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Anspruch auf Alleinvertretung „ade“

von Eberhard Holin

Auf der Webseite der IG Welsh findet sich im Protokoll des Workshops und Meetings des “International Committee“ vom 02.02.2008 in Cardiff/Wales die Bemerkung:

„Im Anschluss an den offiziellen Teil besprachen IG Welsh und Hartmut Schröder (Vorsitzender der WPCSG) die Ziele und Vorstellungen der WPCSG und die Gesprächsbereitschaft beider Vereine wurde festgestellt. Ein Termin hierzu wird abgestimmt.“

In einer weiteren Information wird auf der IG-Seite mit Datum vom 19.02.2008 mitgeteilt, dass dieses Treffen am 09.03.2008 stattfindet. Der Ort dieser „Begegnung“ und die Gesprächsteilnehmer werden nicht genannt. Auf der Webseite der WPCSG fehlt im Protokoll zum o.g. Workshop und Meeting jeder Hinweis auf dieses Treffen (Protokoll Frau v. Redwitz v. 06.02.2008). Auch an keiner anderen Stelle der HP der WPCSG ist ein Hinweis auf diesen konkreten Termin zu finden. Folgerichtig finden sich auf der HP der WPCSG auch keine Informationen über die Gesprächsteilnehmer dieses Meetings.

Nun hatte es im Anschluss an die Gründung der WPCSG schon früher Bemühungen gegeben, ein solches Treffen zu arrangieren. Dieses Meeting war aber nicht zustande gekommen, weil sich beide Vereine über Termin und Tagungsort nicht einigen konnten. Inzwischen wurde die WPCSG beim Amtsgericht Oldenburg eingetragen. Die Welsh Pony and Cob Society (WPCS/Wales) betrachtet die WPCSG als Mitglied des „International Committee“. Folgerichtig hatte sie daher die WPCSG auch zur Teilnahme am o.g. Workshop und Meeting in Cardiff eingeladen. Auch die FN spricht gegenüber der WPCS/Wales inzwischen von zwei „Communities of interest“ in Deutschland, siehe Schreiben von Dr. Miesner an WPCS/Wales v. 31.01.2008. Da die FN alle Interessengemeinschaften gleich behandelt, wird die WPCSG in den Organisationen der FN, wie AGP, in Zukunft vertreten sein.

Keine Frage, die WPCSG hat sowohl international
als auch national Fuß gefasst.

An der Sitzung in Cardiff haben von der WPCSG Hartmut Schröder u. Marie von Redwitz und von der IG Welsh Joachim Clement u. Uwe Rosenthal teilgenommen.

Der IG Welsh hat es nichts gebracht, die WPCSG hochnäsig in die Ecke zu stellen und als „überflüssig“ abzutun und zu bekämpfen, „da die IG Welsh die Belange aller Sektionen und aller Mitglieder seit nunmehr über 30 Jahren vertritt,“ siehe Welsh aktuell, Ausg. März 2006, S.14. Es wird an die diffamierenden Attacken erinnert, die auf der Delegiertenversammlung vom 26.03.2006 gegen die vier IG-Richter Clausnitzer, von Redwitz, Schumacher u. Wulf wegen ihrer Zugehörigkeit zur damaligen WPSG gefahren worden sind, siehe Welsh aktuell, Ausg. Juni 2006, S.13. In Folge dieser heftigen Auseinandersetzungen sind die vier Genannten aus dem IG-Richterkollegium ausgeschieden. Offensichtlich gibt es aber weiterhin Züchter und Liebhaber der Rasse Welsh, die mit der (fehlenden) Programmatik der IG Welsh und ihrem Alleinvertretungsanspruch unzufrieden sind und daher ihren eigenen eingetragenen Verein gegründet haben.

Die Gründung der WPCSG bildet eine Bereicherung
für die Welsh-Szene in Deutschland. Konkurrenz belebt das Geschäft.

Der Anspruch auf Alleinvertretung ist passee

Für die IG Welsh bedeutet diese Neugründung eine grandiose Schlappe und eine nicht wegzudiskutierende Watsche. Ihr „Alleinvertretungsanspruch“ und Teile ihrer Verbandspolitik werden offensichtlich von einem Teil der Welsh-Szene für die Zukunft als wenig tragfähig empfunden. Insofern ist für die IG eine neue Situation entstanden, an die sie sich erst noch gewöhnen muss. Die Gründe für diese Entwicklung wurden m.E. in den beiden Amtsperioden von Uwe Rosenthal und speziell durch das durchgreifende „Top-down-Management“ von Joachim Clement gelegt.

