibt der Richterobmann der IG Welsh seinen „ehemaligen Richterkollegen“ und IG-Mitgliedern (teilweise auch Verbandsrichtern), dass sie „auf eigenen Wunsch“ nicht mehr auf der Richterliste der IG Welsh geführt würden. Dieses Schreiben landet bei den vier Genannten, - am Samstag, den 20.Januar im Postkasten von Giglberg. Am selben Tag konnte Freifrau von Redwitz in Berlin von der FN ihre Ehrung wegen ihrer „außerordentlichen Verdienste um die Ponyzucht“ in Empfang nehmen...

Auf der Richterliste der IG Welsh werden derzeit nur noch 12 Richter geführt, darunter 7 ausgewiesene Welsh-Cob-, 3 Welsh-A- und nur ein Welsh-Pb-Züchter, ein Verlust von 36,85 % gegenüber dem Stand von 2004. Die Richterliste des Jahres 2004 umfasste noch 19 Mitglieder.

Der enorme Verlust an fachlicher Kompetenz in den letzten Jahren ist für die IG beachtlich und unübersehbar. Es sei daran erinnert, dass sich auch Petra Grygoluk, eine langjährige ambitionierte Welsh-B- und Welsh-Partbred-Züchterin, 2004 von der Richterliste der IG hat streichen lassen. Außerdem hat sie 2005 ihre Mitgliedschaft in der IG beendet, obwohl sie noch immer ein Welsh-Pb und 9 Welsh-Bs in ihrer Herde hat. In diesen Rahmen passt auch der Hinweis auf Norbert Hahn, Tierarzt aus Zierenberg/Hessen, ein profunder Kenner der deutschen und holländischen Reitponyzucht. Er hat 2003 die IG Welsh verlassen. Nicht wenige IG-Mitglieder sprechen von einem deutlichen Substanzverlust, der spürbar grassiert. Man darf gespannt sein, was in der kommenden März-Ausgabe von Welsh aktuell über den jüngsten Richterauszug zu lesen ist.

Vielleicht taucht in der kommenden Ausgabe von Welsh aktuell eine Gratulation der IG Welsh zu der Ehrung der FN für Marie Freifrau von Redwitz auf. Auf der Website der IG war von einer entsprechenden Grußadresse bis heute nichts zu lesen. Bisher hat es auf der IG-Website in dieser Sache nur zu einem Link zur HP des Bayerischen Ponyverbandes gereicht. Bis heute hat sich weder der Vorsitzende noch ein anderes Vorstandsmitglied der IG Welsh zu einer Gratulation aufraffen können.

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