„Headhunter on the Road ..."

      Über die Kunst nachhaltig die Zukunft gestalten

von Eberhard Holin

Inzwischen pfeifen die Spatzen von den Dächern: Die Amtszeit von Uwe Rosenthal geht zu Ende. Auf der kommenden Delegiertenversammlung am 1. April wird ein neuer Erster Vorsitzender gewählt. Mitglieder stellen sich die Fragen:

  • Warum werden die Mitglieder der IG nicht offiziell und umfassend über diese Personalangelegenheit informiert, um sich auch auf Regionalgruppenebene mit der Situation zu beschäftigen?
  • Warum werden nicht zeitgleich auch andere Vorstandsfunktionen neu besetzt, um die alten Strukturen aufzubrechen und dem neuen Vorsitzenden mit einer neuen Mannschaft die Chance eines echten Neuanfangs zu geben?

Fehlende Information der Mitglieder

Zur Zeit sind mehrere „Headhunter“ als „Problemlöser in Sachen Personalbeschaffung“ auf der Suche nach dieser Führungskraft unterwegs, meistens auf telefonischem Weg. Bis heute wurde die Mitgliedschaft offiziell vom Vorstand über das in wenigen Wochen anstehende Personalproblem nicht in Kenntnis gesetzt. Es wurde mit uns Mitgliedern nicht diskutiert, welche Erfahrungen und welches Anforderungs- und Eignungsprofil die neue Führungskraft besitzen sollte, um sie zielführend für eine Kandidatur zu gewinnen, und welche Problemfelder zukünftig vom Vorstand vorrangig zu bearbeiten sind, um die IG zu stabilisieren und gfs. zu neuen Ufern zu führen. Nur auf der Basis einer derartigen Problemanalyse kann eine Personalentscheidung vorbereitet und dann abschließend entschieden werden.

Ein „Ich mach das,“ kann doch nicht das einzige Kriterium sein, um einen Bewerber für diese Spitzenfunktion in die Verantwortung zu nehmen.

Es ist auch nicht bekannt, welche Visionen und welches Leitbild diese „Personalfachleute“ selbst von der zukünftigen IG und ihrem effizienten Management haben. Wie sollen sie einen oder mehrere geeignete Kandidaten finden, bewerten und dann zur Abstimmung bringen, wenn sie selbst nicht wissen, wohin die zukünftige Reise der IG gehen soll? In der Wirtschaft verfügen solche Personalexperten in der Regel über eine profunde Kenntnis der Branche und ihren Problemfeldern und Entwicklungsmöglichkeiten, in denen sich die zukünftige Führungskraft bewegen soll.

Soll im Interesse eines Einzelnen oder einer bestimmten Interessensgruppe auf der kommenden Delegiertenkonferenz ein Einzelkandidat aus dem Hut gezaubert und die Delegierten der Regionalgruppen durch einen Überraschungscoup überrollt und in ihrem Abstimmungsverhalten kanalisiert und damit über den Tisch gezogen werden?

Warum sind nicht alle Mitglieder offiziell und vorab über die anstehende und schon länger laufende Personalsuche informiert worden?

Zur bisherigen Personalpolitik

Tatsache ist, dass die verfehlte vordergründige Personalpolitik der letzten Jahre nun offensichtlich wird und sich bitter rächt. 1999 wurde die neue Vereinssatzung in Kraft gesetzt, 2001 wurde mit vielen Hoffnungen ein neuer Vorstand installiert. Hat man sich da Gedanken um eine „vorsorgende Personalpolitik“ gemacht?

Welche Problemkomplexe und Arbeitsbereiche durfte z.B. der Zweite Vorsitzende in den vergangenen Jahren verantwortlich bearbeiten, um ihn auf eine möglicherweise notwendige Übernahme der Funktion des Ersten Vorsitzenden vorzubereiten? Dann hätte man mit ihm im Fall der Fälle zumindest für eine Übergangszeit ein Führungsvakuum überbrücken können. In welchen Delegiertenversammlungen hat er seine Rechenschaftsberichte vorgetragen, wie die anderen Vorstandsmitglieder?

Oder wird in Wahrheit die IG Welsh sowohl in ihrer programmatischen Entwicklung als auch in ihrer praktischen Politik weder von ihrem Ersten noch von ihrem Zweiten Vorsitzenden sondern von einem ganz anderen gewichtigen Funktionsträger geführt?

