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Vom Zucht- zum Freizeit- Fahrer- und
Freizeit-Reiterverein

von E. Holin

In 2007 fanden in Dorthealyst/Dänemark für die Pony- Ein-, Zwei- und Vierspänner die im 2-jährigen Rhythmus stattfindenden „Pony Driving World Championships“ statt. In Welsh aktuell (Ausg. v. Sept. 2007, S.52) und auf ihrer Website (Archiv, Drei Weltmeisterschaften für die vielseitigen Welsh!) berichtete die IG Welsh über den Ablauf und die Ergebnisse dieser Veranstaltung. Die Berichterstatterin war selbst an keinem der Veranstaltungstage auf dem Austragungsgelände anwesend gewesen, hatte sich aber nach eigenen Angaben bei einem dänischen Welsh-Züchter über das Turniergeschehen kundig gemacht. Die beanstandeten „Informationen“ dieser heiß gestrickten Berichterstattung sollen an dieser Stelle nicht wiederholt werden. Im Archiv der IG Welsh, siehe Website, findet sich jedoch noch immer - nun schon seit fast zwei Jahren - diese ursprüngliche beanstandete Version.

Sie wissen schon, „das Gut Dorthealyst... der ehemalige Geburtsort der Kladruber-Rasse“(!) usw., vgl. dazu den Text „Mit heißer Nadel gestrickt“ [ hier ] .

Bei den Weltmeisterschaften 2007 holte die Deutsche Equipe zum dritten Mal infolge die Goldmedaille in der Mannschaftswertung. Die Goldmedaillen in den Einzelwertungen für die Pony-Ein-, -Zwei- und -Vierspänner sind in 2007 ohne Ausnahme an Welsh-Gespanne gefallen:

Einspänner Peter Koux (DEN), Welsh-C/Welsh-D Zweispänner Miranda Cadwell (USA), 2 Welsh-Bs/1 Welsh-Pb) Vierspänner Jan de Boer (NED), 4 Welsh-As.

Steffen Abicht gewann die Silbermedaille bei den Zwei- und Thomas Köppen die Bronzemedaille bei den Vierspännern. Tobias Bücker siegte bei den Vierspännern in der Dressur und im Kegelfahren, und Steffen Brauchle bei den Zweispännern im Kegelfahren.


„Pony Driving World Championships” vom 13.-16. August 2009
in Greven-Bockholt/Münster

Nun finden zum ersten Mal seit ihrer Austragung die Weltmeisterschaften der Pony-Fahrer in Deutschland statt. Mit großer Anstrengung und vielfältiger Unterstützung ist es dem RuF St. Martin Greven-Bockholt/Münster/Westfalen gelungen, dieses fahrerische Highlight für 2009 auf sein Gelände nach Greven zu holen. Die deutsche Fahrsportszene, speziell die Pony-Fahrer, sind über dieses internationale Großereignis begeistert. Ohne Übertreibung kann man davon ausgehen, dass diese Veranstaltung den deutschen und internationalen Pony-Fahrsport stärken und ihm weitere nachhaltige Impulse geben wird.

Das Kontrastprogramm der IG Welsh

Die Weltmeisterschaften werden in einer kombinierten Prüfung nach FEI-Reglement ausgetragen. Die Anforderungen auf diesem Niveau sind mit denen der schweren Fahr-Klasse S zu vergleichen.

In den Einzelprüfungen der WM in Dorthealyst sind über alle Anspannungsvarianten hinweg in der Dressur und im Marathon jeweils 73 Gespanne an den Start gegangen und im Kegelfahren 72.

Fahrer, Offizielle und Zuschauer erlebten also 218 Starts (89 bei den Ein-, 72 bei den Zwei- und 57 bei den Vierspännern). Insgesamt gingen 461 Tiere an den Start (89+144+228).

Zeitgleich Pony-Weltmeisterschaften und Welsh-Bundesschau

Seit geraumer Zeit macht die IG Welsh für ihre Veranstaltungen in 2009 Reklame. Auf ihrer Website, aktualisiert mit Datum vom 01.03.2009, findet sich eine Auflistung der nationalen und internationalen Welsh-Termine, wie die Angaben über die Regional- und die internationalen Schauen in Wales, Holland, Belgien usw. Hier ist auch das Datum für die diesjährige Bundesschau der IG Welsh vom 14.-16. August in Remlingen/Bayern aufgeführt. Die Pony-Weltmeisterschaften und die Welsh-Bundesschau finden in diesem Jahr also zeitgleich statt. Einen Hinweis auf den Termin der Pony-Fahr-Weltmeisterschaften sucht man bis jetzt bei der IG Welsh vergebens.

