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Autoritäres Führungsverhalten*

von Eberhard Holin

Mit Datum vom 15.11.2007 habe ich wegen Nichtbeachtung der Satzung eine förmliche Beschwerde an den „amtierenden Vorsitzenden der IG Welsh“ über den Vorstand und Beirat geschickt. Um eine „förmliche Beschwerde“ zu umgehen, hatte ich ursprünglich vor, meine Kritik dem Vorsitzenden mündlich vorzutragen. Ein zunächst zugesagtes Gespräch ist leider bis heute nicht zustande gekommen. So habe ich die Vorsitzende der Regionalgruppe Westfalen, Frau Sonja Kaiser, gebeten, meine nun schriftlich vorgelegte Beschwerde auf der Herbstsitzung des Vorstands und Beirats am 17./18. November 2007 an Herrn Dr. U. Reichel zu überreichen. Da der 1. Vorsitzende wegen einer Erkrankung an dieser Sitzung nicht teilnehmen konnte, hat Joachim Clement, als Sitzungsleiter diese Beschwerde entgegengenommen.

Herrn Dr. U. Reichel 15.11.2007

Vors. der IG Welsh

per Einschreiben und per e-mail

Beschwerde über Vorstand und Beirat der IG Welsh
Wegen Verstoßes gegen § 5 Abs. a) der Satzung
Die Mitglieder sind verpflichtet, a) die Satzung und die Beschlüsse des Vereins zu befolgen ...

In Besonderheit
Nichtbeachtung der Satzung
§ 8 Abs. 7 und Abs. 9 (siehe Druck vom Dez. 2002)

Nichtbeachtung der Geschäftsordnung für den Vorstand (GOV)
§ 1 Abs. 4 und Abs. 5 und § 3 (siehe Druck vom Dez. 2002 und Jan. 2006)

Bis zum 30.11.2007 erbitte ich einen Beschwerdebescheid. Außerdem erbitte ich die Beantwortung folgender Frage:
An welchen Termine n haben der Marketing- und der Zuchtausschuss zum letzten Mal getagt?

Mit freundlichen Grüßen,
Eberhard Holin

 

Zur Vorgeschichte

Auf der Delegiertenversammlugn 1999 ist die neue Satzung der IG Welsh verabschiedet worden. Der Vorstand wurde von bisher 4 Vorstandsmitglieder auf 7 erweitert. Gleichzeitig wurde die Zahl der Mitglieder des Beirats um die Positionen

  • verantwortlicher Redakteur des Jahrbuchs
  • Redakteur Welsh aktuell
  • Vertreter der IG für Internationale Angelegenheiten verkleinert.

Die Besetzung dieser Funktionen erfolgt nun nicht mehr wie zuvor durch den Beirat, sondern durch den Vorstand. Der Beirat besitzt jetzt lediglich ein Vorschlagsrecht.

„Der Vorstand führt die laufenden Geschäfte des Vereins. Ihm obliegt die Durchführung der Vereinsbeschlüsse. Er trägt die Verantwortung für das Vereinsvermögens. Er beauftragt auf Vorschlag des Beirats Mitglieder für Sonderaufgaben,“ siehe § 8 Abs. 5 der Vereinssatzung.

 

Zu den Arbeitskreisen

Nach § 8 Abs. 7 bis 11 der gültigen Vereinssatzung ist die Bildung von Arbeitskreisen vorgeschrieben. Diese vier Arbeitskreise sind den Vorstandsmitgliedern Geschäftsführer, Zucht, Sport und Öffentlichkeitsarbeit zugeordnet. Diese Vorschriften existieren seit der Verabschiedung der neuen Vereinssatzung 1999.

Für die genannten Funktionsinhaber heißt es:

Ihr/ihm ist ein Arbeitskreis zugeordnet, dessen Vorsitzende/r sie/er ist, und der auf Vorschlag des Beirates vom Vorstand berufen wird“, (§ 8 Abs. 7, 9, 10, 11).

In der Geschäftsordnung für den Vorstand der IG Welsh (GOV) finden sich folgende Vorschriften, nachzulesen in der Fassung v. Januar 2006:

Geschäftsführer: „Er soll weiter als Vorsitzender des Marketingausschusses mit diesem gemeinsam an dem Ziel arbeiten, die Bedeutung und Akzeptanz der Rasse Welsh einschließlich Welsh-Partbred in Deutschland zu steigern“, § 1 Abs. 4.

Beauftragter für Zucht: Als Vorsitzender des Zuchtausschusses soll er gemeinsam mit diesem über Einhaltung der WSO wachen und ihre Weiterentwicklung betreiben“, § 1 Abs. 5 usw.

Gleiches gilt sinngemäß für die Beauftragten und Arbeitskreise für Sport und Öffentlichkeitsarbeit, siehe § 1 Abs. 6 u. 7. Es wird daran erinnert, dass der „Zuchtausschuss“ bereits in den 90-er Jahren unter Wilhelm-Heinrich Hüggenberg bestanden hat.