Zum Leitbild und Selbstverständnis der IG

In Welsh aktuell und der Zeitschrift „Kleinpferde“ finden sich folgende Feststellungen:

  • „Ende März fand an gewohntem Ort die Delegiertenversammlung statt, eine sehr harmonische und sachliche Versammlung, deren Diskussionsbeiträge einmal mehr den einheitlichen Konsens der IG Welsh verdeutlichen“, Friederike Rosenthal, in Welsh aktuell, Ausg. Juni 2006, 11. Jhg., S.3.
  • „Die Anlaufstelle der IG Welsh ist die Geschäftsstelle. Man kann sie auch als das Herz der IG Welsh bezeichnen, denn hier laufen alle Fäden zusammen...,“ Friederike Rosenthal, Kleinpferde, Ausg. Dez./Jan. 2006/2007, S.13.
  • „Damit die reibungslose Durchführung von Veranstaltungn klappt...und, und, und...ist der Einsatz vieler, vieler Menschen erforderlich, und dies lässt die IG Welsh zu einer großen Familie zusammenwachsen. Diejenigen, die voll hinter der Sache stehen, haben Spaß an ihren Ponys und Cobs und an dem Miteinander unter Gleichgesinnten,“ Friederike Rosenthal, Kleinpferde, Ausg. Dez./Jan. 2006/2007, S.15. Haben Welsh-Züchter und -Halter, die nicht in der IG organisiert sind, keinen Spaß an ihren Ponys und Cobs und an dem Miteinander unter Gleichgesinnten?

Hier wird einer überholten „Familienidylle“ früherer Zeiten ein Lied gesungen, die schon länger keine Gültigkeit mehr hat, und die für die Zukunft nicht tragfähig ist. Die Hervorhebung der Worthülsen „harmonische und sachliche Versammlung, einheitlicher Konsens(!), die emotionale Überladung der Geschäftsstelle als „das Herz der IG“ und die überzogene und nicht stimmige Darstellung der IG in der „viele, viele Menschen zu einer großen Familie zusammenwachsen“ wird weder der augenblicklichen Situation der IG noch ihrem Auftrag als „Interessengemeinschaft“ gerecht.

„Denkanstöße*

Die Verluste und der Niedergang zahlreicher Betriebe, Vereine, Interessengemeinschaften etc. sind oft „hausgemacht“. Unprofessionell, mit einem Management von vorgestern - trotz zuweilen geänderter Strukturen - wird nach wie vor (vergeblich) versucht, Erreichtes zu sichern und die Zukunft zu meistern. Auf der Stelle treten wird als besondere Leistung gefeiert, Misserfolge werden „schön“ geredet. Die Augen verschließen und sich gegenseitig in die Tasche lügen, gedeiht zur Meisterschaft.

In kränkelnden Interessengemeinschaften können in der Regel folgende Schwachstellen ausgemacht werden:

  • Es fehlt eine schonungslose Situationsbeschreibung der IG und eine fundierte Marktanalyse für den Absatz ihrer Produkte.
  • Oft ist ein „Unternehmensleitbild“ und eine klare Zieldefinition (Was können und was wollen wir?) nicht vorhanden.
  • Stabilisierung und Wachstum werden in einer einseitigen (zuweilen tödlichen) Schwerpunktbildung gesucht (Freizeitbereich). Andere Märkte werden leichtfertig aufgegeben (z.B. Welsh-Partbreds).
  • Oft fehlt es an einer differenzierten Organisationskultur. Entweder wird ein diktatorisches Führungsverhalten praktiziert und wichtige Entscheidungen mit der Mitgliedschaft nicht vor- und ausdiskutiert und von oben nach unten kommuniziert (z.B. Resolution der kontinentalen Zuchtverbände), oder Gremien werden gegeneinander ausgespielt (z.B. Votum des Richterkollegiums gegen Entscheidung des Richterwahlsausschusses).
  • Existentiell notwendige Kritik wird nicht dankbar entgegengenommen sondern als persönlicher Angriff und als „Nestbeschmutzung“ gedeutet („Der diffamiert  ja schon wieder und macht die (harmonische) Stimmung kaputt!“).
  • Eine Optimierung von Diskussions- und Arbeitsabläufen findet nur zögerlich statt (Qualitätsmanagement!).
  • Personelle Fehlentscheidungen werden nicht korrigiert, sondern „rücksichtsvoll“ gepflegt, um vor allen Dingen die tonangebende Seilschaft nicht zu gefährden und die eigenen Machtbereiche zu retten und zu konservieren.
  • Bei allem Respekt vor nicht beeinflußbaren Marktentwicklungen liegt sehr häufig der Abgesang einer Organisation und ihr Weg in die Bedeutungslosigkeit im fehlenden strategischen Denken der “Entscheidungsträger“.

Eine besondere Bedeutung für ein Unternehmen oder eine Organisation bildet die Personalpolitik. Personalentscheidungen auf der Leitungsebene sind in der Regel Schlüsselentscheidungen. Im Interesse des Ganzen sollen sie über längere Zeiträume nachhaltig motivieren und mobilisieren. Besonders die auf der Führungsebene handelnden Personen prägen das Unternehmensbild nach innen und außen.

 

Geglückte Personalentscheidungen sind der erste Schritt für den Erfolg eines Unternehmens oder einer Interessengemeinschaft.

*Holin, E., leicht überarbeiteter Text aus 1998

Siehe auch
Holin, E., Zur Änderung der Führungs- und Organisationsstruktur der IG Welsh,
in: Welsh aktuell, Ausg. 15. Januar 1998, S.10/11 und Ausg. 15.April 1998, S.19-24
Holin, E., Die IG Welsh macht mobil, Qualitätselemente der IG,
in: Welsh akuell, Ausg. 15.Januar 1998, S.12-14

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