Ist es der IG in den letzten Jahren gelungen den überzeugenden Eindruck zu vermitteln, für alle Mitglieder und alle Sektionen in gleicher Weise dazusein?

Auf zu neuen Ufern?

Nur eine Woche vor der Delegiertenversammlung am 16. März in Alsfeld sitzen sich nun Hartmut Schröder u. Hinrich Wulf als Vertreter der WPCSG, und Joachim Clement u. Claudia Hoffahrt von der IG Welsh gegenüber. Wie kommt der Geschäftsführer der IG (Dritter in der Hierarchie!) dazu, nur eine Woche vor der Wahl einer/es neuen Ersten und Zweiten IG-Vorsitzenden ein Meeting mit Repräsentanten der WPCSG abzuhalten? Hätte er in Respekt vor den „neuen“ Vorsitzenden der IG dieses Gespräch nicht erst nach erfolgter Neuwahl terminieren dürfen, um den Neugewählten - wie sie denn auch heißen mögen - den üblichen Spielraum zu geben, sich selbst und ihre Ideen in dieses Gespräch einzubringen? Sind ihm als „begnadeter Schrittmacher der IG“ bei dieser unmöglichen Terminierung seine „Cobs“ durchgegangen, oder hat er das hessische Multitalent Frau Claudia Hoffahrt* schon als neue Erste Vorsitzende der IG im Sack? Das würde seinen Eifer in dieser Sache erklären.

Über welche Inhalte soll verhandelt werden? Was hat der GF der WPCSG anzubieten? Mit welchen IG-Gremien sind im Einzelnen diese Positionen abgestimmt worden? Etwa mit dem Rest-Vorstand der IG, bei dem zum Zeitpunkt des Gesprächs de facto die beiden Vorsitzenden fehlen und weitere zwei Vorstandsmitglieder nur eine Woche später neu- bzw. wiedergewählt werden müssen? Oder will er nur zum „Kaffeetrinken und Small Talk“ in den Norden der Republik?

Verstößt der Geschäftsführer mit diesem Coup nicht massiv gegen elementarste Spielregeln jedes Vereinsmanagements? Ist er als GF in der IG Welsh der tatsächlich tonangebende und richtungsweisende „Erste“, unter welchem Vorsitzenden auch immer? Ist er sich seiner Sache so sicher, dass diese überzogene Positionierung in der IG immer mit Zustimmung zur Kenntnis genommen und teilnahmslos ertragen wird?

Er wird seine Gründe haben, weshalb er nicht selbst zum Ersten Vorsitzenden kandidiert.

Dann gäbe es klare Verhältnisse, dann wüssten wir alle, woran wir wären.

* Erfahrene und erfolgreiche Mannschaftsführerin und Jungzüchterbeauftragte beim Verband der Pony- und Pferdezüchter Hessen e.V., Mitglied des Zuchtausschusses bei diesem Verband (Welsh), Mitglied im Rasseparlament der FN, Mitglied im Rassebeirat der FN (Welsh), Allgemeine Richterin Zucht (FN), Vorstandsmitglied der IG Welsh als Beauftragte für Zucht, Vorsitzende des Arbeitskreises Zucht der IG Welsh, Mitglied des Beirats der IG Welsh, Richterin der IG Welsh

Die WPCSG steht erst am Anfang ihrer noch kurzen Geschichte. Im eigenen Interesse wird sie sich vorrangig um die Weiterentwicklung ihrer eigenen Programmatik und ihres eigenen unverwechselbaren Profils (Leitbild) kümmern, das sich deutlich in wesentlichen Teilen von der IG Welsh unterscheiden muss, wenn die WPCSG auf Dauer die Welsh-Szene in Deutschland nachhaltig mitgestalten will. Diese Zielsetzung bedeutet zwangsläufig auch „Abgrenzung“ gegenüber der IG in wichtigen Bereichen. Nur so bleibt die WPCSG für Welsh-Züchter und -Freunde attraktiv.