Auf der Bundesschau der IG Welsh 2007 in Ostbevern/Westfalen wurden insgesamt vier Fahrprüfungen für Freizeitfahrer angeboten:

Freizeitfahrereignungsprüf., Teilnehmer 5 Gespanne (4 Ein-, 1 Zweispänner) Freizeitfahrergeländeprüf., Teilnehmer 4 Gespanne (3 Ein-, 1 Zweispänner) Freizeitfahrerhindernisprüf.,Teilnehmer 5 Gespanne (4 Ein-, 1 Zweispänner) Freizeitfahrervielseitigkeit, Teilnehmer 4 Gespanne (3 Ein-, 1 Zweispänner)

Die 18 Starts wurden von 6 Gespannen absolviert (5 Ein-, 1 Zweispänner). 7 unterschiedliche Tiere demonstrierten ihre Eignung für ihren Einsatz im Freizeitfahren:

Gwastad Mabo Mai(D), Steverheide Cymreag(D), Thor Zest for Life(D), Mahrdorf Raffaelo(B), Ronja(PB), , Shiva(A), Deroks Rowena(C).

Auf der Bundesschau der IG Welsh 2008 in Grünberg/Hessen wurden wie auf der Bundesschau 2007 in Ostbevern (s.o.) vier Fahrprüfungen für Freizeitfahrer angeboten:

In diesen vier Prüfungen wurden von 7 Einspännern insgesamt 15 Starts absolviert. Wie auf der Bundesschau von 2007 zeigten 7 unterschiedliche Tiere ihre Eignung für ihren Einsatz im Freizeitfahren:

Behrenkamp Borris(D), Bimberg Pacco(D), Dreisbe Extra(D), Hicken Falco(D), Brennabor Pallas(A), Rötgers Carolus(A), Carlo(C).

Bei den Weltmeisterschaften 2007 erfolgten durch 73 Gespanne in den Einzeldisziplinen Dressur, Marathon und Kegelfahren
insgesamt 218 Starts mit 461 Tieren.

Nun lässt sich eine Pony-Weltmeisterschaft im Fahren kaum mit dem Prüfungs- und Leistungsangebot für Freizeitfahrer auf einer Bundesschau der IG Welsh vergleichen, die Zielsetzungen sind zu unterschiedlich, vergnügliches Freizeitfahren gegen sportlichen Leistungsvergleich auf S-Niveau. Da prallen unterschiedliche Welten aufeinander.

Gleichwohl müsste es jedoch für jeden deutschen Welsh-Enthusiasten eine ideale Gelegenheit sein, im Rahmen einer Weltmeisterschaft bei internationaler Konkurrenz Vertreter der Rasse Welsh auf S-Ebene hautnah mit den anderen Pony-Rassen zu erleben. Gerade für die sogenannten „Freizeit-Reiter- und -Fahrer“ könnte eine solche Begegnung doch zu einem besonderen befruchtenden und weiterführenden Erlebnis werden.

Die IG Welsh hat es bis heute nicht für nötig gehalten, ihre Mitglieder wenigstens in ihren Publikationsorganen auf diese Pony-Weltmeisterschaft im eigenen Land(!) aufmerksam zu machen.

1997 haben in Hanerau-Hademarschen/Schleswig-Holstein die Deutschen Meisterschaften der Pony-Viererzüge stattgefunden. Im Anschluss an diese gelungene Veranstaltung machte ich Dieter Bonin, dem damaligen 1. Vorsitzenden der IG Welsh, den Vorschlag, bei den DM jedes Jahr von Seiten der IG dem besten Welsh-Gespann einen Ehrenpreis (Pokal) zu überreichen. Diese Idee wurde damals mit der Bemerkung abgetan „Wo sollen wir da anfangen?“ Ähnlich schwach argumentiert die Vorsitzende der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit der IG, wenn sie in Sachen „Offizieller Vertreter der IG Welsh während der Grünen Woche/2.FN-Bundeshengstschau Sportponys in Berlin 2007, Präsentation der Welsh-Hengste“, Christian Tschoepke in einem Leserbrief erwidert:

„Allerdings waren die Vertreter der IG`s von der FN nicht eingeladen worden...Mir ist wirklich nicht so ganz klar, wie die IG sich im Glanze einer FN-Veranstaltung hätte präsentieren sollen,“ s. Leserbriefe Tschoepke/Dötschel, in: Welsh aktuell, Ausg. März 2007, S. 34-37.

Diese Einstellung trifft den Nagel auf den Kopf. Wenn die Kraft zur Veränderung und Fortentwicklung fehlt (z.B. Konzipierung eines Leitbildes der IG), sind Ideen schmerzende Mangelware und nachhaltige Zukunftskonzepte böhmische Dörfer.

Quelle: Welsh-Jahrbücher 2008/2009