In der Geschäftsordnung(GOV) für den Vorstand findet sich auch folgende Vorschrift:

§ 3 Ausschüsse
„Der Marketingausschuss, der Zuchtausschuss und der Sportausschuss sind von den jeweiligen Vorsitzenden mindestens einmal im Jahr einzuladen. Die Einladung hat schriftlich mit einer Ladungsfrist von zwei Wochen zu erfolgen.“

 

Preisfragen

Welche Vereinsmitglieder gehören den genannten Ausschüssen an? Wer vertritt in diesen Ausschüssen die Interessen welcher Sektionen? Wann haben diese Ausschüsse zum letzten Mal getagt? Wann und an welchem Ort ist über die Arbeitsergebnisse dieser Ausschüsse berichtet worden? Hat der Vorstand für die Besetzung dieser Ausschüsse unter den Vereinsmitgliedern nach Interessenten gesucht? Ist vom Vorstand für die Erledigung dieser wichtigen und von der Vereinssatzung vorgeschriebenen „innovativen Arbeit“ geworben worden?

Hat der Marketingausschuss tatsächlich zum letzten Mal anlässlich der Pfälzer-Weinprobe auf dem Weingut Steitz in Schönborn am 08.04.2000 getagt? vgl. Welsh aktuell, Ausg. 6/2000, S.15. In Welsh aktuell konnte ich keinen Nachweis über eine spätere Sitzung finden.

Kann es sein, dass der Zuchtausschuss ebenfalls mehrere Jahre zu keiner ordentlichen Sitzung zusammengekommen ist, weil es aus dem Bereich Zucht nichts zu besprechen gab?

Mit welcher Legitimation propagiert die Zuchtausschussvorsitzende dezidierte „IG-Welsh-(FN-) Positionen“ in Zuchtangelegenheiten - auch international - wenn der Zuchtausschuss zeitnah nicht getagt und kein entsprechendes Votum abgegeben hat?

Wer vertritt im Zuchtausschuss und im Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit die Belange der Welsh-Partbred-Zucht?

Sind „One person committees“ geeignete Instrumente, um für die Zukunft tragfähige Marketing- und Zucht-Strategien zu entwickeln? Sind Vorstandsmitglieder überhaupt in der Lage, ihre Verantwortungsbereiche allein bzw. als „Einzelkämpfer“ konzeptionell und programmatisch zu neuen Ufern zu führen?

In unserer Verbandszeitschrift hieß es bereits vor 10 Jahren :
„42. In punkto Entwicklungsarbeit ist ein Strategieboard von besonderer Bedeutung.“

Quelle: Die IG Welsh macht mobil, Qualitätsmerkmale der IG Welsh, Welsh aktuell, Ausg. 1/98, S.12-13.

Was ist aus dieser Anregung geworden?

Satzungsänderung  

Am 05.12.07 erreicht mich der Beschwerdebescheid auf meine obige Eingabe:

„...Auf der Versammlung wurde mir von Sonja Kaiser Dein Schreiben an den 1. Vorsitzenden bezüglich der Arbeitskreise übergeben. Die Punkte Deines Schreibens wurden auf der Versammlung angesprochen und es wird eine Änderung zum Frühjahr 2008 geben.

Mit freundlichen Grüßen, Joachim“

Im Klartext heißt das:
Auf der kommenden Delegiertenversammlung wird vom Vorstand eine Satzungsänderung zur Abstimmung vorgelegt, die bis heute der Mitgliedschaft „im Entwurf“ nicht vorliegt, und deren Auswirkung und Problematik für die gesamte „Führungsstruktur“ der IG in keinem Arbeitskreis vordiskutiert und zur Annahme empfohlen worden ist.

Ein solches Problem-Management entspricht einem eindimensionalen „Top down-Führungsverhalten“ mit stark autoritären Zügen (der Vorstand beschließt, die Delegierten nicken ab). Unter den Ansprüchen einer demokratisch orientierten Führungskultur ist ein solches Vorgehen nicht zu akzeptieren.

So passt es auch voll ins Bild, wenn vom GF auf meine Frage nach den letzten Sitzungsterminen von Marketing- und Zuchtausschuss keine Antwort gegeben wird.

Inzwischen wird in Richterkreisen diskutiert, den Arbeitskreis für Zucht zu streichen und seine bisherigen Zuständigkeiten in die Kompetenz des Richterkollegiums zu verlagern. Ist das der Weisheit letzter Schluss? Ist für diese radikale Veränderung z.B. das zur Verfügung stehende Zeitfenster angemessen, um das Für und Wider einer solchen Entscheidung fachgerecht auszuloten?

Im Übrigen stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage nach der fachlichen Qualifikation von Vorstandsmitgliedern.

*Siehe auch
E. Holin, Gesucht wird ein neuer Vorsitzender, Januar 2007, Archiv www.welsh-pony.de